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Fokus Südosteuropa

Deutsche Schüler auf dem Westbalkan

Sie sind noch keine 20, engagieren sich aber schon im Ausland für Kinder und Jugendliche: Das Europaparlament würdigt die freiwilligen Mitarbeiter von "Schüler Helfen Leben" mit einem Bürgerpreis.

Lena Groh-Trautmann engagiert sich für Roma-Kinder in Mazedonien (Foto: Schüler helfen Leben e.V.)

Lena Groh-Trautmann engagiert sich für Roma-Kinder in Mazedonien

Auf Mazedonisch kann sie sich schon im Alltag verständigen. Jetzt will die 19-jährige Lena Groh-Trautmann auch Romanes lernen, die Sprache der Roma. Seit August 2011 arbeitet sie als Freiwillige für den Verein Schüler Helfen Leben in der mazedonischen Hauptstadt Skopje. Dort unterstützt die deutsche Abiturientin Roma-Kinder im Stadtteil Shutka. Lena bringt ihnen Deutsch und Englisch bei, aber auch am Bau von Spielplätzen für die kleineren Kinder arbeitet sie mit. "Viele dieser Kinder kommen aus sehr schlechten Verhältnissen. Es ist sehr wichtig, ihnen Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken", sagt die junge Frau.

Helfen und Erfahrungen sammeln

Lena will das Leben der Roma-Kinder verbessern – doch auch ihr eigenes Leben hat sich durch das freiwillige Jahr in Skopje bereits verändert: "Diese Arbeit in Shutka hat mir sehr viel neues Selbstbewusstsein gegeben, das ich anderswo wahrscheinlich nicht bekommen hätte".

Von ihren bisherigen Erfahrungen berichtete Lena in Berlin beim sogenannten Auswahltreffen der Organisation Schüler Helfen Leben. Dafür ist sie extra aus Skopje angereist. Rund 250 Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland haben dort darüber entschieden, für welchen guten Zweck sie in diesem Jahr am sogenannten "Sozialen Tag" arbeiten werden. Denn neben den Auslandseinsätzen auf dem Balkan organisiert der Verein jährlich auch diese bundesweite Initiative. Die Schüler werden an diesem Tag – in diesem Jahr am 14. Juni – vom Unterricht befreit und jobben in verschiedenen Bereichen. Ihre Löhne spenden sie für Förderprojekte, um bedürftigen Altersgenossen zu helfen.

Jobben für einen guten Zweck

Pressesprecher Felix Lorenzen von Schüler Helfen Leben e.V. (Foto: Schüler helfen Leben e.V.)

Felix Lorenz vom Verein Schüler Helfen Leben

Rund 1,6 Millionen Euro kommen dadurch in jedem Jahr zusammen. Die Projekte werden basisdemokratisch ausgewählt, erklärt Felix Lorenzen, Mitarbeiter der Organisation Schüler Helfen Leben in Berlin: "Wir haben den Grundsatz, dass tatsächlich die Schülerinnen und Schüler, die am Sozialen Tag arbeiten gehen, auch entscheiden, was mit ihrem Geld passiert. Diese Vertreter schauen sich die Projekte an, die zur Wahl stehen und entscheiden dann, welches Projekt wir als Stiftung fördern sollen."

Fünf Kinder- und Jugendprojekte auf dem Westbalkan wurden beim Auswahltreffen für 2012 vorgeschlagen. Die meisten Jugendlichen haben sich für ein Projekt in Serbien entschieden. Das Ziel: Jugendliche Straftäter sollen bei ihrer Reintegration in die Gesellschaft unterstützt werden.

Unterstützung vor Ort

Hauke Kramm von Schüler Helfen Leben (Foto: Schüler helfen Leben e.V.)

Hauke Kramm erzählt von seinen Erfahrungen in Bosnien

Für besonders mutige junge Abiturienten wie Lena ist ein Arbeitseinsatz am "Sozialen Tag" aber nicht genug: Sie möchten vor Ort helfen. Deshalb besuchen sie einen zweiwöchigen Intensiv-Vorbereitungskurs. Dem ehemaligen Freiwilligen Hauke Kramm genügte der Kurs als Grundlage, um 2007 bosnienweit eine ethnisch gemischte Schülervertretung aufzubauen.

"Wir sind im selben Alter wie die Jugendlichen, an die sich die Projekte richten. So kommen wir relativ schnell in Kontakt und sind sehr unbefangen", erzählt Hauke. Gerade die lokalen Mitarbeiter seien sehr wichtig, um das aus Deutschland mitgebrachte Wissen an die Realitäten vor Ort anzupassen.

Europäisches Parlament würdigt soziales Engagement

Dieses Engagement wird auch in Brüssel gewürdigt: Am 31. März hat das Europäische Parlament dem Verein den Bürgerpreis für herausragendes soziales Engagement verliehen. Gegründet wurde die Organisation während der Bürgerkriege im ehemaligen Jugoslawien: Einige Jugendliche aus Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz packten spontan Hilfsgüter in die Autos ihrer Eltern und machten sich auf den Weg in die Krisenregion, um diese selbst zu verteilen.

Auch für Lena ist es eine Selbstverständlichkeit, Jugendlichen im Ausland zu helfen und neue Erfahrungen zu sammeln: "Jeder deutsche Jugendliche sollte für eine längere Zeit ins Ausland gehen, um seine Perspektive, seinen Blick auf die Welt  zu verändern."