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Wirtschaft

Deutsche Konsumenten: Rational unter der "Konsumpeitsche"

Deutsche Konsumenten sind berüchtigte Pessimisten. Auch ihre gegenwärtige Kauflaune ändert daran nichts, sondern zeigt: Sie sind es auf eine rationale Weise.

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Kauffreudige Konsumenten

Der deutschen Wirtschaft geht es so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Unternehmen investieren endlich verstärkt im Inland. Selbst die Löhne und Gehälter sind das erste Mal seit 2004 gestiegen. Doch die deutschen Haushalte bangen um Konjunktur und Beschäftigung – und wollen trotzdem mehr ausgeben.

Das ist das Ergebnis des Konsumklimas für den August, das die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg vorstellte. Monatlich befragt sie etwa 2000 Personen zu ihren Anschaffungswünschen sowie ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen und fühlt damit dem deutschen Konsumenten den Puls. Der gibt sich ungeachtet des wirtschaftlichen Aufschwungs gewohnt pessimistisch und bestätigt die sprichwörtliche "German Angst".

Widersprüchliches

So blieb die Einkommenserwartung auch im August bei minus 3,8 Punkten. Von der Wirtschaftslage versprechen sich die Deutschen ebenfalls nicht viel; der entsprechende Indikator fiel erneut um etwa vier auf 11,4 Punkte. Zugleich überraschten die Konsumenten mit einem angekündigten Kaufrausch: Die Anschaffungsneigung ging zwar um 1,4 auf 56,1 Punkte zurück, markierte damit aber den zweithöchsten Stand seit Bestehen der Umfrage. Der private Konsum werde daher in diesem Jahr um etwa 0,7 Prozent zunehmen und damit endlich wieder zum Wirtschaftswachstum beitragen, folgerte GfK-Chef Klaus Wübbenhort bei Reuters TV.

Konsum

Wenn die Konsumpeitsche knallt...

Dieses Ergebnis ist nur scheinbar widersprüchlich. Denn die trotz allgemeinem Pessimismus großen Anschaffungswünsche sind erzwungen. "In unseren Kreisen nennen wir das die Konsumpeitsche der Großen Koalition", erklärt Sebastian Wanke von der DekaBank. Wegen der Mehrwertsteuererhöhung Anfang des nächsten Jahres müssten die Konsumenten größere Anschaffungen noch in dieses Jahr vorziehen. "Damit verhalten sie sich rational", sagt Wanke. Selbst das viel gescholtene Angstsparen sei davon betroffen: Um die Verbrauchersteuer zu umgehen, werde vorübergehend weniger gespart.

Prinzipiell pessimistisch

An den Gründen für die allgemeine Verunsicherung hat sich dagegen wenig verändert: Mehrbelastungen durch Reformen, gestiegene Energiepreise, die Demographie und Furcht vor weltwirtschaftlichen Verwerfungen. In dieser Einschätzung nähern sich die Haushalte den Meinungen der Wirtschaftswissenschaftler an. Doch während deren Prognosen für 2007 Wachstumsraten von unter einem bis über zwei Prozent verheißen, bleiben die Haushalte pessimistisch. "Nach den letzten vier Jahren gibt es eben noch kein Vertrauen bei den Konsumenten", erklärt Wanke.

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