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Fokus Osteuropa

Deutsche Investitionen in russische Verkehrsprojekte

Auf der Hannover Messe wurde bekannt, dass sich deutsche Unternehmen am Bau russischer Autobahnen beteiligen werden. DW-WORLD sprach mit dem russischen Verkehrsminister Igor Lewitin über die Kooperation mit Deutschland.

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Rollt der ICE bald auch in Russland?

DW-WORLD: Herr Lewitin, in welchen Bereichen entwickelt sich Ihre Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen am dynamischsten?

Igor Lewitin: In einem Gespräch mit dem deutschen Verkehrsminister Manfred Stolpe haben wir Pläne für die Zusammenarbeit im Bahn- und Schiffstransport, aber auch die Sicherheit der Schifffahrt in der Ostsee erörtert. Mit Interesse haben wir die Idee, direkte Transportverbindungen auf See – gewissermaßen "Autobahnen" auf See – einzurichten, gehört. Dabei handelt es sich um den Linienverkehr von Schiffen, die Häfen direkt verbinden würden. Deutschland hat für russische Transportunternehmen große Bedeutung. Dort kommen die meisten unserer Güter zusammen, die dann über die Grenzen Polens und Litauens in unser Land gebracht werden. Ich möchte nicht auf die Kosten eingehen, die wegen der Grenzen entstehen. Ich möchte nur betonen, dass wir bei der Minimierung unserer Kosten auf Deutschland hoffen. Die Realisierung dieser Hoffnungen rückte nach dem Treffen der Verkehrsminister der vier Länder – Deutschland, Litauen, Polen und Russland – im Februar dieses Jahres in Kaliningrad näher.

Russland will angeblich deutsche Erfahrungen bei Aufbau eines LKW-Mautsystems auf Autobahnen nutzen. Wird sich eine Maut auf den LKW-Güterverkehr negativ auswirken?

Genaue Pläne gibt es bisher nicht. In Russland entsteht eine große Menge von Gütern, aber sie werden vor allem von ausländischen Unternehmen transportiert. Moderne LKW können elf Tonnen laden, aber unsere Straßen sind nur auf sechs Tonnen ausgerichtet. Mit einer Maut könnte man die Mittel für die Modernisierung alter Straßen und den Bau neuer zusammenbekommen. Dafür fehlt immer Geld. Deswegen haben wir die Initiative ergriffen, deutsche Investitionen anzuwerben. Interesse haben viele deutsche Unternehmen bekundet, darunter die Günter Papenburg AG und die Walter Bau AG. Der Mechanismus ist einfach: In einem Wettbewerb wird ein Investor ermittelt, wonach eine Aktiengesellschaft gegründet wird, mit einem Aktienpaket, das Russland gehört. Vor kurzem haben wir einen Wettbewerb für den Bau der Autobahn Moskau-Sankt Petersburg durchgeführt - eine Strecke, auf der täglich 110 000 Fahrzeuge verkehren. Den Wettbewerb gewann das unternehmen Ernst & Young. Es handelt sich um eine Summe von sechs Milliarden Dollar. Um Moskau wird die Autobahn zehnstreifig und auf den Hauptabschnitten zwischen sechs- und vierstreifig sein.

Wie steht es um das Einsenbahn-Projekt Berlin-Sankt Petersburg?

Für dessen Umsetzung ist alles durchgearbeitet worden. Ich denke, dass nach dem von mir bereits erwähnten Kaliningrad-Treffen Polen und Litauen entsprechend reagieren und Deutschland und Russland entgegenkommen werden. Andere interessante Projekte, die ich nennen möchte, sind das am 11. April unterzeichnete Abkommen mit Siemens über den Bau von ICE-Hochgeschwindigkeitszügen sowie die Zusammenarbeit mit Lufthansa, die ihre Präsenz auf dem russischen Markt im Bereich des Gütertransports, darunter auch im Transittransport, ausbauen möchte.

Das Interview führte Andrej Kobrjakow
DW-WORLD, 13.4.2005, Fokus Ost-Südost