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Kultur

Deutsche sind stolz auf ihr Land

Eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Demokratieverständnis in Deutschland zeigt: Deutsche sehen in den 60 Jahren Bundesrepublik eine Erfolgsgeschichte – und zwar im Westen wie im Osten.

Fußballfans schwingen bei der WM 2006 Deutschlandfahnen. Auf einem Plakat steht: Sieger der Herzen (Foto: AP)

Schon bei der Fußball-WM 2006 spürbar: Die Deutschen sind wieder stolz auf ihr Land

Sich zu schämen, weil man ein Deutscher ist, war lange keine Seltenheit. Stolz auf das eigene Land zu sein und dies vielleicht sogar zu sagen, war - wenn auch unausgesprochen - jahrzehntelang im Nachkriegsdeutschland beinahe ein Tabu. Die schwarz-rot-goldene Flagge aufzuhängen oder gar die Nationalhymne mitzusingen war für viele Deutsche stets mit einem faden Beigeschmack versehen. Viele hatten die Sorge, Patriotismus könne als Nationalismus oder sogar als Sympathie für den Nationalsozialismus missverstanden werden.

Diese Zeiten scheinen nun im 60. Jahr des Bestehens der Bundesrepublik Deutschland endgültig vorbei zu sein. Das Trauma der Deutschen scheint überwunden. Dies ist zumindest ein Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), die diese am Freitag (08.05.2009) auf einer Pressekonferenz in Berlin vorstellte. Die Umfrage mit dem Titel "Demokratieverständnis in Deutschland" hatte die CDU-nahe Stiftung bereits im März vom Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap durchführen lassen.

Bundesrepublik ist eine Erfolgsgeschichte

Konrad Adenauer bei der Unterzeichnung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 (Foto: dpa)

Die Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland: Adenauer unterzeichnet 1949 das Grundgesetz

1292 Wahlberechtigte – 776 in den alten und 516 in den neuen Bundesländern – antworteten auf Fragen wie: "Würden Sie der Aussage zustimmen, dass die 60 Jahre Bundesrepublik eine Erfolgsgeschichte sind?" oder "Wie stolz sind Sie auf die Bundesrepublik Deutschland?" Die Antworten waren ziemlich eindeutig: 90 Prozent der Befragten meinten, die bundesrepublikanische Vergangenheit sei eine Erfolgsgeschichte. Interessant dabei: Die Zustimmung fällt umso positiver aus, je älter die Befragten sind, unabhängig davon, mit welcher politischen Partei sie sympathisieren.

"Insgesamt lässt sich ein Bild zeichnen, das auf eine hohe Identifikation mit der Bundesrepublik hinweist", heißt es in der Auswertung der Umfrage. Zweidrittel der Befragten gaben an, stolz auf die Bundesrepublik zu sein. Dabei empfinden die Westdeutschen mit 69 Prozent mehr Stolz als die Ostdeutschen, von denen 57 Prozent sagen, dass sie stolz auf das sind, was die Bundesrepublik heute nach 60 Jahren ist.

Zufriedenheit mit den Grundrechten

Der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung und ehemalige Ministerpräsident, Bernhard Vogel (Foto: dpa)

Bernhard Vogel, der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung

Die gleiche Sicht herrscht in West- und Ostdeutschland offenbar mit Blick auf den Grundrechtskanon: Rechtsstaatlichkeit, Chancengleichheit, Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und Eigentumsfreiheit empfinden die Befragten als großen Gewinn. "Von einem übergestülpten Grundgesetz kann nicht die Rede sein", sagte der KAS-Vorsitzende Bernhard Vogel (CDU).

Die grundsätzliche Zustimmung zur Bundesrepublik als "solidem, sozialen und freiem Staat", in dem man gerne lebt und den es zu verteidigen lohnt, ist erheblich. Fast alle befragten Deutschen (94 Prozent) gaben an, gerne in Deutschland zu leben. Allerdings, so schätzt die KAS, habe sich bei den Antworten auf Fragen zum Sozialstaat auch die aktuelle Wirtschaftskrise bemerkbar gemacht. So sei im Vergleich zu 1999 das Bedürfnis um 27 Prozentpunkte gewachsen, der Staat solle eine möglichst umfassende soziale Sicherheit gewährleisten.

Andere Studie kritischer

Eine bereits am Mittwoch (06.05.2009) vorgestellte Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung fiel dagegen skeptischer aus. Dort sahen 45 Prozent der Befragten das Funktionieren der Demokratie in Deutschland eher kritisch. Besonders unzufrieden sind der Umfrage zufolge Menschen mit Migrationshintergrund und Jugendliche mit niedrigem Bildungsabschluss.

"Teilhabe und Bildung sind offenkundig der Schlüssel für die Akzeptanz der Demokratie", analysiert Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Die Zahlen seien alarmierend: "Es ist Aufgabe der Politik, allen hier lebenden Menschen gleiche Chancen auf gute Bildung zu bieten und ihnen demokratische Beteiligung zu ermöglichen."

Autor: Benjamin Wüst

Redaktion: Anna Kuhn-Osius

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