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Sport

Deutsche schwimmen hinterher

Es war ein desillusionierende WM: Zwar holte Marco Koch Silber über 200 Meter Brust - aber das war's auch schon! Der zweite Platz konnte die schlechteste WM-Bilanz der deutschen Beckenschwimmer kaum aufhellen.

Gegenüber dem Olympia-Debakel von London 2012 hat sich bei den Weltmeisterschaften in Barcelona für die deutschen Beckenschwimmer kaum etwas geändert. Dank Marko Koch, Vizeweltmeister über 200 Meter Brust, verbesserten sich die deutschen Starter in der Medaillenbilanz von null auf eins, doch das war ein schwacher Trost nach der historischen Nullnummer von London. "Zu den Olympischen Spielen hat sich prinzipiell nichts verändert", gab auch Leistungssportdirektor Lutz Buschkow nach der schlechtesten WM der Geschichte zu: "Wir haben die gleichen Problemfelder."

Am Schlusstag war die deutsche 4x100-Meter-Lagenstaffel der Männer um Steffen Deibler als Fünfte noch am nächsten an Edelmetall dran. Das Frauen-Quartett um Britta Steffen schlug über die gleiche Distanz ebenso chancenlos als Achte an wie Dorothea Brandt (Foto) über 50 Meter Freistil.

Einzelgänger Koch ganz vorn

"Da liegt vieles viel tiefer im Argen, als man vermuten konnte", stellte Lambertz desillusioniert fest und erneuerte seine Forderung: "Wir müssen mehr, härter und intensiver trainieren." Buschkow fürchtet finanzielle Einbußen: "Es wird sicher im Bereich Becken einschneidende Veränderungen geben."

Auf dem Podest: Marco Koch freut sich über Silber, Daniel Gyurta aus Ungarn über Gold und Matti Mattsson aus Finnland über Bronze (Foto: EPA/JUANJO MARTIN)

Marco Koch freut sich über Silber - der Ungar Daniel Gyurta holt Gold und der Finne Matti Mattsson Bronze (l.-r.)

Auf dem Treppchen stand in Barcelona ausgerechnet Einzelgänger Koch, der sich fernab der Olympiastützpunkte allein in Darmstadt vorbereitet hatte. "Der hellste Stern, der hier geleuchtet hat", nannte Lambertz den stillen Hessen. Der Bundestrainer betonte allerdings, dass der 23-Jährige alle DSV-Maßnahmen in der WM-Vorbereitung mitgemacht habe: "Er war einer der wenigen, die dem Weg wirklich gefolgt sind."

Enttäuschung bei Deibler

Im Frust endete der Weg von Steffen Deibler. Als Jahresweltbester und Mitfavorit über 100 Meter Schmetterling gestartet, musste der 26-Jährige seinem hohen Anfangstempo Tribut zollen und verlor auf den letzten Metern noch die Medaille. "Ich habe nicht gut geschlafen, lag lange wach", sagte der Olympia-Vierte am Morgen danach und klammerte er sich an das Positive - und an die Zukunft: "Ich bin stolz auf diese WM, es war die beste meines Lebens. Ich bin einen Schritt weiter gegangen auf meinem Weg, irgendwann ganz oben anzukommen."

Ganz oben war Britta Steffen zuletzt vor vier Jahren. Die Doppel-Weltmeisterin von 2009 will sich nach ihrem sechsten Platz über 100 Meter Freistil im Urlaub "reiflich Gedanken" über ihre Zukunft machen. Selbst für die Heim-EM 2014 in Berlin wollte die 29-Jährige noch keine Zusage machen: "Alles erstmal sacken lassen, ich bin auch nur ein Mensch."

Jubel außerhalb des Beckens

Angela Maurer (l.) hält ihre Silbermedaille hoch, Thomas Lurz beißt in seiner Goldmedaille (Foto: David Ebener/dpa)

Erfolgreiches Freiwasser-Duo: Maurer (l.) und Lurz

Noch nie holten deutsche Beckenschwimmer bei einer WM so wenige Medaillen. Die Gesamtbilanz für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) retteten wieder einmal andere: Vor allem dank der Freiwasserschwimmer um Rekordweltmeister Thomas Lurz und Angela Maurer sowie der Wasserspringer Patrick Hausding und Sascha Klein sprang Platz sieben im Medaillenspiegel mit zehnmal Edelmetall heraus. "Davon fünf Medaillen in olympischen Disziplinen", wie Buschkow betonte - eine deutliche Steigerung gegenüber London, wo nur Lurz auf dem Podest gestanden hatte.

Für den neuen Schwimm-Bundestrainer Henning Lambertz war die internationale Feuertaufe phasenweise "sehr ernüchternd". Nicht nur das offizielle Ziel mit drei bis vier Medaillen verfehlten Britta Steffen und Co. klar. Auch die Vorgabe des neuen Chefs, 70 Prozent sollten sich gegenüber der DM im April verbessern, blieb unerreicht. Die Quote lag bei 17 Prozent. 46 Prozent der Einzelstarter schafften es nicht unter die ersten 20. Immerhin gab es die angepeilten zehn Finalplätze.