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Wirtschaft

Deutsche spielen ungern den Chef

Nach einer neuen Umfrage sehen sich Amerikaner lieber als Chef, Deutsche lieber als Angestellte. Kein Wunder, sagt Götz W. Werner, Gründer der Drogeriekette dm: "Den Deutschen fehlt die Verwegenheit."

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Verschieden großes Interesse daran, der "Big Boss" zu sein

Seit fünf Jahren lässt die EU mehr als 21.000 Menschen in den USA und der EU zum Thema Selbstständigkeit befragen. Nach der nun vorgestellten jüngsten Studie mit dem Titel "Sein eigener Chef werden - Warum gibt es so wenige Bill Gates und Richard Bransons in der EU" wollen 61 Prozent der befragten US-Amerikaner ihr eigener Chef sein, aber nur 45 Prozent der Europäer. Die Europäer sehen sich mehrheitlich lieber in der Rolle des Angestellten, nicht als Chef. 51 Prozent der befragten EU-Bürger bevorzugen das Angestellten-Verhältnis, in den USA sind es nur 34 Prozent. Besonders große Angst vor der Selbstständigkeit haben die Deutschen.

"Let's try it" gegen "Lass uns nochmal nachdenken"

"Der Grund sind kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Amerikanern", erklärt Götz W. Werner das Umfrage-Ergebnis im Interview mit DW-WORLD.DE. "Der Amerikaner sagt, "Let's try it", der Deutsche will erst nochmal ausführlich darüber nachdenken und dadurch fehlt den Deutschen oft die Verwegenheit." Götz weiß, wovon er spricht. Er gründete 1973 in Karlsruhe den ersten dm-Drogeriemarkt. Heute ist die von Werner geleitete Drogeriekette dm in neun europäischen Ländern vertreten und im Geschäftsjahr 2003/04 erzielte sie einen Umsatz von mehr als drei Milliarden Euro. Seiner Ansicht nach werden in Deutschland wegen fehlenden Mutes zahlreiche vielversprechende Projekte oder mögliche Unternehmensgründungen erst gar nicht angegangen. In den USA würden dagegen eher zu viele Ideen umgesetzt. "Pädagogisch gesehen müsste man die Amerikaner manchmal bremsen, die Deutschen müsste man anstoßen und sagen 'Jetzt mach' einfach mal.'"

Das fällt den Deutschen offenkundig besonders schwer. Der Studie zufolge haben 61 Prozent der befragten Deutschen Angst vor dem Versagen, nur in Portugal waren es mit 62 Prozent noch mehr. Europaweit stimmte die Hälfte der Befragten dem Satz "Man sollte kein Unternehmen gründen, wenn es ein Risiko gibt, dass es auch scheitern könnte", zu. In den USA war es nur ein Drittel.

Keine zweite Chance in Deutschland

"Die Amerikaner gehen mit Rückschlägen viel besser um als die Europäer und die Deutschen", konstatiert Christoph Müller, Professor für Entrepreneurship an der Universität Hohenheim. "Wenn einer in den USA mit einer Unternehmensgründung gescheitert ist, dann geht das Leben weiter und man sagt sich, er hat daraus gelernt und macht den gleichen Fehler bestimmt nicht mehr wieder." In Deutschland bedeute ein gescheitertes Gründungsprojekt dagegen das Ende der Unternehmerkarriere. Hierzulande werde von Banken schon bei der Beantragung eines Kredits gefragt, ob schon eine Unternehmensgründung gescheitert sei. "Wenn ja, dann braucht man die Unterlagen gar nicht weiter auszufüllen", sagt Müller. Dagegen lernten Amerikaner schon von klein auf eigenverantwortliches Handeln, weshalb sie grundsätzlich weniger ängstlich und risikofreudiger seien als die Deutschen. Dies spiegele sich auch im Geschäftsleben wider.

Zwar muss Deutschland laut Müller bei Unternehmensgründungen gegenüber den USA noch aufholen. "Aber wir haben in Deutschland immer noch mehr Gründungen als Schließungen, obwohl in den Medien immer nur über die Insolvenzen gesprochen wird." Zudem sei nicht nur die Anzahl der Gründungen, sondern auch die Qualität der neuen Firmen wichtig. So gebe es beispielsweise in Griechenland und der Türkei statistisch sehr viele Kleinunternehmer, weil diese Länder noch einen großen Agrarsektor hätten. "Aber ein selbstständiger Olivenbauer erwirtschaftet eben nicht die gleiche Wertschöpfung wie ein Software-Unternehmer."

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