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Politik

Deutsche in der Sahara entführt?

Eine Deutsche, die mit einer Touristengruppe bei einem mehrtägigen Volksfest der Tuareg im afrikanischen Mali unterwegs gewesen sein soll, gilt seit Donnerstag als vermisst, wie das Auswärtige Amt bestätigte.

In Mali ist offenbar eine Deutsche entführt worden. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte am Donnerstagabend, es gehe gemeinsam mit der deutschen Botschaft in der Hauptstadt Bamako Meldungen nach, wonach eine deutsche Staatsangehörige seit Donnerstagmittag (22.01.09) in dem nordwestafrikanischen Land vermisst wird. Man bemühe sich um rasche Aufklärung des Sachverhalts. Zu weiteren Hintergründen wollte sich ein Sprecher nicht äußern.

Den Berichten zufolge soll es sich um eine 75-jährige Frau aus Hessen handeln, die gemeinsam mit einem Schweizer Ehepaar und einem Briten verschleppt wurde. Sie sollen zusammen mit weiteren europäischen Touristen in mehreren Fahrzeugen in der Grenzregion zwischen Mali und Niger unterwegs gewesen sein, als sie überfallen wurden.

Flucht nach Schusswechsel

Die Ausländer seien auf nigrischem Staatsgebiet entführt worden, als sie vom Kulturfestival Andéramboukane im Norden Malis zurückkamen, erklärte der Gouverneur de nordmalischen Region Gao, Amadu Baba Touré. Nach Angaben aus malischen Sicherheitskreisen wurden die Touristen im nigrischen Bani-Bangou entführt, einer Ortschaft rund 60 Kilometer von der Grenze zu Mali entfernt. Das Außenministerium in Berlin und die deutsche Botschaft in Mali bemühten sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes um rasche Aufklärung der Sachverhalte.

Die 'Sahara-Geiseln' 2003, Foto: AP

Auch 2003 wurden Deutsche in Mali entführt

Übereinstimmenden Berichten zufolge fuhren die Touristen und mehrere afrikanische Begleiter in einem Konvoi von drei Fahrzeugen von Mali nach Niger. "Der Fahrer des ersten Wagens konnte flüchten, obwohl auf sein Auto geschossen wurde. Aber in diesem Auto befand sich kein Tourist", sagte Gouverneur Touré. Bei den anderen beiden Autos wurden den Angaben zufolge die Reifen zerstört und die Touristen verschleppt.

Das Außenministerium in Bern bestätigte am Abend, dass zwei Schweizer Staatsbürger entführt worden seien. Man sei in Kontakt mit den lokalen Behörden, den Angehörigen der Entführten, sowie den deutschen und britischen Behörden, sagte Sprecher Lars Knuchel der Schweizer Nachrichtenagentur SDA.

Gefährliches Reiseland

Auf der Website des Auswärtigen Amtes wird ausdrücklich vor Reisen in die betroffene Wüstenregion gewarnt. Bereits vor zwei Wochen hatten Sicherheitsdienste vor Entführungen westlicher Ausländer während eines Festivals nördlich von Timbuktu gewarnt. Im Norden Malis sind nicht nur Banditen und Schmuggler unterwegs, auch eine Tuareg-Rebellion sorgt im Grenzgebiet von Mali, Niger und Algerien für Instabilität. Die malischen Behörden hatten erst vor wenigen Tagen nach eigenen Angaben einen der wichtigsten Standorte der Tuareg-Rebellen zerstört.

Im Grenzgebiet zwischen Niger und Mali kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Tuareg-Rebellen und der Armee. Das Nomadenvolk beansprucht für sich ein Gebiet in der Grenzregion. Im Juni 2008 waren vier Franzosen von Tuareg-Rebellen entführt worden; sie kamen nach drei Tagen wieder frei. Im Dezember waren im Niger zwei kanadische Mitarbeiter der Vereinten Nationen von Unbekannten verschleppt worden. Sie werden seitdem vermisst.

Gefahr für Reisende in der entlegenen Region in der Sahara geht auch von algerischen Extremisten aus, die jenseits der algerischen Grenze ihre Rückzugslager haben. In der Vergangenheit kam es schon mehrfach zu Entführungen von Sahara-Touristen, etwa in Algerien. Den Tätern ging es meist um Lösegeld, es gab jedoch auch Entführungen mit politischem Hintergrund. Die Verhandlungen über die Freilassung der Entführten zogen sich zum Teil über Monate hin. (ina)

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