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Wirtschaft

Deutsche Märkte leichter - Banken, Versicherer und High-Techs unter Druck

Die deutschen Aktienmärkte haben am Mittwoch (20. März) nachgegeben, die wichtigsten deutschen Standardwerte teilweise herbe Verluste verbucht.

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Händler in der Frankfurter Börse

Der Standardwerteindex DAX gab 1,8 Prozent oder fast 98 Punkte auf 5.365 nach. Der Nemax 50 des Neuen Marktes verlor 1,7 Prozent oder 18 Punkte auf 1029.

Nach Einschätzung von Händlern haben die Herabstufungen von Finanzinstituten und eine kritische Stellungnahme zur Deutschen Telekom durch Goldman Sachs die gute Stimmung am deutschen Markt weitgehend zerstört und Gewinnmitnahmen einsetzen lassen. Es gebe jedoch keine fundamentalen Nachrichten, mit denen der Rückgang erklärt werden könnte. "Nach den beiden letzten Tagen mit festen Kursen nehmen die Anleger jetzt vor allem Gewinne mit", sagte ein Händler in Frankfurt. Die Umsätze seien zwar weiter dürftig.

Im DAX stand vor allem Tagesverlierer Infineon unter Druck. Als schlechte Nachricht für die Aktie bewerteten Händler, dass Siemens neben Infineon einen weiteren Zulieferer von Chips für seine UMTS-Handys sucht. Der Wert verlor 5,9 Prozent. Aber auch Siemens, Epcos und SAP gaben überdurchschnittlich ab.

Schwach zeigten sich zudem die Finanz- und Versicherungswerte. Bei Allianz sprachen Händler von Gewinnmitnahmen, während bei der HypoVereinsbank Herabstufungen durch die Deutsche Bank ausschlaggebend gewesen seien. Dabei spielte wohl vor allem der Bankenkrach um den am Boden liegenden Baukonzern Holzmann eine Rolle: Drei deutsche Großbanken hatten am Mittwoch ein verbessertes Rettungskonzept endgültig abgelehnt. Aber die Deutsche Bank will sich als Hauptaktionär und Hauptgläubiger des angeschlagenen Bauriesen weiter gegen die drohende Pleite der Philipp Holzmann AG stemmen. Desen Papiere verloren rund 22 Prozent auf 4,98 Euro.

Auch Schering-Papiere notierten schwach bei minus 3,8 Prozent. Der Berliner Pharmakonzern will das amerikanischen Biotech-Unternehmen Collateral Therapeutics für 140 Millionen Dollar vollständig übernehmen. Bislang hielt Schering zwölf Prozent der Anteile.

Gesucht waren dagegen vor allem Degussa, die 4,6 Prozente zulegten. Der Titel profitiert nach Einschätzung von Händlern von positiven Analysten-Kommentaren. Nach Ansicht von Börsianern beflügelte die Aussicht auf eine bessere Entwicklung im Vergleich zu anderen Chemietiteln das Papier.

Die deutsche Chemieindustrie insgesamt rechnet trotz der allgemein erwarteten Konjunkturbelebung für das Gesamtjahr 2002 branchenweit mit einem Umsatzrückgang. Der Dachverband der chemischen Industrie VCI schraubte in Frankfurt seine Umsatzerwartungen für die Branche nach unten und rechnet nunmehr mit einem Umsatzrückgang
von zwei Prozent. Noch im Dezember war Verbandspräsident Wilhelm Simson davon ausgegangen, dass der Umsatz in der deutschen Chemie in diesem Jahr auf dem Niveau von 2001 verharren werde. Die Chemiewerte im Dax gaben nicht überdurchschnittlich ab.

Die Aktien des Medienunternehmens ProSiebenSat.1 Media kletterten nach der geplatzten Fusion mit der KirchMedia deutlich. An der Börse gewann ProSiebenSat.1 Media innerhalb weniger Minuten mehr als zehn Prozent. Begründet wurde die Absage mit dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld und der finanziellen Situation der Kirch-Gruppe. "Die Nachricht hat Druck von der ProSieben-Aktie genommen", sagte ein Händler. Außerdem habe fast niemand mehr am
Markt an ein Zusammengehen geglaubt.

Und dann noch dies: Jeder fünfte über 14-Jährige in Deutschland ist inzwischen Aktionär. Das berichtete das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Die Zahl der Besitzer von Aktien und Aktienfonds sei im vergangenen Jahr auf insgesamt 12,9 Millionen gestiegen. Das seien - trotz Börsenflaute - fast 9 Prozent mehr als 2000. Immer beliebter würden Aktienfonds, die von Anlegern zunehmend auch als Altersvorsorge betrachtet würden. Dagegen sei die Zahl der Sparer, die ihr Geld direkt in einzelne Aktien investierten, von 6,2 auf 5,7 Millionen zurückgegangen.

Die Durchschnittsrendite gab zwei Basistellen auf 5,04 Prozent ab.Die Schlussnotierungen im Dax wie immer ohne Gewähr:

adidas-Salomon 78,17 (- 1,23)
Allianz 279,70 (- 7,10)
BASF 46,87 (- 0,08)
Bayer 39,94 (- 0,54)
HypoVereinsbank 39,04 (- 0,96)
BMW 46,05 (- 0,55)
Commerzbank 20,98 (+ 0,02)
DaimlerChrysler 52,90 (- 1,40)
Degussa 36,14 (+ 1,59)
Deutsche Bank 72,65 (- 1,55)
Deutsche Post 16,80 (- 0,20)
Deutsche Telekom 16,60 (- 0,15)
E.ON AG 58,09 (- 0,13)
EPCOS 52,52 (- 1,38)
Fresenius Med. Care 70,50 ( unv. )
Henkel 70,51 (+ 0,51)
Infineon Techno 25,18 (- 1,57)
Linde 56,46 (- 0,09)
Lufthansa 18,20 (- 0,41)
MAN 29,60 (- 0,10)
Metro 39,73 (- 0,01)
MLP 75,75 (- 0,25)
Münchener Rück 295,29 (- 6,21)
Preussag 34,83 (+ 0,23)
RWE 42,24 (+ 0,19)
SAP 169,49 (- 6,81)
Schering 66,70 (- 2,61)
Siemens 73,80 (- 2,62)
ThyssenKrupp 18,18 (- 0,32)
VW 59,83 (- 0,17)

Ausgewählte Devisennotierungen auf Basis der Referenzkurse der Europäischen Zentralbank:

Danach kostete der Euro
0,8814 US-Dollar
0,6196 Brit.Pfund
1,4642 Schweizer Franken
oder
115,72 Jap.Yen

  • Datum 20.03.2002
  • Autorin/Autor Thomas Kirschning
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  • Permalink http://p.dw.com/p/215n
  • Datum 20.03.2002
  • Autorin/Autor Thomas Kirschning
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