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Welt

Deutsche Soldaten im Kosovo angeschossen

Zwei Bundeswehrsoldaten sind bei Protesten von Serben im Norden des Kosovo verletzt worden. Die Situation eskalierte, als die Soldaten der KFOR-Schutztruppe versuchten, eine Straßenblockade zu räumen.

Serbische Demonstranten und KFOR-Soldaten nahe des Dorfes Jagnjenica (Foto: dapd)

Serbische Demonstranten und KFOR-Soldaten gerieten aneinander

Seit Monaten legen Serben im Nordkosovo den Verkehr mit Straßenblockaden lahm. Erneut kam es dabei zu Zusammenstößen zwischen serbischen Demonstranten und der von der NATO geführten Schutztruppe KFOR. Dabei wurden am Montagabend (28.11.2011) zwei deutsche KFOR-Soldaten angeschossen und rund 25 weitere Soldaten verletzt, teilte ein KFOR-Sprecher mit. Die Kosovotruppe wollte eine von Serben eingerichtete Straßenbarriere aus Baugeräten und Lastwagen räumen, als es zu den Ausschreitungen kam. Nahe des Dorfes Jagnjenica, westlich der Stadt Mitrovica, standen sich Serben und KFOR-Soldaten stundenlang gegenüber. Die angespannte Situation beruhigte sich erst in den späten Abendstunden allmählich.

Nach KFOR-Angaben benutzten die Demonstranten Schusswaffen und warfen Steine. Die Soldaten setzten Wasserwerfer, Gummigeschosse, Tränengas und Pfefferspray gegen die aufgebrachte Menschenmenge ein. Die beiden deutschen Soldaten erlitten den Angaben zufolge leichte Schussverletzungen und wurden ins Feldlager Novo Selo gebracht, um dort behandelt zu werden. In den vergangenen Wochen wurden bei ähnlichen Vorkommnissen 21 Soldaten verletzt, einer davon schwer.

NATO besorgt über Lage im Kosovo

Auseinandersetzung zwischen Soldaten und Serben im Nordkosovo (Foto: dapd)

Die Schutztruppe geriet bereits mehrfach mit Kosovo-Serben aneinander

Die NATO kritisierte die Gewaltaktion gegen die internationale Schutztruppe. "Wir sind besorgt über die Entwicklungen im Kosovo, die wir sehr sorgfältig beobachten", sagte NATO-Sprecherin Oana Lungescu am Montagabend in Brüssel. "Der Einsatz von Gewalt gegen Soldaten der KFOR ist inakzeptabel."

Lungescu sagte weiter: "Wir fordern alle Seiten zur Zurückhaltung und zu einer Zusammenarbeit mit allen internationalen Stellen auf, um die Bewegungsfreiheit im Kosovo ohne Verzögerung wieder herzustellen." Die KFOR-Truppe habe vom UN-Sicherheitsrat den Auftrag erhalten, für Sicherheit und Bewegungsfreiheit im Kosovo zu sorgen. "Sie erfüllt diese Aufgabe sorgfältig, fair und unparteiisch", sagte Lungescu. Die KFOR-Truppe wurde 1999 nach Ende des Kosovo-Kriegs unter Leitung der NATO ins Leben gerufen.

Zahlreiche Serben verletzt

Nach Angaben des serbischen Ministers für das Kosovo, Goran Bogdanovic, wurden bei den Zusammenstößen rund hundert Serben verletzt. Bogdanovic bezeichnete die Situation gegenüber dem Fernsehsender B92 als "extrem angespannt". Örtliche Medien berichteten, dass fünf Serben ins Krankenhaus gebracht worden seien. Zwei von ihnen seien schwer verletzt worden.

Der serbische Präsident Boris Tadic (Foto: AP)

Serbiens Präsident Tadic forderte Serben und KFOR auf, den Konflikt zu entschärfen

Der serbische Präsident Boris Tadic hatte an beide Seiten appelliert, die gewaltsamen Auseinandersetzungen sofort zu beenden. Das Leben der serbischen Bürger wie auch jenes der internationalen Schutztruppe müsse geschützt werden, sagte Tadic. Eine Eskalation bedrohe die "vitalen Interessen der Serben im Kosovo".

Die kosovarische Regierung verurteilte die gewaltsamen Proteste und erklärte, die Verantwortlichen müssten gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden.

Nordkosovo – dauerhaft ein Krisengebiet

Karte Serbien und das Kosovo (Karte: DW)

Im Norden des Kosovo leben vor allem Serben

Der Norden des Kosovo, der an das Nachbarland Serbien grenzt, ist bereits seit Monaten Schauplatz von Feindseligkeiten zwischen der ethnischen Mehrheit der Albaner und der dort lebenden serbischen Minderheit. Hintergrund der Vorfälle ist ein anhaltender Handelsstreit zwischen Serbien und der einstigen südserbischen Provinz Kosovo.

Zuletzt protestierten die Serben nahe den umstrittenen Grenzübergängen Jarinje und Brnjak mit Straßensperren gegen die Präsenz albanischer Polizisten und Zollbeamter, die sie dadurch zum Abzug zwingen wollten. Mit den Barrikaden wollen sie zudem Polizeieinsätze der Europäischen Union und Kontrollen an der Grenze zwischen dem Kosovo und Serbien verhindern. Sie wehren sich dagegen, Teil des Kosovo zu sein. Im Norden bilden die rund 50.000 Serben die Mehrheit. Für die Kosovo-Regierung ist es schwer, dort zu intervenieren. Das Kosovo hatte im Februar 2008 seine Unabhängigkeit erklärt, ein Akt, den Serbien bis heute nicht anerkennt.

Autorin: Naima El Moussaoui (afp, rtr, dpa)

Redaktion: Reinhard Kleber

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