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Wirtschaft

Deutsche Kaupthing-Kunden kämpfen weiter

Ende November 2008 konnten die deutschen Geschädigten der isländischen Kaupthing-Bank noch auf eine schnelle Entschädigung hoffen. Nun droht den Anlegern eine jahrlange Geduldsprobe.

Karlheinz Bellmann (Quelle: dpa)

Karlheinz Bellmann kämpft weiter mit allen Mitteln um sein Geld

Geld weg, Konto gesperrt, kein Zugriff mehr auf das Ersparte. Wie sich das anfühlt, musste Karlheinz Bellmann im Oktober 2008 auf schmerzvolle Art erfahren. Insgesamt 110.000 Euro hatte der Familienvater aus Hessen bei der isländischen Kaupthing Bank angelegt. Verbunden mit der Hoffnung auf attraktive Zinsen. Doch der heiße Zinstipp wurde schnell zum Albtraum. Die Bank wurde verstaatlicht. Das Geld futsch. Bis nach Island reiste Bellmann seinem Geld hinterher, im Februar 2009 zum zweiten Mal. Im November 2008 hatte der Bundesfinanzminister Peer Steinbrück noch verkündet, den Isländern einen Kredit zu gewähren, um alle deutschen Geschädigten auszahlen zu können. Kollektive Freude bei den 30.000 Anlegern aus Deutschland, das Geld schon bald wieder zu sehen. Doch die Freude währte nicht lange.

Finanzministerium löscht Zusage

Island Land und Leute Finanzkrise Reykjavik Einkaufsstraße Laugarvegur (Quelle: Per Henriksen)

Leerstehende Geschäfte im Zentrum von Reykjavik

„Bundesfinanzminster Steinbrück hatte Ende November verkündet, dass wir alle unser Geld wiederbekommen und es hat mich über alle Maßen verunsichert, dass ich am 8. Januar 2009 plötzlich und vollkommen unerwartet genau diese Zusage, nicht mehr auf der Homepage des Bundesfinanzministerium lesen konnte," berichtet Karlheinz Bellmann fassungslos über die unangenehme Entdeckung.

Laut offiziellen Angaben hieß es: die Mitteilung wurde depubliziert, sprich gelöscht, um sie die aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Am 5. Februar 2009 flog der IT-Spezialist noch einmal nach Island, diesmal aber nicht alleine: Mit sechs weiteren deutschen Anlegern reiste er zu einer Gläubigerversammlung der Kaupthing Bank. Bei seinem ersten Besuch hatte Bellmann noch gehört, die Bank habe die Werte und müsse diese nur zu Geld machen, um die deutschen Anleger auszuzahlen. Geduld war gefragt. Jetzt hörte Bellmann: „Die Bank hat die Werte zu Geld gemacht, das heißt, das Geld ist Cash vorhanden. Die Bank möchte gerne zurückzahlen und ein Teil, nämlich 20 Prozent, ungefähr 55 Millionen Euro, die werden hier in Deutschland von der DZ-Bank festgehalten.“

Eine deutsche Bank ist Zünglein an der Waage

Die DZ-Bank war den deutschen Geschädigten in der Kaupthing-Pleite bisher völlig unbekannt. Auf der Versammlung wurde bekannt, dass die DZ-Bank bisher der Dienstleister der Kaupthing-Bank in Deutschland war und die Geschäfte vor Ort abwickelte. Sprich Einzahlungen der Bankkunden entgegennahm oder Auszahlungen ausführte. Nach der Rückreise aus Island jagte der 49-Jährige weiter seinem Geld hinterher. "Nach der Rückkehr aus Reykjavik haben wir einfach versucht, dass wir einen Termin mit dem Bundesamt für Finanzdienstleistungen bekommen, dass wir eine Erklärung bekommen, warum die DZ-Bank unser Geld konfisziert hat. Bisher haben wir leider völlig erfolglos versucht, Herrn Steinbrück zu irgendeiner Aussage zu drängen,“ schildert der Vater von vier Kindern die verfahrene Situation.

Reykjavik Kaupthing Bank Filiale im Gebäude vom Islands Rotem Kreuz. (Quelle: Per Henriksen)

Filiale der Kaupthing Bank

Bei der für sie Schuldigen des Dilemmas, der DZ-Bank, erhalten die Kaupthing-Geschädigten einen offiziellen Termin. Das Ergebnis des Gesprächs ist nicht zufriedenstellend. „Die DZ-Bank steht einfach auf dem Standpunkt, sie könne das Geld welches Kaupthing gehört, aber auf ihrem Konto liegt, nicht den Anlegern direkt zuordnen und deshalb sei die DZ-Bank in der Rechtsposition einfach mal die Hand auf die 55 Millionen zu legen,“ gibt der IT-Fachmann Bellmann nach dem Treffen preis.

Informationen fließen nur spärlich

Die Kaupthing-Kunden meinen, diese 55 Millionen sind Anlegergeld, dass noch kurz vor der Verstaatlichung der isländischen Bank bewegt wurde. Teilweise versuchten besorgte Kunden, ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Damals war das Geld eindeutig zuzuordnen. Nun droht ein Rechtsstreit, der sich über Jahre hinziehen kann. Wegen dieser 55 Millionen, mit denen die DZ-Bank ihre eigenen Forderungen gegen die Kaupthing gelten machen will. Für Karlheinz Bellmann und seine Familie wird ganze Geschichte auch zur finanziellen Zerreißprobe. „Ein großer Teil meines Geldes war halt Tagesgeld, irgendwann brauche ich das, ich hatte noch einen gewissen Puffer, aber da ist jetzt überhaupt kein Puffer mehr,“ sagt Bellmann etwas verzweifelt.

Nur deutsche Kunden warten noch auf ihr Geld

Andere Nationen, die auch Geld bei Kaupthing angelegt haben, wie Norwegen, Finnland oder Österreich, sind längst entschädigt. Für Verunsicherung sorgte auch die Aussage des isländischen Staatspräsidenten Olafur Grímsson, die isländischen Bürger könnten in ihrer eigenen wirtschaftlich schwierigen Situation nicht auch noch dafür aufkommen, die deutschen Anleger zu entschädigen. Für Karlheinz Bellmann und die anderen Geschädigten geht das Hoffen und Bangen weiter.

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