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Wirtschaft

Deutsche Solarbranche in Bedrängnis

Der Atomausstieg sollte die Chance für die deutsche Solarbranche sein. Doch nun jagt eine Verlustmeldung die nächste, von Fast-Pleiten ist die Rede, von Stellenabbau. Den Hauptschuldigen hat die Branche schon ausgemacht.

Eine Mitarbeiterin der Solara Sonnenstromfabrik GmbH prüft fertige Solarmodule (Foto: dpa)

Vor allem Modulhersteller stecken in der Krise

Es sind wieder einmal die Chinesen. Zumindest in den Augen von Frank Asbeck, dem Chef der Bonner Solarworld AG, der spätestens seit er im Herbst 2008 bei Opel einsteigen wollte, als schillerndste Figur der deutschen Solarbranche gilt. Die Chinesen hätten einen Industriekrieg begonnen, so Asbeck in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "Capital". Mit Kreditzusagen von 21 Milliarden Euro zu Niedrigst-Zinsen würde China seine Solarfirmen ausbauen. Und die wiederum böten ihre Produkte bis zu 30 Prozent unter den Herstellungskosten an.

Tatsächlich sind seit 2011 bei den deutschen Herstellern von Solarzellen und -modulen Verluste an der Tagesordnung: Neben der Conergy AG aus Hamburg, geriet auch das einstige Vorzeigeunternehmen Q-Cells in die roten Zahlen. Aber auch Phoenix Solar aus dem bayrischen Sulzemoos musste im zweiten Quartal erneut Verluste hinnehmen. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Branchenriese Solarworld, der noch Gewinne erzielt.

Deutschland subventioniert seit Jahren

Werbebanner der chinesischen Solarfirma Yingli am Rande eines Fußballfeldes (Foto: AP)

Machtdemonstration auf dem Fußballfeld - chinesische Solarfirmen wie die Yingli Solar

In Deutschland wird allerdings gerne vergessen, dass die einheimische Photovoltaik ebenfalls subventioniert wird - wenn auch indirekt über gesetzlich garantierte Einspeisevergütungen, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt sind. Und zu den Wahrheiten über die Solarbranche gehört auch, dass strukturschwache Städte in Ostdeutschland Solarfimen anlockten - mit Vergünstigungen und Fördergeldern.

Trotzdem, sagt David Wedepohl vom Bundesverband Solarwirtschaft, sei die Situation in China eine andere als in Deutschland. In China würden ausschließlich chinesische Solarfirmen an die billigen Kredite kommen. Während ausländische Firmen, darunter Sharp und First Solar in Deutschland investierten und einen offenen Markt vorfänden, sei der chinesische Binnenmarkt für deutsche Unternehmen weitgehend verschlossen, so Wedepohl zu DW-WORLD.DE: Für ausländische Unternehmen würden in Deutschland hingegen die gleichen Bedingungen gelten, wie für heimische.

Module auf Halde

Q-Cells Firmengebäude in Bitterfeld-Wolfen (Foto: DW)

Galt einst als Vorzeigeunternehmen: Q-Cells

Hinzu kommt, dass viele Unternehmen - darunter nicht nur deutsche - derzeit unter einem unnatürlich starken Preisverfall litten. "Er ist Resultat weltweiter Überkapazitäten", sagt Wedepohl. Insbesondere in Asien seien Fabriken in letzter Zeit noch schneller gewachsen als der Weltmarkt. Etliche europäische Länder haben in letzter Zeit ihre Milliardensubventionen für Sonnenstrom gekürzt. Und auch das EEG sieht vor, den Einspeisepreis jährlich zu senken. Die sinkende Nachfrage in Deutschland konnten Auslandsmärkte nicht auffangen. Seit 2008, so Wedepohl, hätten sich deshalb die Modulpreise halbiert.

Branche denkt lieber langfristig

Stecker und Steckdose (Foto: AP)

Sonnenstrom soll bald so billig sein wie konventioneller Strom aus der Dose

Trotz des schlechten Starts in diesem Jahr bleibt die Solarbranche optimistisch. Die Photovoltaik, glaubt Wedepohl, werde auch in anderen Ländern immer wichtiger werden. Das heißt: Auch wenn sich der Anteil deutscher Solarunternehmen am Weltmarkt verringert, rechnet Wedepohl damit, dass sie langfristig mehr Umsatz machen. Das bedeutet allerdings auch, dass die deutschen Unternehmen den kuscheligen Heimatmarkt verlassen und andere Märkte erobern müssen.

Und - nicht allen Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette geht es schlecht. Betroffen sind vor allem die Hersteller von Zellen und Modulen. Weniger stark betroffen seien Siliziumhersteller, Maschinenbauer und Handwerker, die sich auf die Photovoltaik spezialisiert hätten, so Wedepohl.

Und selbst im EEG, das den Einspeisepreis für Solarenergie immer weiter absenkt und den Solaranbietern momentan so sehr zu schaffen macht, sieht Wedepohl eine Zukunftschance: Ab 2012 werde der festgelegte Einspeisepreis für Solarstrom vom Dach nicht mehr teurer sein als konventioneller Strom aus der Steckdose. Und damit werde Solarstrom immer wichtiger für die Zukunft.

Autorin: Jutta Wasserrab
Redaktion: Monika Lohmüller

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