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Wirtschaft

Deutsche Löhne stark gesunken

Während sich Länder wie Norwegen über steigende Reallöhne freuen können, haben deutsche Arbeitnehmer im Durchschnitt immer weniger Geld in der Tasche, stellt die Internationale Arbeitsorganisation in einer Studie fest.

Metallarbeiter (Foto: AP)

Der Durchschittsverdienst der Deutschen sinkt

Deutschland hat bei den Löhnen den Anschluss verpasst. Preisbereinigt gingen die Löhne in Deutschland zwischen 2000 und 2009 sogar um 4,5 Prozent zurück, wie aus dem "Global Wage Report 2010/2011" hervorgeht, den die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) am Mittwoch (15.12.2010) in Berlin vorstellte. Spitzenreiter bei der Lohnentwicklung ist demnach Norwegen. Dort gab es einen inflationsbereinigten Lohnzuwachs von 25 Prozent.

Beschäftigung stabil, Löhne sinken

Zeitarbeitsunternehmen Randstad (Foto: dpa)

Zeitarbeit hat zugenommen

Die ILO bescheinigt Deutschland zwar, die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise gut gemeistert zu haben. "Während in anderen Ländern in großem Umfang Arbeitsplätze verloren gegangen sind, haben Regierung, Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beschäftigung in Deutschland auch im Krisenjahr 2009 praktisch stabil gehalten und stattdessen auf eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit gesetzt", heißt es in dem Bericht. Zum Erfolg hätten Instrumente wie Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit beigetragen.

Dafür hinkten die Löhne im Vergleich deutlich hinterher. Weltweit sind sie in den vergangenen zehn Jahren laut dem Bericht um ein knappes Viertel gestiegen. In Deutschland ist der durchschnittliche Monatsverdienst zwischen 2000 und 2009 zwar auch angestiegen, nämlich um 10,2 Prozent. Aber die Preise stiegen im gleichen Zeitraum um 15,4 Prozent. Unterm Strich bleibe den Arbeitnehmern daher "nur ein Minus", so die ILO. "Die rückläufige Lohn- und Gehaltsentwicklung ist damit die Kehrseite des erfreulichen Beschäftigungssaldos Deutschlands", sagte der ILO-Vertreter in Deutschland, Wolfgang Schmidt.

Wettbewerbsfähig durch niedrige Löhne

Metaller (Foto: AP)

Moderate Tarifabschlüsse führten zu Reallohnverlusten

Schuld an dem Reallohnverlust in Deutschland sind nach Angaben der ILO die moderaten Tarifabschlüsse, die Ausweitung des Niedriglohnsektors sowie die Zunahme von Zeitarbeit und 400-Euro-Jobs. Im Durchschnitt liege der Monatsverdienst der deutschen Arbeitnehmer mit 2154 Euro brutto deutlich unter dem Niveau der 1990er Jahre. In den ersten drei Quartalen sei der Bruttomonatsverdienst sogar noch weiter gefallen, auf nunmehr 2113 Euro.

Löhne und Produktivität würden in Deutschland immer weiter auseinanderklaffen, kritisiert die ILO: So sei die Produktivität zwischen 2000 und 2008 um 7,3 Prozent gestiegen. Die Monatslöhne seien dagegen im gleichen Zeitraum um vier Prozent auf den tiefsten Stand seit 1992 gesunken. Den Unternehmen bringe das zwar Kostenvorteile auf dem Weltmarkt, so die ILO. Gleichzeitig sinke aber die Kaufkraft der Bürger. Außerdem führe die schwache Lohnentwicklung in Deutschland zu strukturellen Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft: Während Deutschland hohe Exportüberschüsse verzeichne, müssten andere Länder mit steigender Verschuldung kämpfen.

Die Linkspartei sieht sich durch den ILO-Bericht bestätigt: Deutschland sei weltweit der Lohndrücker Nummer eins und nur wettbewerbsfähig auf Kosten anderer Länder. Damit sei Deutschland der Hauptschuldige an der derzeitigen Krise Europas, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ulrich Maurer. Im Zusammenhang mit der Euro-Krise hatten auch andere Länder wie Frankreich und die USA kritisiert, dass Deutschland auf Kosten der anderen hohe Exportüberschüsse erwirtschafte.

Autor: Dirk Eckert (dpa, rtr)

Redaktion: Hans Ziegler

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