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Europa

Deutsche Patriot-Soldaten um Haltung bemüht

Unerwartete Probleme für die deutschen Soldaten beim Türkei-Einsatz: Nicht die Bedrohung durch syrische Raketen ist das Hauptthema der Truppe, sondern Streit um die Unterbringung.

In Jeans und T-Shirt durch den Basar schlendern, Schmuck und Postkarten kaufen, das cremige Eis probieren, für das Kahramanmaras in der ganzen Türkei berühmt ist: Nur hin und wieder können deutsche Soldaten beim Patriot-Einsatz in Südostanatolien in ihrer Freizeit das Gastgeberland erkunden. Von den Einwohnern von Kahramanmaras würden die Deutschen bestaunt, berichtete die türkische Lokalpresse in diesen Tagen. Schließlich ist es das erste Mal, dass verbündete ausländische Truppen in der Stadt stationiert sind. Sie sollen sie mit Patriot-Abwehrraketen vor möglichen Angriffen aus Syrien schützen.

Doch diese Premiere hat auch sehr unangenehme Seiten: Zwischen deutschen und türkischen Soldaten in Kahramanmaras gibt es einen Streit über die Unterbringung der Bundeswehr-Einheit in der Gazi-Kaserne. Von verdreckten Toiletten, Hundekadavern und handgreiflichen türkischen Offizieren berichtete der Wehrbeauftragte des Bundestags, der FDP-Politiker Hellmut Königshaus, vor wenigen Tagen. Sein Report brachte die seit Wochen andauernden Probleme in Kahramanmaras ans Tageslicht.

"Einige Unsicherheiten"

Ein deutscher Soldat vor einem Fahrzeug mit Abwehrraketen in der Türkei (Foto: Reuters)

Der Patriot-Einsatz soll die türkischen Bündnispartner vor syrischen Angriffen schützen

Der deutsche Kommandeur Marcus Ellermann muss seitdem an dem Kunststück arbeiten, seine türkischen Ansprechpartner - trotz der öffentlich gewordenen Schelte aus Berlin - dazu zu veranlassen, an einer Lösung der Probleme zu arbeiten. Auf türkischer Seite gebe es "einige Unsicherheiten", teilte Ellermann der Deutschen Welle telefonisch aus Kahramanmaras mit.

Sogar der türkische Generalstab in Ankara meldete sich zu Wort und nahm zu Fragen der Toiletten-Hygiene und der gemeinsamen Nutzung von Sportanlagen Stellung - auch das geschieht nicht alle Tage. Das Fazit der zweiseitigen Presse-Erklärung des Generalstabs: An den Vorwürfen aus Deutschland sei fast nichts dran. Nur die Meldung, dass die deutschen Soldaten in der Gazi-Kaserne keine Flaggen und Schilder ihrer Heimatregionen anbringen dürfen, wurde bestätigt.

Kommandeur will Wogen glätten

Für jemanden wie Ellermann, der vor Ort die Dinge regeln soll, läuft die Debatte falsch: Die ganze Angelegenheit werde "deutlich zu hoch gehängt". Zu seinen türkischen Kollegen habe er ein "ordentliches Verhältnis". Auch Frank Sarach, der Pressesprecher des deutschen Kontingents, betonte gegenüber der Deutschen Welle, er komme ganz gut klar mit der türkischen Seite: "Es gibt die ein oder andere Differenz, aber das liegt in der Natur der Sache."

Bei der "Natur der Sache" spielt auch die deutsche Militärbürokratie eine Rolle. So hatten die türkischen Gastgeber seit Anfang des Jahres in aller Eile neue Unterkünfte für die deutschen Soldaten in der Gazi-Kaserne hergerichtet. Doch obwohl alles am 22. Februar 2013 fertiggestellt war, sind die Unterkünfte bis heute nicht bezogen: Ellermann muss warten, bis deutsche Kontrolleure grünes Licht gegeben haben. Nachdem die Türken "mit Vollgas renoviert" hätten, müssten sie nun zur Kenntnis nehmen, dass deutsche Vorschriften alles verzögerten, sagte Ellermann: "Das ist schwer nachzuvollziehen", meinte der Kommandeur - er verstehe die Verärgerung der Türken.

Jetzt auch noch die NATO?

Demonstrierende Türken, die gegen den Patriot-Einsatz protestieren (Foto: Reuters)

Proteste von Linken und Nationalisten gegen den Patriot-Einsatz im Januar 2013

Kein Verständnis hat Ellermann dagegen für die türkische Darstellung, wonach es den von Königshaus beklagten tätlichen Übergriff eines türkischen Generals gegen eine deutsche Feldjägerin nie gegeben haben soll. Der Vorfall sei belegbar, sagte der deutsche Kommandeur. Aber auch bei diesem Thema hätte es Ellermann lieber, wenn die Angelegenheit ohne öffentliche Einmischungen aus Berlin und Ankara geregelt werden könnte.

Auch ohne den jüngsten Streit wäre der Bundeswehr-Einsatz in der Türkei kompliziert. Die Mission der NATO in der Türkei stößt bei linken und nationalistischen türkischen Gruppen auf heftigen Widerstand. Anfang des Jahres wurden deutsche Soldaten in der Hafenstadt Iskenderun von NATO-Gegnern bedrängt, die sie für US-Amerikaner hielten. In Kahramanmaras selbst wurde bei einer kleineren Protestkundgebung eine Fahne der westlichen Allianz verbrannt.

Nun muss sich Ellermann darauf einstellen, dass sich der Streit um die Unterbringung seiner Soldaten noch ausweitet. Nach türkischen Medienberichten will sich jetzt auch das NATO-Hauptquartier in Brüssel einschalten, schließlich geht es um einen Einsatz der Allianz für den Bündnispartner Türkei. Bereits vor einigen Tagen sollen NATO-Vertreter in Kahramanmaras gewesen sein.  Zwar betonte Sarach, der Sprecher des deutschen Kontingents, der Besuch habe nichts mit der Toiletten-Krise zu tun gehabt. Dennoch könnte es noch eine Zeit lang dauern, bis sich ein normaler Einsatz-Alltag einstellt.

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