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Aktuell Deutschland

Deutsche Soldaten zum Ebola-Einsatz zwangsverpflichtet

Ebola-Patienten in Liberia müssen weiter auf umfassende Hilfe aus Deutschland warten. Die Behandlung verzögert sich. Und ganz so freiwillig wie angekündigt, ist der Einsatz der Bundeswehr-Soldaten dann doch nicht.

Die Behandlung der an Ebola Erkrankten durch Bundeswehr-Soldaten und das Deutsche Rote Kreuz soll nun voraussichtlich Mitte Dezember beginnen, wie eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums mit Berlin mitteilte. Grund für die Verzögerung seien Probleme beim Aufbau des Ebola-Behandlungszentrums in Monrovia durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ursprünglich hätten die deutschen Helfer ihre Arbeit in der Krankenstation bereits Ende November aufnehmen sollen.

Zwangsverpflichtung für Westafrika

Die Bundeswehr hat bereits 17 Freiwillige nach Monrovia, die Hauptstadt Liberias, entsandt. Sie sind dort bisher unter anderem damit beschäftigt, lokale Helfer zu schulen. Allerdings werden eben nicht nur Freiwillige in den Sondereinsatz zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Westafrika geschickt. Das bestätigte jetzt ein Sprecher des Einsatzführungskommandos dem "Tagesspiegel" in Berlin.

EU-Experten schulen Ebola-Helfer in Freetown, Sierra Leone (Foto: rtr)

EU-Experten schulen Ebola-Helfer in Freetown, Sierra Leone

Das Prinzip der Freiwilligkeit gilt danach nur für Soldaten, die direkt mit Ebola-Patienten in Kontakt kommen. Bei den „befohlenen“ Kräften, wie es heißt, handele es sich um Unterstützungssoldaten, die unter anderem die medizinische Versorgung der freiwilligen Ebola-Helfer sicherstellen sollen. Solche Einheiten würden für jeden Soldaten-Einsatz gebraucht.

Derzeit sind nach Angaben des Führungskommandos 50 Bundeswehrsoldaten in Westafrika, nur 17 davon sind Freiwillige. Zu den "Unterstützern" zählen beispielsweise 28 Soldaten, die die Anfang Oktober in Dakar (Senegal) gestartete Luftbrücke in die von Ebola betroffenen Länder betreiben. Zwei Soldaten verstärken die deutsche Botschaft in Monrovia. Weitere Soldaten sollen noch in dieser Woche ausreisen.

Von der Leyen kontra Ministerium

Aus dem Verteidigungsministerium hieß es, es sei nie geplant gewesen, bei diesen Funktionen ebenfalls auf Freiwilligkeit zu setzen. Doch die "Zwangsverpflichteten" sehen dies anders. Ende dieser Woche soll ein Team, bestehend aus einem Arzt und sechs Rettungsassistenten nach Monrovia fliegen, um die freiwilligen Ebola-Helfer dort medizinisch zu betreuen. Das Team beruft sich darauf, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zugesagt habe, nur Freiwillige in den Ebola-Einsatz zu entsenden. Laut "Tagesspiegel" haben sie daher in der Einsatzvorbereitung zu Protokoll gegeben, dass sie nicht freiwillig nach Westafrika fliegen.

Tatsächlich hatte Von der Leyen im September Bundeswehrangehörige dazu aufgerufen, sich freiwillig für einen humanitären Einsatz in den Ebola-Gebieten zu melden. Neben Ärzten und Pflegern, die direkt Ebola-Patienten behandeln sollen, werde auch nichtmedizinisches Personal zum Betrieb der geplanten deutschen Krankenstation in Liberia gesucht, erklärte sie weiter.

Inzwischen soll sich auch der Wehrbeauftragte des Bundestages mit dem Fall des Unterstützerteams befassen, das in Monrovia in einem Hotel Quartier beziehen soll.

Quarantäne in Sierra Leone ausgeweitet

Nach Angaben der WHO sind bislang knapp 6000 Menschen durch das Ebola-Virus gestorben. In Liberia, Guinea und Sierra Leone wurden insgesamt knapp 17.000 Erkrankungen registriert. Die Weltgesundheitsorganisation geht nach wie vor von einer hohen Dunkelziffer aus.

In Sierra Leone dürfen sich wegen der Epidemie inzwischen drei Millionen Menschen nicht mehr frei bewegen. Die drastischen Quarantänebestimmungen wurden jetzt auf den Bezirk Tonkolili im Landesinneren ausgedehnt. Bildungsminister Minkailu Bah appellierte nochmals eindringlich an die Bevölkerung, die traditionellen Totenwaschungen zu unterlassen, "sonst sind wir bald alle tot"!

se/re (Tagesspiegel, dpa, afp)