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Politik

Deutsche in Kabul von bewaffneten Männern entführt

Einen Monat nach der Entführung des deutschen Bauingenieurs Rudolf B. in Afghanistan haben bewaffnete Männer in der Hauptstadt Kabul eine Deutsche verschleppt. Bei der Verfolgung der Täter starb ein Unschuldiger.

Polizist vor Grillimbiss (AP Photo/Saurabh Das)

Aus diesem Grillimbiss wurde die Frau entführt

Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Kidnapper hätten die Frau am Samstagmittag (18.08.) aus einem Grill-Imbiss gezerrt und seien anschließend in einem blauen Toyota Corolla geflohen. Das Innenministerium in Kabul und die christliche Hilfsorganisation ora International, um deren Mitarbeiterin es sich handelt, bestätigten die Geiselnahme. Die 31-jährige Frau stamme aus Süddeutschland, sagte Toni Grosshauser vom Internationalen Koordinationsbüro der Hilfsorganisation.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte die Angaben zunächst nicht. Es gehe "Hinweisen über die mögliche Entführung einer deutschen Staatsangehörigen" in Afghanistan nach. Eine Sprecherin sagte: "Wir stehen in engem Kontakt mit den afghanischen Behörden und bemühen uns um eine Aufklärung des Sachverhalts." Afghanische Geheimdienstoffiziere am Tatort, die anonym bleiben wollten, sagten der Deutschen Presse-Agentur dpa, sie gingen von einer "kriminellen Bande" aus. Die Polizei leitete eine Großfahndung ein.

Taliban weisen Beteiligungsvorwurf zurück

Ein Polizeioffizier sagte der dpa, ein Hubschrauber der Internationalen Schutztruppe ISAF unterstütze die Suche. Der Wagen der Täter sei zuletzt im Westen der Stadt gesehen worden. Die Polizei habe Ausfallstraßen gesperrt und durchsuche die Gegend. Die radikal-islamischen Taliban haben die Deutsche nach eigenen Angaben nicht in ihrer Gewalt. Taliban-Sprecher Zabeehullah Mujahid sagte der dpa in Kabul per Telefon, ihm sei die Geiselnahme bekannt. Er habe auch mit Taliban-Kämpfern in der afghanischen Hauptstadt gesprochen, die ihm jedoch gesagt hätten, sie hätten die Frau nicht verschleppt.

Ein Mann an der Theke im Grillimbiss (AP Photo/Saurabh Das)

Das kleine Restaurant ist gegen Entführer ungeschützt

Die entführte Deutsche soll nach dpa-Informationen schwanger sein. Anwohner in dem Viertel, wo sich die Entführung ereignet hatte, sagten der dpa, die junge Frau habe in der Nachbarschaft gewohnt. Sie sei täglich auf der Straße gesehen worden. Ein Geheimdienstoffizier sagte, die Frau sei aus dem Imbiss gezerrt worden. Bei dem Bar.B.Q. Tonight Cafe - handelt es sich um ein einfaches afghanischen Grill- Restaurant ohne Sicherheitsvorkehrungen wie Mauern, Stacheldraht oder Wachmänner. Die Frau war nach Angaben des Sprechers von ora International, Ulf Baumann, in Begleitung ihres deutschen Ehemannes, der nicht verschleppt worden sei. Er sei in die deutsche Botschaft in Kabul gebracht worden, um zu dem Fall auszusagen, hieß es in Kabul.

Tod eines Taxifahrers

Ein Afghane, der gegenüber des Imbisses arbeitet, sagte der dpa, unmittelbar nach der Entführung sei eine Polizeipatrouille auf die Tat aufmerksam geworden. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd erschossen die Beamten nach Polizeiangaben versehentlich einen Taxifahrer. Angaben über mögliche Lösegeldforderungen oder Vermutungen zur Identität der Täter, wollte der Sprecher der Hilfsorganisation nicht machen.

Die Organisation ora International Deutschland, für die die Entführte arbeitet, ist nach eigenen Angaben eine christlich-überkonfessionelle Hilfsorganisation, die sich weltweit für Menschen in Not einsetzt. Sie ist seit 1991 in Afghanistan tätig und hat nach Angaben Baumanns dort derzeit 20 Mitarbeiter. Ihr Sitz ist im hessischen Korbach.

Einschließlich der Frau wurden in gut sieben Wochen bereits vier Deutsche in Afghanistan verschleppt. Erstmals seit Ende der Herrschaft der radikalislamischen Taliban Ende 2001 war im Juni ein deutscher Geschäftsmann in der westafghanischen Provinz Farah verschleppt worden. Am 18. Juli gerieten zwei deutsche Bauingenieure in Zentralafghanistan in die Hände von Entführern. Einer der beiden wurde später von seinen Kidnappern erschossen. Sein Kollege, Rudolf B., ist weiter in der Gewalt vermutlich von Taliban mit kriminellem Hintergrund. Hoffnungen auf seine Freilassung bestätigten sich auch am Samstag nicht. Am Donnerstag hatte es aus gut informierter Quelle geheißen, der Fall habe eine positive Dynamik gewonnen.

Südkoreaner weiter gefangen

Die Gespräche mit der Regierung in Seoul über die Freilassung der 19 in Afghanistan entführten Südkoreaner sind unterdessen nach Angaben der Taliban gescheitert. Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi sagte der dpa, die südkoreanischen Unterhändler hätten offenbar nicht die Macht, die von den Aufständischen geforderte Freilassung von Gesinnungsgenossen bei der afghanischen Regierung durchzusetzen. Weitere Gespräche auf dieser Basis seien daher Zeitverschwendung. Über das Schicksal der Geiseln werde der Taliban-Führungsrat entscheiden.

Die Taliban hatten am 19. Juli 23 Südkoreaner entführt. Zwei Männer aus der Gruppe erschossen sie. Zwei kranke Frauen ließen sie frei. (mas)

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