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Deutschland

Deutsche sparen aus Leidenschaft

Erfunden wurde der Weltspartag eigentlich in den USA. 1925 wurde hier zum ersten Mal die Devise ausgegeben, jeden Cent zu ehren. Viele Deutsche folgen dem auch heute noch - sie sparen wie schon lange nicht mehr.

Selten im Sparstrumpf: Erspartes liegt auf der Bank (Foto: dpa)

Selten im Sparstrumpf: Erspartes liegt auf der Bank

Niemand ist so gut erforscht wie der deutsche Sparer. Beinahe alle namhaften Forschungsinstitute haben im Auftrag der Banken Daten und Fakten gesammelt. Danach legt der Deutsche im Schnitt von 100 Euro rund elf Euro zum Sparen beiseite. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 187 Milliarden Euro, die die Bundesbürger sparten. Das ist mehr als die Hälfte des Bundeshaushaltes. Damit wuchs das Gesamt-Sparvermögen in der Bundesrepublik auf stattliche 4,8 Billionen Euro an.

Die Sparquote in Deutschland ist zum Weltspartag in diesem Jahr am Freitag (29.10.2010) der höchste seit 15 Jahren - mehr sparen im internationalen Vergleich und im Verhältnis nur noch die Chinesen. Psychologen wollen herausgefunden haben, dass der Bundesbürger geradezu Lust am Knausern empfindet. Auch aktuelle Umfragen bestätigen: Sparen liegt immer noch hoch im Kurs. Die Deutschen haben Angst vor unvorhergesehenen Dingen wie plötzlich notwendig werdende Reparaturen oder aufwendige Medizin im Alter.

Für das Sparen gibt es klare Ziele

Ein Glas mit Geldscheinen darin (Foto: DW Archiv)

Erspartes beruhigt die Deutschen

Das Sparschwein schlachtet der Deutsche in erster Linie in genau in dieser Reihenfolge: für den Urlaub, für den Kauf einer Wohnung oder eines Hauses, für die Altersvorsorge, für den eventuellen Jobverlust und die Ausbildung der Kinder. Rein statistisch betrachtet, hat jeder Bundesbürger rund 59.000 Euro Sparguthaben. Nach Erkenntnissen des Marktforschungsinstitutes GfK legen die Sparer rund 68 Euro monatlich zurück. Gleichzeitig betrachten die Sparer diesen Betrag als nicht ausreichend. Das Dreifache wäre ihrer Meinung nach angebracht.

22 Prozent aller Deutschen haben sich fest vorgenommen, zu sparen, finden aber nicht die nötige Kraft dazu. Dass man an sehr vielen Dingen sparen könnte, ist allen klar. In Umfragen werden stets zuerst die Zigaretten genannt. Es folgt das Auto, auf das man entweder ganz verzichten könnte. Oder zumindest auf nicht unbedingt notwendige Fahrten.

Intelligent sparen will gelernt sein

Ein Rentner steckt einen Geldschein in eine Dose (Foto: dpa)

Nur in China wird mehr gespart als in Deutschland

Soviel der Deutsche auch spart: Er passt gar nicht gut darauf auf, das sich sein Gespartes auch gut vermehrt. Viel Geld landet immer noch auf Sparbüchern – immerhin ein Drittel des gesamten Sparvermögens erwirtschaftet gerade mal zwei Prozent Zinsen. Fast jeder zweite Euro aller Spargelder landet in Lebensversicherungen, nur 20 Prozent in Aktien und Investmentfonds. Das Wissen um empfehlenswerte Geldanlagen ist in Deutschland allerdings nicht sehr groß. Auch Bemühungen um bessere Informationen dazu unternehmen gerade einmal zwei Prozent der Bevölkerung.

Wo lege ich wie viel Geld an - viele Deutsche haben diese "Sorge" überhaupt nicht. Mehr als jeder Zweite kann nämlich gar nichts sparen, weil er schlicht zu wenig verdient. Die junge Generation, die immer mehr befristete und unsichere Arbeitsverhältnisse erlebt, kennt dieses Problem erst recht. Wer nicht planen kann, spart auch nicht, lautet das Fazit des Bundesverbands Deutscher Banken. Die Mehrheit der von Meinungsforschern befragten Eltern gab zusätzlich zu, den Kindern den Umgang mit Geld nicht streng genug beigebracht zu haben.

Sparen für einen Kredit ist out

Für eines legt der Deutsche nur im Ausnahmefall Geld beiseite: für reine Konsum-Kredite. Urlaub "auf Pump" wird ganz besonders abgelehnt. So sinkt der Schuldenstand seit dem Jahr 2004. Anderthalb Billionen Euro Schulden stehen den fast fünf Billionen Sparvermögen gegenüber. Der Deutsche sparte Anfang der 1980er Jahre doppelt so viel wie der US-Amerikaner. Heute liegt die Sparrate in Deutschland fünfmal so hoch.

Nicht am Essen, nicht am Urlaub und sehr ungern am Auto spart der Deutsche und so bleibt es nicht aus, dass der Durchschnittsbundesbürger kurz vor seinem Tod - rein statistisch - ein Vermögen von rund 150.000 Euro angehäuft hat, das er gar nicht ausgeben möchte. Geht das so weiter, wird in 15 Jahren jeder Vierte alles umsonst gespart haben: Mangels Kindern erbt alleine der Staat.

Autor: Wolfgang Dick

Redaktion: Michael Borgers