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Kultur

Deutsche Radprofis gestehen Doping

Erik Zabel hat sich als erster noch aktiver Radprofi als Doping-Sünder geoutet. Der 36-Jährige aus Unna gab auf einer Pressekonferenz in Bonn zu, vor der Tour de France 1996 mit EPO gedopt zu haben.

Erik Zabel, Quelle: AP

Tief betroffen von den eigenen Sünden: Erik Zabel

Erik Zabel und Rolf Aldag betreten bei der Pressekonferenz in Bonn die Bühne, Quelle: AP

Ein schwerer Schritt: Erik Zabel und Rolf Aldag vor ihrem Geständnis bei der Pressekonferenz in Bonn

Erik Zabel ist nach Bert Dietz, Christian Henn, Udo Bölts und Rolf Aldag der fünfte Fahrer des ehemaligen Telekom-Teams, der Doping zugegeben hat. Zuvor hatte bereits der Teamchef des Bonner Radrennstalls T-Mobile, Rolf Aldag, Doping mit EPO zugegeben.

Erik Zabel gab bei einer Pressekonferenz am Donnerstag (24.5.) in Bonn unter Tränen zu, vor und in der ersten Woche der Tour de France 1996 mit EPO gedopt zu haben. "Ich habe gedopt, weil es ging", sagte Zabel, "das war ein Test, das war einmalig." Zabel erklärte, er habe eine Woche lang EPO verwendet, wegen der Nebenwirkungen aber dann darauf verzichtet. Das Hormon Erythropoietin (EPO) steigert die Zahl der roten Blutkörperchen und damit die Ausdauer.

Öffentliche Entschuldigungen

Jan Ullrich, Christian Henn, Hens Heppner im Tourdress auf ihren Rädern, Quelle: AP

Doping Fahrer aus dem Stall Telekom von links: Jan Ullrich, Christian Henn, Hens Heppner bei der Tour de France 1998

Zabel fährt nach seinem Abschied vom Bonner Rennstall für das Team Milram. "Ich bin bereit, Konsequenzen zu tragen", sagte der gebürtige Berliner. Wie Aldag entschuldigte sich Zabel, der jahrelang an der Seite von Jan Ullrich für den T-Mobile-Vorgänger Team Telekom gefahren war, öffentlich für seine Verfehlungen. Als er von seinem Sohn Rik sprach, konnte Erik Zabel die Tränen nicht mehr zurückhalten. "Wenn ich von meinem Sohn erwarte, dass er ein guter Mensch wird, kann ich ihn nicht weiter anlügen", nannte Zabel einen seiner Hauptgründe, als erster noch aktiver deutscher Rad-Profi ein Reue-Geständnis abzulegen.

Rolf Aldag, derzeit Sportdirektor des Nachfolge-Rennstalls T-Mobile, erklärte: "Ich habe 1995 begonnen mit EPO und ich hab weitergemacht." Er ergänzte: "Ich habe mich aktiv für Doping entschieden." Anfangs habe es auch keine Kontrollen gegeben. Mit der Zeit sei es immer schwerer geworden. 2002 habe er sich dann Epo über das Internet bestellt. Dann sei ihm klar geworden, dass das Doping lebensbedrohlich sei. Aldag entschuldigte sich auch dafür, dass er jahrelang gelogen habe. "Das war sicher das Schwerste überhaupt, was ich je getan habe und sicherlich genauso falsch wie Doping", sagte Aldag.

Erik Zabel gewann bei der Tour de France zwölf Etappen und sechsmal das Grüne Trikot. Aldag nahm zehnmal an der Frankreich-Rundfahrt teil. Beide gehörten den Teams an, die 1996 Bjarne Riis und 1997 Jan Ullrich zu Toursiegen führten.

Telekom hält an Aldag und Radsport-Sponsoring fest

Das T-Mobile Team hält an Rolf Aldag als Sportdirektor fest. Das erklärte Teamchef Bob Stapleton auf der Pressekonferenz in der Telekom-Zentrale in Bonn. Er habe mit den Verantwortlichen gesprochen und alle hätten Vertrauen in Aldag und glaubten an ihn. Aldag habe die volle Unterstützung.

Bert Dietz im Dress des Teams Deutsche Telekom 1995 bei der Tour de Swiss neben einem nicht identifizierten Konkurrenten, Quelle: AP

Der frühere Telekom-Radprofi Bert Dietz hat die Geständniswelle ins Rollen gebracht

Ungeachtet der Geständnisse wird die Deutsche Telekom auch nicht aus dem Radsport-Sponsoring aussteigen. T-Mobile-Sprecher Christian Frommert erklärte, das Unternehmen wolle seine bis 2010 vereinbarte Verpflichtung gegenüber dem Radsportteam fortzusetzen. In den vergangenen Tagen hatte es mehrfach Vermutungen über einen bevorstehen Ausstieg des Sponsoring gegeben.

Die Welle der Doping-Geständnisse hatte am Montagabend der frühere Telekom-Profi Bert Dietz ausgelöst, der sich in der ARD-Sendung "Beckmann" selbst als Doping-Sünder geoutet und die Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid schwer beschuldigt hatte. Nach ihm gestanden auch seine früheren Teamgefährten Christian Henn und Udo Bölts Doping-Missbrauch. Am Mittwochabend räumten Schmid und Heinrich ein, als Mannschaftsärzte Doping-Praktiken des Telekom-Radsportteams in den 90er-Jahren unterstützt zu haben.

Kündigungen von der Uni Freiburg und dem SC Freiburg

Die Universität Freiburg hat sich mit sofortiger Wirkung von den beiden Doping-Ärzten Dr. Lothar Heinrich und Prof. Andreas Schmid getrennt. Den Sportmedizinern der Uniklinik wurde am Donnerstag fristlos gekündigt. Beide hatten am Vorabend gestanden, in ihrer Funktion als Mannschaftsärzte in den 90er-Jahren Radprofis des Bonner Telekom-Teams mit Epo und anderen verbotenen Substanzen gedopt zu haben. Die Universität erwägt, die Abteilung Sportmedizin aufzulösen.

Auch Fußball-Zweitligist SC Freiburg zog die Konsequenzen. Demnach wird Schmid in Zukunft nicht mehr als Mannschaftsarzt für die Breisgauer arbeiten. "In dem Moment, wo Doping bewiesen ist, müssen wir uns distanzieren und leider sagen, dass man sich trennen muss", sagte Freiburgs neuer Manager Dirk Duffner am Donnerstag. SC-Präsident Armin Stocker betonte, bis zu Schmids Geständnis habe auch für ihn die Unschuldsvermutung gegolten. (je)

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