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Politik

Deutsche Islamkonferenz: Das Grundgesetz als Maßstab für deutsche Muslime

Die erste deutsche Islam-Konferenz ist in ein Wendepunkt im Umgang mit dem Islam hierzulande. Allerdings bleibt das Grundproblem bestehen: Wer hat die Autorität, alle Muslime zu vertreten?

Vertreter der Muslime bei Papst Benedikt XVI

Vertreter der Muslime bei Papst Benedikt XVI

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Loay Mudhoon

Auch wenn die erste deutsche Islam-Konferenz der Bundesregierung eher einen symbolischen Charakter hat, markiert das heutige Treffen einen Wendepunkt im Umgang der staatlichen Organe mit dem real existierenden Islam in Deutschland. Denn der Staat redet endlich mit Muslimen und nicht nur über sie.

Muslime als aktive Subjekte

Der heute begonnene "Prozess des offenen Dialogs" zwischen Staat und den "Islamvertretern" soll die gegenseitige Wahrnehmung und Zusammenarbeit in den kommenden zwei bis drei Jahren auf neue Grundlagen stellen. Die zentrale Frage dabei: Wie kann das Verhältnis von Muslimen zum Staat geregelt werden? Etwa durch die Schaffung von islamischen Institutionen, die gleichberechtigt mit den bestehenden religiösen Einrichtungen sind. Und weil es in erster Linie um die Einbindung der Muslime in die öffentliche Gemeinschaft, um ihre Sichtbarmachung in der Gesellschaft und ihre Teilnahme am öffentlichen Diskurs geht, kann dieser Schritt als ersten Erfolg bezeichnet werden.

Kein homogener Block

Dass es den "organisierten Islam", also eine offizielle Vertretung aller hierzulande lebenden Muslime, nicht gibt, erfuhr die deutsche Öffentlichkeit als die Appelle an die Muslime nach jedem verübten oder vereitelten Terroranschlag lauter wurden: Sie sollen sich in unmissverständlicher Form vom Terror im Namen ihrer Religion distanzieren, hieß es - aber wer waren diese "sie"?. Denn die etwa 3,5 Millionen Muslime in Deutschland sind kein homogener Block: Es exstieren mehr als 70 muslimische Verbände und 2500 Moscheegemeinden im gesamten Bundesgebiet. Der Streit um die Frage, wer zur Islam-Konferenz eingeladen wurde, verdeutlichte diese Tatsache, zumal die eingeladenen Organisationen nicht einmal 15 Prozent der hier lebenden Muslime vertreten.

Dennoch: Diese muslimischen Verbände gingen mit hohen Erwartungen in die Islamkonferenz des Bundesinnenministeriums. Und sie unterstrichen am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung, in erster Linie müsse es um die Integration des Islam in die deutsche Staatsordnung und die Integration der Muslime in die Gesellschaft gehen.

Innerislamischer Konsens gefragt

Das erste Ziel der Konferenz ist schon erreicht, nämlich "der nicht-muslimischen Mehrheitsgesellschaft hierzulande klar zu machen, dass der Islam ein Teil Deutschlands ist", so Bundesinnenminister Schäuble nach dem Ende des ersten Islam-Gipfels.

Die Reaktionen der Teilnehmer nach dem Ende des Islam-Gipfels waren überwiegend positiv und erfreulich differenziert. Doch sie dürfen über das zentrale, strukturelle Problem nicht hinwegtäuschen: Der Staat kann nicht entscheiden, wer für die Muslime spricht. Deshalb ist es erforderlich, die innerislamische Debatte über den tendenziell konservativen und zum Teil ferngelenkten Verbandsislams in die Öffentlichkeit zu tragen. Bevor in den Arbeitskreisen des Islam-Gipfels über wirklich Konkretes gesprochen wird.

Neben einer Kultur der Anerkennung, die die Leistungen der Deutschen mit muslimischem Hintergrund zu würdigen vermag, sollte man eine Gleichstellung des Islam mit dem Christentum und dem Judentum als langfristiges Ziel anstreben – Voraussetzung dafür wäre allerdings ein innerislamisch breiter Konsens über eine repräsentative Vertretung. Mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung als Basis.

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  • Datum 27.09.2006
  • Autorin/Autor Loay Mudhoon
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  • Permalink http://p.dw.com/p/9B5Q
  • Datum 27.09.2006
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