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Deutschlehrer-Info

Deutsche Sprache: mehr Probleme für ältere Flüchtlinge

Das Erlernen der deutschen Sprache stellt für viele Flüchtlinge eine Herausforderung dar – und ganz besonders für ältere Menschen. Sie tun sich mit dem Lernen oft schwerer und haben häufiger gesundheitliche Probleme.

Qatneh ist Mitte 50. Die Syrerin lebt seit zwei Jahren in Leipzig, sie ist gekommen, um in der Nähe ihrer Kinder zu sein, die zu der Zeit bereits nach Deutschland geflüchtet waren. Wie alle Flüchtlinge, die Asyl in Deutschland beantragen, muss sie Deutsch lernen. Der Unterricht ist „sehr lang und sehr ermüdend", erzählt sie. Qatneh ist Analphabetin. Für sie ist es besonders schwierig, eine neue Sprache zu lernen. Die meiste Mühe bereitet ihr das Schreiben. Doch auch das stundenlange Sitzen sei alles andere als einfach in ihrem Alter, sagt sie. Der Deutschkurs findet jeden Tag statt und Anwesenheit ist Pflicht.

„Der Wille, die neue Sprache zu lernen, ist da", sagt Hala, eine 59-jährige Teilnehmerin des Kurses. Doch neben dem Kurs und den Hausaufgaben muss sie sich um viele andere Dinge kümmern, um den Haushalt oder die Familie, das ermüde auch sie.

Sprachkursleiterin mit Teilnehmerin

Qatneh (links) mit Sprachkursleitern Malvina

Halas Ehemann Ali folgt dem Unterricht mit großem Enthusiasmus. Auch wenn er noch nicht viel Deutsch kann – mit den ersten Kenntnissen, die er im Unterricht erlernt hat, konnte sich der 66-Jährige schon viel besser verständigen. Die Sprache ist unerlässlich, sagt er, um die Briefe von Ämtern lesen zu können und Kontakte in Deutschland zu knüpfen. Um anzukommen in der neuen Gesellschaft.

Anderes Lerntempo im Alter

In gebrochenem Arabisch ruft die Lehrerin die Teilnehmer zum Kursbeginn auf. Malvena Myderitska erklärt, dass ihre Schüler alle unterschiedlich schnell lernen. In der Gruppe gibt es große Altersunterschiede, und das müsse man berücksichtigen. Ältere Menschen, sagt sie, lernen ganz anders als die Jüngeren. Die Älteren hätten öfter Probleme mit Vergesslichkeit und würden öfter krankheitsbedingt fehlen. „Im A2-Kurs haben wir gemerkt, dass mit Ausnahme von zwei oder drei Schülern alle Teilnehmer Probleme hatten, dem Unterricht zu folgen. Ich musste mit der Schulleitung sprechen und umdisponieren: Wir haben den Stoff des A1-Kurses komplett nachgeholt, also auf Anfängerniveau."


Der Sprachkurs der LehmbauGruppe, einem Bildungsträger in Leipzig, wird als Integrationskurs angeboten. Er ist Teil des Angebots zur Integration von Ausländern mit Aufenthaltserlaubnis oder guter Bleibeperspektive. Verantwortlich für Konzeption und Umsetzung ist das Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge (BAMF). In einem Integrationskurs folgt auf den Sprachkurs ein 100-stündiger Orientierungskurs, in dem Kenntnisse über die deutsche Gesellschaft und das deutsche Rechtssystem vermittelt werden.

Hürden für die Integration

Die Sprachkurse dauern in der Regel 600 Stunden, bei Personen ohne Sprachkenntnisse können sie bis zu 1000 Stunden dauern. Die Kosten werden den Teilnehmern ganz oder teilweise erstattet, am Ende des Sprachkurses steht die Prüfung „Deutsch-Test für Zuwanderer", am Ende des Orientierungskurses der Test „Leben in Deutschland". Susan El-Khatib koordiniert die Sprachkurse bei der LehmbauGruppe. Auch sie sieht Probleme darin, wenn Teilnehmer aller Altersgruppen zusammen lernen müssen. Viele fallen dann zurück, erklärt sie. Das Tempo sei entscheidend. Das Auffassungsvermögen bei älteren Menschen sei schlicht anders als bei jungen Menschen Mitte zwanzig. „Es sollte Sprachkurse speziell für ältere Menschen geben. Doch diese Entscheidung liegt beim BAMF."

In einem parallel stattfindenden Sprachkurs sieht es ähnlich aus. Der Kursleiter Hussein al-Naimat unterrichtet Teilnehmer aller Altersgruppen. „Zwar machen sie ihre Hausaufgaben und sind immer anwesend. Aber eine neue Sprache zu lernen erfordert viel Kraft und Willensstärke." Dabei sei die Sprache gerade für ältere Menschen von großer Bedeutung bei der Integration. Im Gegensatz zu den Jüngeren haben sie weniger soziale Kontakte und weniger Berührungspunkte in der Gesellschaft. Wenn die Sprache nicht beherrscht wird, haben sie wenig Anteil am gesellschaftlichen Leben.

Bedarfsorientierter Unterricht

Drei ältere Teilnehmer eines Deutschkurses für Flüchtlinge

Khaled Daoud, Adnan Hami und Tarek Al-Khaledi, drei der älteren Teilnehmer des Deutschkurses

Die optimale Lösung wären kleinere Gruppen und eine bedarfsorientierte Herangehensweise, so Hussein al-Naimat. Damit jene mit gesundheitlichen Problemen nicht im Unterricht zurückfallen. Zum Beispiel seien mehrere kleine Pausen notwendig, damit Teilnehmer mit Diabetes oder anderen Beschwerden sich während des Unterrichts mehr bewegen könnten. „Auch die, die vor dem Bürgerkrieg geflohen sind und Erinnerungen an Gewalt und Sterben verarbeiten müssen, brauchen eine andere Form des Unterrichts." Deren Aufmerksamkeitsspanne sei aufgrund dieser Erlebnisse oft eingeschränkt. Die Teilnehmer im Kurs, die über 50 sind, stimmen Hussein al-Naimat zu.

Tariq ak-Khallidi, ein 50-jähriger Iraker, der nach einer langen und gefährlichen Reise in Deutschland ankam, würde am liebsten sofort durchstarten. „Wenn ich direkt arbeiten könnte, könnte ich beim Job die Sprache lernen. Hier im Sprachunterricht muss ich ständig daran denken, wie ich bloß schnell eine Arbeit finden werde. Mein Leben hängt schließlich davon ab."

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