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Musik

Deutsche Jazz-Musiker in New York

Einmal müsse jeder Jazz-Musiker in New York gelebt haben, heißt es. Organist Matthias Bublath und Bassistin Iris Ornig verwirklichen diesen Traum. Doch die weltweite Wirtschaftskrise trifft auch sie.

Iris Ornig auf der Straße(Quelle: Kuoppamäki)

Iris Ornig spielt nur Bass, weil sie einen Sportunfall hatte.

DW-WORLD.DE: Iris Ornig kommt aus Konstanz, Matthias Bublath aus München. Nun wohnen sie beide in New York. Wie kommt das?

Iris Ornig: Ich war im Jahr 2000 für sechs Wochen in New York, habe ein bisschen Unterricht genommen, habe mir angeschaut, wie das alles so ist und habe gedacht: Wow, hier möchte ich leben.

Matthias Bublath: Ich habe am Berklee-College in Boston studiert. Der natürliche Schritt danach war, nach New York zu ziehen.

Warum gerade New York?

Matthias Bublath an der Orgel (Quelle: Kuoppamäki)

Matthias Bublath spielt Piano und Orgel

Iris Ornig: New York ist die Metropole des Jazz. Angefangen bei den 20er- bis 40er-Jahren, ist praktisch jeder namhafte Komponist - Gershwin, Porter, Berlin - hier aufgewachsen und hat hier seine Musik gespielt. Und dann in den 50er bis 60er Jahren Dizzy Gillespie, Miles Davis, John Coltrane - das sind Musiker, die wirklich den Jazz geprägt haben.

Matthias Bublath: Es gibt jeden Abend eine riesige Menge von Konzerten, die man sich anschauen kann. Es gibt einfach eine sehr vielfältige Jazz-Szene oder vielleicht viele kleine Szenen.

Was macht man den ganzen Tag über, wenn man als hauptberuflicher Jazz-Musiker in New York lebt?

Iris Ornig: Mein Tag gestaltet sich im Prinzip mit Üben. Ich gebe Unterricht. Und wir haben so ein kleines, kollektives Komponistenprojekt, bei dem jeder seine eigenen Songs mitbringt, die wir dann spielen und besprechen. Am Nachmittag bin ich meistens beschäftigt mit kleineren, größeren Sessions von Duo, Trio, Quartett, Quintett bis hin zum Oktett. Und abends spiele ich zwischen zwei und vier Mal die Woche.

Matthias Bublath: Das ist ja auch typisch für New York, dass man in wechselnden Zusammensetzungen alle möglichen Stilistiken und Kombinationen spielt. In Deutschland hat man mehr feste Bands, was den Vorteil hat, dass man richtig mit den gleichen Leuten immer so seinen Sound entwickeln kann. Aber hier wird halt viel rumprobiert.

Wie läuft sowas ab?

Matthias Bublath: Ich wohne zusammen mit zwei anderen Jazz-Musikern, und im Keller haben wir einen Proberaum. Auch wenn jetzt nicht konkret irgendein Auftritt ansteht, kommen gern mal super Musiker vorbei und spielen zwei Stunden, um neue Stücke auszuprobieren. Und deswegen ist das hier eine interessante Spielwiese.

Wie ist es, auf Bühnen zu spielen, wo die alten und neuen Legenden der Jazz-Welt aufgetreten sind?

Ein großer Bassist, den ich bewundere, ist Jaco Pastorius. Der hat zum Beispiel regelmäßig in der „55 Bar“ gespielt. Und als ich das erste mal dort gespielt habe, war ich wie im siebten Himmel und total geehrt, dass ich auf der Bühne spielen darf, wo er gespielt hat.

Matthias Bublath: Sowas ist natürlich die Erfüllung eines Jugendtraumes. Und in solche Situationen kommt man hier öfter, dass man plötzlich mit einem persönlichen Vorbild auf der Bühne steht. Zack Denziger, dieser Schlagzeuger, den ich früher in Deutschland sehr oft gehört habe, lebt jetzt auch hier. Den habe ich schon oft für meine Auftritte angerufen und kann live mit ihm spielen. Oder mit Mike Clark, dieser Herbie-Schlagzeuger, habe ich hier auch mal in einer Band gespielt. Als er mich das erste Mal angerufen hat, war das auch so ein Adrenalinschub, wo man sich das irgendwie gar nicht vorstellen kann, dass man da gerade telefoniert mit dem. Aber das ist halt auch ein Grund, weswegen man hier ist.

New York als Standort der Wall Street ist quasi das Epizentrum der weltweiten Wirtschaftskrise. Allein in Manhattan sind hunderttausende Arbeitsplätze verloren gegangen. Spürt man das auch als Jazz-Musiker?

Iris Ornig auf der Strasse (Quelle: Kuoppamäki)

Iris Ornig lebt seit drei Jahren in New York

Iris Ornig: Ich habe auf einer regelmäßigen Basis in einem Club und einem Restaurant gespielt. Der Club macht keine Live-Musik mehr, und das Restaurant hat komplett zugemacht, weil die Geschäftslage zu schlecht war. Das sind die Beispiele, wo ich in meinem nächsten Umfeld gespürt habe, dass Rezession ist.

Matthias Bublath: Ich merke es bei meinen Auftritten. Manchmal spielt man so gut bezahlte Privatpartys auf einer Dachterasse irgendwo in Manhattan. Früher habe ich das viel gemacht. Es ist relativ entspannt, mal als Duo zwei Stunden auf einer Party zu spielen. Aber das gibt es jetzt überhaupt nicht mehr.