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Deutschland

Deutsche spenden weniger - ein bisschen

Trotz Krise haben die Deutschen 2009 zwei Milliarden Euro verschenkt. Die Spenden an Hilfsorganisationen und Bedürftige gehen zwar leicht zurück, bleiben aber auf einem hohen Niveau. Aber nicht alle haben etwas davon.

Symbolbild Spende (Foto: dpa)

Der Rückgang war nicht ganz so stark wie befürchtet: Um drei Prozent ist das deutsche Spendenaufkommen 2009 gesunken. Mit 2097 Millionen Euro spenden die Deutschen zwar immer noch mehr als zum Beispiel 2007 - dem letzten Jahr vor der Krise. Neben der Gesamtsumme sanken aber auch die Zahl der Spender und die Höhe der durchschnittlichen Beträge.

Mit 27 Euro spendete jeder Deutsche im Schnitt 90 Cent weniger als im Vorjahr. "Das ist deswegen so dramatisch, weil wir seit Jahren einen Rückgang der Spender verzeichnen. Wenn nicht gerade Naturkatastrophen zum Spenden motivieren, dann werden viele Organisationen in Zukunft Schwierigkeiten haben, ihre Projekte zu finanzieren" sagt Roland Adler von der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK). In ihrer "Bilanz des Helfens" veröffentlicht die GfK jährlich die deutschen Spendengewohnheiten.

Die Krise ist nur wenig zu spüren

Ein Grund für zurückgehende Spenden ist die weltweite Wirtschaftskrise: Alle müssen sparen, auch die Hilfsorganisationen. Die großen Organisationen generieren den größten Teil ihrer Spenden über persönlich adressierte Werbung an bekannte Spender. Um ihr Geld in der Krise zusammenzuhalten, fuhren die Hilfsorganisationen ihre Werbung 2009 zurück - auf Kosten der Spendeneinnahmen.

Dass die Spenden im Krisenjahr 2009 trotzdem höher ausfallen als zum Beispiel 2007, liegt am hohen Alter der Spender: Die Hälfte der Spender ist älter als 60 Jahre, die meisten sind überdurchschnittlich wohlhabend. "Sie hat die Wirtschaftskrise weniger stark getroffen“, sagt Daniela Felser vom Deutschen Spendenrat. Jüngere haben hingegen andere Sorgen in Krisenzeiten: "Da geht es um Familiengründung, manche haben vielleicht auch Angst um ihren Arbeitsplatz und spenden dann natürlich im Zweifel weniger."

Im Krisenjahr 2009 haben die Deutschen beim Spenden verhältnismäßig wenig gespart. Während das preisbereinigte Spenden 2009 um fünf Prozent gesunken ist, gingen die karitativen Spenden - Unternehmen und Parteien nicht mitgerechnet - nur um drei Prozent zurück.

Vier Mal weniger Spenden für Haiti

Roland Adler vom Deutschen Spendenrat (Foto: dpa)

Roland Adler vom Deutschen Spendenrat

Besonders der Wirbelsturm auf den Philippinen und das Erdbeben in Sumatra im Herbst 2009 erhöhten die Spendensumme für das vergangene Jahr. Als wenige Monate später in Haiti die Erde bebt, spenden die Deutschen in den darauffolgenden Wochen 155 Millionen Euro mehr als sonst um diese Jahreszeit. Das ist viel; verglichen mit dem Tsunami 2004, sagt Adler, ist es aber deutlich weniger. "Der Tsunami hat im gleichen Zeitraum etwa 80 Prozent mehr Einnahmen gebracht hat, als das in der gleichen Zeit für die Katastrophe in Haiti der Fall war."

Obwohl das Ausmaß beider Katastrophen vergleichbar ist, haben die Deutschen für Haiti vergleichsweise wenig gespendet. "Der Tsunami fand am zweiten Weihnachtsfeiertag statt, und sicherlich waren auch mehr deutsche Urlauber betroffen als in Haiti", nennt Adler mögliche Gründe.

Für 2010 hofft der Spendenrat wieder auf mehr Spendenbereitschaft in Deutschland. Noch nicht absehbar ist, inwieweit die anhaltende Kritik an der katholischen Kirche deren karitative Arbeit beeinträchtigen wird. Insgesamt wünscht sich der Rat allerdings mehr Offenheit und Transparenz - bei allen Organisationen.

Autor: Samuel Jackisch

Redaktion: Kay-Alexander Scholz