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Deutschland

Deutsche Soldaten unterstützen KFOR

Die KFOR beurteilt die Lage im Kosovo weiter als instabil. Deshalb werden ab Oktober 550 deutsche und 150 österreichische Soldaten die internationale Schutztruppe im Land verstärken.

Es ist nicht das erste Mal, dass deutsche und österreichische Soldaten - und Soldatinnen - in das Balkanland geschickt werden. Deutschland, Österreich und Italien stellen seit August 2011 die sogenannten ORF-Bataillone ("Operational Reserve Force", operative Einsatzreserve), die die Soldaten der internationalen Schutztruppe KFOR bei Bedarf unterstützen.

Generalmajor Erhard Drews (Foto: dpa/Uwe Zucchi)

Erhält bald Verstärkung: KFOR-Kommandeur Erhard Drews

Der Oberbefehlshaber der KFOR, der deutsche Generalmajor Erhard Drews, erläutert im Gespräch mit der Deutschen Welle die Aufgaben der Reservetruppe: "Sie haben die Verantwortung für einen Großteil des Nordens und stellen dort die Sicherheit, die Stabilität und die Bewegungsfreiheit in diesem Raum sicher." Keine leichte Aufgabe, denn der Norden des Kosovo wird hauptsächlich von Serben bewohnt, die den Staat Kosovo ablehnen. 

Das Erbe des Krieges

Nach den Kriegen in den 90er Jahren und dem Zerfall Jugoslawiens wurde das Kosovo 1999 unter den Schutz und die Verwaltungshoheit der Vereinten Nationen gestellt. 2008 erklärte sich das mehrheitlich von Albanern bewohnte Kosovo zur unabhängigen, eigenständigen Republik. Während viele Länder, darunter auch Deutschland, die Republik Kosovo anerkennen, hat die serbische Regierung in Belgrad die Unabhängigkeitserklärung bis heute nicht akzeptiert und betrachtet das Kosovo weiter als Provinz des eigenen Landes.

Teile einer serbischen Barrikade im Nordkosovo (Foto: dpa/Thomas Brey)

Versperrt den Weg zum Frieden: Serbische Barrikade im Kosovo

Eine politische Gemengelage, die bis heute vor allem im Grenzbereich zwischen Serbien und dem Kosovo zu ethnischen Konflikten führt. Nationalistische Serben errichten dort immer wieder Barrikaden, um die Polizei- und Zollbeamten der albanisch dominierten Regierung des Kosovo zu behindern. Zugleich behindern die serbischen Nationalisten damit auch die rund 2000 Polizisten, Richter und Zollbeamte, die die Europäische Union im Rahmen der sogenannten EULEX-Mission in das Kosovo entsandt hat. Sie sollen die örtlichen Kräfte beim Aufbau von Justiz, Polizei und Verwaltung unterstützen.

Politik und schmutzige Geschäfte

Bei den Grenzkonflikten geht aber nicht nur um Politik, meint der Kommandeur der KFOR-Truppen: "Es geht um illegalen Handel jeglicher Art, da geht es um Waffen, um Drogen, es geht auch um Menschenhandel. Und diese 'illegal businessmen' scheuen – wenn ihr Geschäftsmodell in Gefahr ist – auch vor tödlicher Gewalt nicht zurück."

Im Juni 2011 wurden zwei deutsche Soldaten angeschossen, als die KFOR-Truppen eine serbische Straßensperre räumten. Dies seien aber Einzelfälle, betont Drews. 95 Prozent der serbischen Bevölkerung im Norden seien an einem offenen Konflikt nicht interessiert.

Trotzdem bleibe die Lage weiter instabil, denn der grundsätzliche Streit zwischen Serbien und dem Kosovo halte an: "Solange es dort keine Lösung gibt, wird es auf der lokalen Ebene immer wieder zu Konflikten kommen. Und solange wird es ohne militärische Sicherheitskräfte hier im Kosovo wohl nicht gehen."

Die Aufgaben der KFOR

Serbische Nationalisten werfen Steine auf deutsche KFOR-Soldaten im Kosovo (Foto: AP/dapd/Zveki)

Instabile Lage: KFOR-Soldaten räumen eine Straßensperre

1999, nach der Beendigung des Kosovokrieges, wurde die internationale KFOR-Schutztruppe unter der Leitung der NATO im Balkanland stationiert - ursprünglich um die sichere Rückkehr der vielen Kriegsflüchtlinge in die Kosovoregion zu garantieren. Im Laufe der Jahre wurde die Anzahl der Soldaten reduziert. Aktuell befinden sich rund 6200 KFOR-Soldaten im Land – davon etwa 5500 reguläre und 700 Soldaten des ORF-Reservebataillons.

Alle zwei bis drei Monate, so KFOR-Kommandant Drews, überprüfe man die Sicherheitslage. Nun habe die KFOR zusammen mit den höheren NATO-Kommandobehörden entschieden, dass man noch nicht auf die zusätzlichen 700 Soldaten verzichten könne. Die deutschen und österreichischen Soldaten werden deshalb ab Oktober die Arbeit des italienischen ORF-Bataillons weiterführen, das noch bis Ende September im Einsatz ist.

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