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Politik & Gesellschaft

Deutsche Spendenbereitschaft für Ostafrika

Von einem Spendenaufruf zum nächsten: Nach Haiti, Pakistan und Japan bitten Hilfsorganisationen nun um finanzielle Hilfen für Ostafrika. Doch wie spendabel sind die Menschen in Deutschland?

Ein ausgehungertes Kind greift nach seiner Mutter (Foto: AP/dapd)

Seitdem die mediale Berichterstattung zugenommen hat, kommen mehr Spenden

Die Hungersnot am Horn von Afrika ist keine unerwartete Tragödie, sondern hat sich über Monate angekündigt. Bereits im Mai 2011 hatten Hilfswerke vor der drohenden Gefahr gewarnt und um Hilfe gebeten, doch die Spendenbereitschaft in Deutschland blieb zunächst gering - erst mit dem steigenden medialen Interesse im Juli stieg auch die Zahl der Geldüberweisungen.

In akuten Katastrophenfällen sind Hilfswerke auf starke Bilder angewiesen, die den Schrecken visualisieren und greifbar machen. So auch im aktuellen Fall am Horn von Afrika. Doch wie empfänglich für derartige Krisenbilder sind die Deutschen noch, wenn seit letztem Jahr eine Katastrophe die andere zu jagen scheint? Erst Haiti, dann Pakistan und Japan. Und nun Ostafrika.

UNICEF: Bedarf an Spenden noch nicht gedeckt

"Solange im Fernsehen und in Zeitungen nicht berichtet wird, ist es sehr schwierig, gerade für ein Land wie Somalia, das in einer chronischen Krise steckt, die Menschen zum Spenden zu bewegen", berichtet Kerstin Bücker, Leiterin für die Bereiche Kommunikation und Kinderrechte bei UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Doch seitdem die mediale Berichterstattung zugenommen hat, steigen bei UNICEF die Spenden. Rund acht Millionen Euro hat die Organisation bisher von privaten Gebern erhalten. "Das Geld ist sehr wichtig, gerade weil es um Leben und Tod geht", sagt Bücker, "aber der Bedarf ist noch nicht gedeckt."

Martin Bröckelmann-Simon, Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor, beschreibt den aktuellen Trend in der Spendenbereitschaft für Ostafrika so: "Nach einem sehr verhaltenen Beginn gehen nun die Spenden doch sehr deutlich in die Höhe." Verglichen mit den Katastrophen in Haiti und Pakistan sei diese auf einem ähnlichen Level, wenn nicht sogar leicht darüber. In seinem Hilfswerk seien derzeit rund 2,5 Millionen Euro direkt eingegangen. "Angesichts des Ausmaßes der Not wird mindestens noch das Fünffache benötigt", prognostiziert er.

Nahrung für einen somalischen Jungen in einem Camp in Mogadischu (Foto: AP/dapd)

Die Hilfswerke sind auf weitere Spenden angewiesen

Die Hilfsorganisation CARE hat nach Angaben von Presseassistentin Johanna Mitscherlich bisher rund 1,4 Millionen Euro aus Privatspenden erhalten. Um ausreichend helfen zu können, hatte CARE International - der Zusammenschluss der nationalen CARE-Hilfswerke - zu weltweiten Spenden von 17,5 Millionen Euro aufgerufen, um mit dieser Summe etwa 1,8 Millionen Menschen in Ostafrika zu unterstützen. Mitscherlich spricht zwar von einer derzeit sehr guten Spenderesonanz, aber ausreichend ist sie dennoch nicht: "Für Haiti wurde fast das Fünffache im gleichen Zeitraum gespendet, für Pakistan das Doppelte und Japan das Vierfache."

Naturkatastrophen nehmen weiter zu

"Man kann definitiv sagen, dass das Jahr 2010 das Jahr der großen Katastrophen war. Daher sind wir froh, dass Leute dennoch Interesse zeigen und spenden", sagt Mitscherlich. Aber ob das dauerhaft so bleibt? Darüber macht sich auch Bröckelmann-Simon von Misereor Gedanken: "Zumal man davon ausgehen muss, dass in Zeiten des Klimawandels die wetterbedingten Naturkatastrophen an Häufigkeit und Intensität zunehmen werden."

Kerstin Bücker von UNICEF blickt dennoch optimistisch in die Zukunft: "Ich glaube, die Menschen verstehen, dass wir es mit mehr Naturkatastrophen zu tun haben und dass trotzdem jedes einzelne Kind was betroffen ist, egal ob in Haiti, Pakistan oder Somalia, Hilfe braucht."

Autorin: Anna Appelrath
Redaktion: Pia Gram

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