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Deutschlehrer-Info

Deutsche Schule Teheran – Fenster nach Europa

140 deutsche Schulen gibt es derzeit im Ausland. Nicht nur für die Lehrer ist es eine besondere Erfahrung, an einer Auslandsschule zu unterrichten. Manchen Schüler prägt der Besuch ein ganzes Leben – wie Siba Shakib.

Schüler der deutschen Schule Teheran spielen auf dem Schulhof Kicker

In der Pause wird auch mal Kicker gespielt

"Wir haben uns als etwas Besonderes gefühlt", sagt die iranisch-deutsche Autorin Siba Shakib über ihre Zeit in der deutschen Schule Teheran. Für sie eröffnete die Schulzeit einen Weg aus der traditionellen Familie. Wenn man sie nach Erinnerungen an ihre Schulzeit befragt, dann fallen ihr zum Beispiel die Busse ein, mit denen die Kinder zur Schule gebracht wurden. Gelbe Busse, auf denen "Deutsche Schule Teheran" stand. "Diese Busse kannte man in ganz Teheran", erzählt sie. "Und alle wussten: Da sitzen tolle Kinder drin. Wenn wir mit diesen Bussen gefahren sind, haben wir uns als was Besonderes gefühlt."

Fenster in eine andere Welt

Siba Shakib steht am Mikrofon, im Hintergrund Plakat des VDLIA mit Aufschrift Lehrer entsenden, Partner gewinnen

Shakib: Gute Erinnerungen an die Zeit in der deutschen Schule

Siba Shakib, Journalistin und Autorin mehrerer Romane, wuchs in den siebziger Jahren in Teheran auf. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater Iraner. Die Familie, gut situiert und für iranische Verhältnisse recht weltoffen, schickte ihre Kinder auf die deutsche Schule, im damaligen Teheran eine elitäre Bildungsanstalt. Allein die Schulgebühren sorgten dafür, dass hier nur Kinder aus wohlhabenden Familien unterrichtet wurden, Kinder aus iranischen Familien mussten zudem noch eine schwierige Aufnahmeprüfung bestehen.

Doch wenn Siba Shakib heute zurückdenkt an ihre Schulzeit, dann ist es nicht so sehr das Gefühl, eine exklusive Ausbildung zu bekommen, das sie damals geprägt hat. Für sie war die Schule ein Fenster in eine andere Welt. Obwohl ihre Mutter aus Berlin kommt und der Vater in Deutschland studiert hat, herrschen in ihrem Elternhaus die strengen Regeln iranischer Familien. Sie durfte abends nicht auf die Straße, keine Jungen zu Besuch einladen. Und so freizügig wie ihre Mitschülerinnen durfte sie sich auch nicht kleiden. "Ich habe dann getrickst", sagt sie und grinst dabei auch dreißig Jahre später noch schelmisch. "Ich habe irgendwas angezogen und bin in der Schule dann anders angekommen, als ich zu Hause losgegangen bin."

"Ich wäre ein anderer Mensch geworden"

In der deutschen Schule werden Mädchen und Jungen zusammen unterrichtet, es gibt Schwimmunterricht, im Klassenraum wird auch mal diskutiert – undenkbar in iranischen Schulen, wo Frontalunterricht gehalten wird und aufmüpfigen Schülern die Prügelstrafe droht. "Aus mir wäre ein völlig anderer Mensch geworden, wenn ich nicht auf die deutsche Schule Teheran gegangen wäre", sagt sie. Heute lebt sie in New York, Italien und Dubai und schreibt Romane und Reportagen unter anderem über Frauenschicksale in Afghanistan oder die Freiheitssehnsucht eines iranischen Dorfjungen.

"Türöffner in den Westen"

Begrüßung der 30. Vollversammlung durch den Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Lehrer im Ausland Karlheiz Wecht

Die Auslandsschullehrer treffen sich jährlich zur Verbands- tagung

Die Bundesrepublik unterhält 140 Schulen im Ausland. 81.000 Schüler werden weltweit nach Lehrplänen unterrichtet, die eigentlich für Schüler in Thüringen, Baden-Württemberg oder einem anderen der 16 deutschen Bundesländer gemacht wurden. Natürlich ist der Kontrast zwischen deutschem Bildungssystem und dem gesellschaftlichen und politischen Umfeld nicht überall so stark wie im Iran. Doch als Türöffner in den Westen sind die deutschen Schulen auch in anderen Ländern beliebt – wenn auch erst an zweiter oder dritter Stelle nach den amerikanischen oder englischen Schulen.

Die Schule, auf der Siba Shakib war, gibt es heute nicht mehr. Nach der Islamischen Revolution 1979 wurde sie geschlossen. Vor einigen Jahren allerdings hat wieder eine deutsche Schule in Teheran eröffnet. "Deutsche Botschaftsschule" heißt sie nun.

Deutsche Schule: Hort der offenen Diskussion

Eine Frau in Teheran wird von einer Polizistin wegen ihrer Kleidung kontrolliert. Im Hintergrund ein Polizist

Kontrollen wegen nicht vorschriftsmäßiger Kleidung sind üblich

Der Kontrast zwischen dem Umfeld und der Schule sei seit Shakibs Schulzeiten eher noch größer geworden, sagt Joachim Schneider. Fünf Jahre hat er in Teheran Deutsch und Ethik unterrichtet, hat mit seinen Schülern die Werke der deutschen Aufklärung gelesen, und mit ihnen über Lessings Vorstellung von religiöser Toleranz diskutiert, während ihnen draußen schwere Strafen beispielsweise für ein verrutschtes Kopftuch drohten.

"Unsere Schülerinnen und Schüler werden von dem Terror und der Angst in der Gesellschaft sehr wohl beeinflusst", sagt er. "Und sie sind zum Teil auch selbst von willkürlichen brutalsten Übergriffen bis hin zu Gefängnisaufenthalten betroffen gewesen."

Zurück in die Heimat

Nach den Sommerferien wird Joachim Schneider nicht mehr mit Schülern zu tun haben, die von den Milizen des Regimes in Teheran drangsaliert werden. Höchstens für sechs Jahre werden Lehrer an deutschen Auslandsschulen eingesetzt; dann sollen sie wieder Schüler in Deutschland unterrichten. Herr Schneider wird Kinder aus dem Münsterland vor sich sitzen haben. In Teheran wird ein anderer Lehrer vor der Klasse stehen und die Schüler nach Lehrplänen aus dem beschaulichen Thüringen unterrichten, während draußen die strengen iranischen Religionsgesetze gelten.

Autor: Mathias Bölinger

Redaktion: Beatrice Warken

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