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Sport

Deutsche Sportförderung in der Kritik

Deutschlands Athleten hinken den Erwartungen in London hinterher und müssen Kritik einstecken. Dabei nutzen nicht nur einige Medaillengewinner ihre Stimme, um das deutsche System der Sportförderung infrage zu stellen.

Diskusswerfer Robert Harting als gefragter Interviewpartner im Trainingslager Kienbaum (Foto: DW)

Diskusswerfer Robert Harting als gefragter Interviewpartner im Trainingslager Kienbaum

Robert Harting ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Er sagt, was er denkt. Und weil er gerade Olympiasieger geworden ist, hören viele zu. Er könne von seinem Sport nicht leben und sei auf der Suche nach Sponsoren. International stünde Deutschland in Sachen Sportförderung nicht gerade glänzend da, machte der Diskuswerfer deutlich. "Die Sportförderung ist ein großes Gebiet, an dem es zu arbeiten gilt." Auch Bahnradfahrer  Maximilian Levy nutzte die Gunst der Stunde. Nachdem er Silber und Bronze gewonnen hatte, forderte er grundlegende Änderungen im deutschen Sportsystem, das international hoffnungslos unterlegen sei. Ähnlich äußerten sich in den letzten Tagen in London auch Goldmedaillengewinner Sebastian Brendel und Fechterin Imke Duplitzer.

Sogar der Leistungssport-Direktor des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV) Lutz Buschkow fand für das schlechte Abschneiden der Schwimmer vielerlei Ursachen, grundlegende gesellschaftliche Probleme. "Es fällt uns schwer, eine Konzentration von Sportlern an den Olympiastützpunkten hinzubekommen. Es fehlen qualifizierte Nachwuchstrainer und Spitzentrainer." Die gesellschaftliche Bedeutung des Trainerberufs – Entlohnung, Motivation, soziale Absicherung – sei nicht so, wie sich das der DSV wünsche, um eine große Anzahl von Trainern zu rekrutieren.

Zu wenig Geld? Oder nur falsch verteilt?

Es geht wie immer ums Geld. Die Deutsche Sporthochschule Köln bestätigte die Vorwürfe vieler Athleten in einer vor zwei Jahren in Auftrag gegeben Studie. Zentrale Ergebnisse: Leistungssportler verdienen im Schnitt 1919 Euro brutto im Monat und absolvieren dabei eine 60-Stunden-Woche. Die Frage ist daher: Wie verteilt sich das Geld auf die Sportler und einzelnen Fachverbände? Denn Deutschland lässt sich den Spitzensport einiges kosten: Gut 130 Millionen Euro gibt es vom Bundesinnenministerium, dazu kommen noch einmal rund 30 Millionen Euro vom deutschen Verteidigungsministerium für die rund 800 Sportsoldaten und -soldatinnen.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bei einer Tagung in Berlin (Foto: dpa)

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) willl von den geförderten Athleten auch Leistung sehen

Gutes Geld, für das Verteidigungsminister Thomas de Maizière auch einiges erwartet. Denn er findet, dass der Sport ein wesentliches Element der Identitätsstiftung für die Bevölkerung sei. "Wenn wir dazu einen Beitrag leisten können, dann tun wir das gern. Allerdings verknüpfen wir das auch mit Erwartungen. Wir tun das nicht aus Nächstenliebe, wir reden hier über Leistungssport. Das heißt, wir wollen dann auch Leistungen sehen." Das habe bisher funktioniert und das müsse auch so bleiben.

Sporthilfe kooperiert mit Fußball-Bundesliga

Auch Zoll und Polizei fördern ihre Spitzensportler. Dazu kommt das private Engagement der Stiftung Deutsche Sporthilfe, die ein Eliteprogramm mit einer monatlichen Unterstützung von 1500 Euro anbietet, und mit hochrangigen Wirtschaftsunternehmen zusammenarbeitet. Durch die seit 2008 vereinbarte und kürzlich bis 2016 verlängerte Partnerschaft mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) erhofft sich Sporthilfe-Vorstand Michael Illgner noch mehr Einnahmen durch mehr Aufmerksamkeit und gemeinsame Sponsoren. Zudem schlägt er einen Blick ins Ausland vor, zum Beispiel zum Gastgeber Großbritannien. Denn die Briten hätten über Jahre analysiert, wie sie ihr Geld in Medaillen investieren können. "Da haben wir in unserem Land vielleicht eine etwas andere Kultur wie zum Beispiel den Föderalismus", gibt Illgner zu bedenken. "Man muss eben versuchen, sich weiterzuentwickeln und Neues dazuzulernen. Die Engländer haben ein sehr klares System. Ich denke, da kann man auf jeden Fall einzelne Aspekte herausgreifen. Wie weit das dann geht, muss die Diskussion zeigen."

Die Diskussion schlägt bereits jetzt, vor dem Ende der Spiele in London, sehr große Wellen. Der Deutsche Olympische Sportbund kündigte eine umfassende Analyse an. Wie immer auch die Konsequenzen daraus sind – die beste Möglichkeit, die Sportförderung massiv voranzutreiben, sei es, die Spiele ins eigene Land zu holen, sagt Sporthilfe-Vorstand Illgner. "Wir stehen mit voller Kraft dahinter, dass die olympische Idee endlich wieder nach Deutschland muss, denn sie würde dann auch uns helfen, einen großen Schub für den olympischen Sport und im Nachgang auch für die gesellschaftspolitische Bedeutung des Sports zu bekommen." Dass das allerdings auch kein Patentrezept ist, beweisen die Australier. 2000 waren sie noch Ausrichter, zwölf Jahre später liegen sie wieder nur im Mittelmaß – und weit hinter Deutschland zurück.

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