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Wirtschaft

Deutsche Ruheständler im Ausland gefragt

Seit über 25 Jahren vermittelt der Senior Experten Service (SES) qualifizierte Ruheständler in alle Welt. Sie packen mit an, bringen ihr Wissen ein. 2008 gab es insgesamt 1510 Einsätze in 93 Ländern.

Eine Senior-Expertin bei einem Einsatz in Afrika (Foto: SES Bonn)

Immer mehr deutsche Ruheständler helfen weltweit mit ihrer Berufserfahrung aus

Ein früher selbständiger Konditormeister aus Deutschland hilft in Bulgarien einem kleinen privaten Unternehmen, die Qualität von Torten und Teegebäck zu verbessern. Ein ehemaliger Ingenieur hilft in einer kleinen Firma in Kolumbien, Metallteile für Möbel und Zäune herzustellen. Immer mehr deutsche Rentner verzichten so, wenigstens für einige Wochen im Jahr, auf ihren wohlverdienten Ruhestand. Sie wollen vielmehr ihr Wissen, ihre Fähigkeiten weiter geben. Darunter Peter Kipp, einst selbständiger Bauunternehmer. Sein Einsatzland ist Angola. Der Bau einer Schule in Huambo, etwa 600 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, kam seit Jahren nicht voran. Zunächst hat Peter Kipp ein Finanz- und Zeitprogramm aufgestellt. Eine Bauleitung wurde ernannt. Die Arbeiter wurden weiter geschult und die notwendigen Baugeräte angeschafft. Das Resultat: "Wir sind jetzt in der Lage, dass wir in einem gezielten Programm bis Ende 2010 diese Schule in Funktion bringen können."

Afrika ist seit Jahren ein Schwerpunktland

Ein Senior-Experte informiert äthiopische Arbeiter vor Maschinen über Qualitätsanforderungen an das Mehl (Foto: SES)

Wie ist es um die Qualität des Mehls bestellt? Der Fachmann informiert

In Afrika haben die Einsätze des Senior Experten Service in den letzten Jahren zugenommen. Dort, so Geschäftsführerin Susanne Nonnen, sind es vielfach kleine private Unternehmen, wie eine Fleischerei in Ruanda, eine Bäckerei in Äthiopien oder eine Druckerei in Mauretanien, die sich mit Hilfe der deutschen Senioren besser aufstellen und ihre Produktion effizienter organisieren konnten. Auch in Lateinamerika wird die Unterstützung der deutschen Fachkräfte immer häufiger angefordert. Die Exporte in die USA seien durch die Wirtschaftskrise drastisch eingebrochen. Und so gelte es für die Fachkräfte aus Deutschland, dabei mitzuhelfen, die lateinamerikanischen Märkte zu stärken, berichtet Susanne Nonnen: "Ein Ingenieur für Holztechnik aus Brilon im Sauerland half einer kleinen Schreinerei in Mexiko, Module für Einbauküchen herzustellen. Diese Produktionsweise war bisher in dieser Region unbekannt. Noch während des Aufenthaltes der Senior Experten erhielt dann diese Schreinerei einen Großauftrag. Sie musste ihre Produktionshalle erweitern, um den Auftrag erfolgreich zu erledigen."

Westliche und chinesische Medizin Hand in Hand

Ihren ersten Einsatz hat auch die Physiotherapeutin Ursula Thiemens hinter sich. Sie arbeitete für drei Wochen in einer Rehabilitations-Einrichtung in China. Hier habe das Land einen großen Nachholbedarf, sagt Thiemens. Die Rehabilitations-Maßnahmen beispielsweise von Schlaganfall-Patienten steckten in China noch in den Kinderschuhen – mit Ausnahme der großen Städte wie Peking und Shanghai, dort sei die Versorgung gut. Während sie mit den Patienten Bewegungsübungen gemacht habe, erzählt Thiemens, habe aber die chinesische Medizin wie Akupunktur und Akupressur weiterhin eine wichtige Rolle gespielt. Es habe in den chinesischen Krankenhäusern schließlich immer eine westlich orientierte und eine chinesische Apotheke gegeben. Und beide Therapien seien eingesetzt worden: "Warum kann man nicht beides machen? Die Meinung habe ich auch. Und das ist absolut in Ordnung," sagt Thiemens.

Senior Experten Service - blaues Logo

Der SES aktiviert seit über 25 Jahren viele Senioren

Rund 7800 Senioren sind derzeit beim SES registriert. Er ist eine gemeinnützige Stiftung der deutschen Wirtschaft. Jahr für Jahr gehen tausende Frauen und Männer in viele Teile der Welt. Sie kommen aus etwa 50 verschiedenen Berufen. Und immer noch fehlen dem Senior Experten Service "unruhige Ruheständler". Vor allem aus dem Handwerk – zum Beispiel Metzger- oder Bäckermeister. Mangel gibt es auch bei Lebensmittelherstellern und im Gesundheitswesen. In einem neuen Projekt des SES sollen Senioren künftig jungen Menschen in Deutschland helfen, wenn sie Probleme mit ihrem Ausbildungsberuf haben. Da besteht durchaus Bedarf, denn Jahr für Jahr brechen in Deutschland 20 Prozent der Auszubildenden ihre Lehre ab.

Autor: Monika Lohmüller

Redaktion: Andreas Becker

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