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Wirtschaft

Deutsche Kochtöpfe in Asien als Nobelmarke

Während die Töpfe der Firma Fissler in Deutschland als solide Haushaltsware gelten, sind sie in Asien ein Lifestyleprodukt. Der Kochgeschirrhersteller hat es geschafft, sich dort als begehrte Premiummarke zu etablieren.

Fissler Verkaufsshop im japanischen Sapporo (Foto: Fissler)

Edel die Ware - edel das Geschäft im japanischen Sapporo

Kürzere Garzeit, die Vitamine bleiben erhalten! Das war die Botschaft, mit der vor rund 60 Jahren ein Topf aus dem Hause Fissler seinen Siegeszug durch die deutschen Haushalte antrat. Der Schnell- oder Dampfkochtopf, in dem Lebensmittel bei höheren Temperaturen gegart werden, gehört heute zu den bekanntesten Fissler-Produkten - und das über Deutschland hinaus. 1845 gründete Carl Philipp Fissler das Unternehmen, ursprünglich ein Klempner- und Installationsgeschäft in Idar-Oberstein im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz. Knapp 50 Jahre später baut Fissler die erste Gulaschkanone. Auf einen Anhänger wurde ein Herd montiert, auf dem Essen für die Soldaten im Feld gekocht werden konnte. Das junge Unternehmen konzentrierte sich fortan aber auf die Produktion von Töpfen und Pfannen.

Spezielle Töpfe für Asien

Dampfkochtopf Deckelherstellung (Foto: Fissler)

Produziert wird ausschließlich am Firmenstammsitz Idar-Oberstein

Das hochwertige Kochgeschirr aus glänzendem Edelstahl wird bis heute ausschließlich am Firmensitz in Idar-Oberstein hergestellt. Das hat sich auch nicht geändert, seitdem Fissler vor einigen Jahren den asiatischen Markt erobert hat. Das Unternehmen macht dort mittlerweile die Hälfte seines gesamten Umsatzes. Während Fissler-Töpfe, Woks oder Pfannen in Deutschland zwar zur hochwertigen Ware gehören, zählen sie bei Asiaten zu den "Lifestyleprodukten". Und das heißt: für gut verdienende Asiaten muss das iPhone von Apple, das Auto von Mercedes oder Audi und der Topf von Fissler sein. Letzteres natürlich nur zu kaufen in edlen Shoppingzentren. Und so werde Fissler in Asien heute in einem Atemzug genannt mit den Nobelmarken Gucci, Prada und Louis Vuitton, sagt Geschäftsführer Markus Kepka. Fissler sei in Asien ein Premiumprodukt: "Premium übersetze ich immer mit überlegener Qualität, überlegenem Design und überlegener Funktionalität."

Der Renner in Asien - wie könnte es anders auch sein - sind Woks, die zu den wichtigsten Küchenutensilien dieses Kontinents gehören. Die meisten Fissler-Produkte, so Kepka, seien allerdings in Asien und in Deutschland identisch. Für den asiatischen Markt werden aber auch Töpfe mit besonderen Funktionen entwickelt, um spezielle asiatische Gerichte zuzubereiten: "Das ist bei unserem Schnellkochtopf der Fall, wo wir zusätzliche Druckstufen einbauen, die so in Deutschland gar nicht benötigt werden."

Asiaten sind kritische Verbraucher

Geschäftsführer der Firma Fissler, Idar-Oberstein, Markus H. Kepka (Foto: Fissler)

Geschäftsführer Markus Kepka

In Asien, so Kepka, habe das Unternehmen eine völlig andere Marketingstrategie entwickelt als in Deutschland. Hierzulande stehe der Nutzen eines Topfes im Vordergrund, oder kurz: wie funktioniert er überhaupt! Das wollten die Asiaten zwar auch wissen, doch wichtig sei hier: der Topf ist gleichzeitig Statussymbol. Denn nur die wenigsten könnten sich einen Topf leisten, der leicht ein paar hundert Euro kosten könne: "Insgesamt ist es für Asien sehr, sehr wichtig, dass man als Unternehmen glaubwürdig ist", sagt Kepka. Denn asiatische Konsumenten seien sehr kritisch, kritischer als die Konsumenten in Europa. Und Asiaten seien auch nachtragend, betont der Geschäftsführer: "Das heißt: ein Unternehmen muss wirklich darauf achten, dass die Erwartungen der Konsumenten immer erfüllt und die Konsumenten nicht enttäuscht werden."

Auch mit der Vermarktungsstrategie passt sich das Unternehmen aus Idar-Oberstein ganz den jeweiligen Landesgepflogenheiten an. Beispielsweise in China oder Korea werben Stars aus Film oder Fernsehen für das Kochgeschirr aus Deutschland. Und in Japan tragen Models farbenprächtige Kostüme und dann auch schon einmal einen Topf auf dem Kopf: "Wir machen in Japan Modenschauen, auf denen die Models mit Fissler-Töpfen bekleidet sind. Etwas, was man sich hier nicht vorstellen kann."

Made in Germany ist gefragt

Das Label "Made in Germany" ist auch für Fissler von großer Bedeutung. Vor allem in Asien, sagt Kepka, wo mittlerweile doch einige Produkte produziert und auch kopiert werden. Weniger von den Asiaten, vielmehr von deutschen Konkurrenten, räumt Kepka ein: "Die Konsumenten wissen natürlich, dass mit unseren Produkten ein Qualitätsversprechen mit auf den Weg gebracht wird, das wir auch einhalten."

Das Auslandsgeschäft gewinnt für das Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Spätestens in drei oder vier Jahren, so Fissler-Chef Kepka, werde China den bislang größten deutschen Markt ablösen. Aber nicht weil Deutschland schrumpfe, sondern weil China überproportional wachse.

Autorin: Monika Lohmüller
Redaktion: Henrik Böhme

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