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Asien

Deutsche Hilfe zur Altenpflege in China

Chinas Gesellschaft altert, bis 2050 sollen dort dreimal so viele 65-Jährige leben wie heute. Doch es fehlt an Altenpflege-Angeboten. Eine deutsch-chinesische Kooperation soll Hilfe zur Selbsthilfe schaffen.

China ist eine rasant aufstrebende Wirtschaftsnation. Doch "im Vergleich mit entwickelten Industrieländern fehlt es China an Erfahrung mit der Versorgung alter Menschen", stellt Caiwei Xiao vom Chinesischen Nationalen Ausschuss für Senioren fest. "Der Bedarf an qualifiziertem Fachpersonal in diesem sozialen Bereich ist sehr groß im Land der Mitte." Wie groß, weiß Professorin Christel Bienstein von der Universität Witten/Herdecke: "China wird noch schneller und stärker in die demographische Krise geraten als Deutschland. Die Zahl der über 65-Jährigen wird sich dort bis 2050 verdreifachen." Zurzeit leben in China nur etwa 1,5 Millionen Menschen in den rund 38.000 staatlichen oder privaten Altenpflegeeinrichtungen. Das entspricht etwa einem Prozent der Bevölkerung. Die internationale Vergleichsgrößenordnung liegt bei fünf bis sieben Prozent.

Die chinesischen Behörden suchen daher im Bereich Altersversorgung und Personalschulung Unterstützung in Deutschland. In diesem Zusammenhang entwickelt die Abteilung für Pflegewissenschaften an der Universität Witten/Herdecke zusammen mit Sozialeinrichtungen in Shanghai, Bejing und Suzhou Konzepte für die Versorgung älterer Menschen zu Hause.

Folgen der Ein-Kind-Politik

Pflegeexperten der Uni Witten/Herdecke im Gespräch mit einem Vertreter der Shanghaier Gesundheitsbehörde (Foto: DW/Klaus Deuse)

Ein Vertreter der Shanghaier Gesundheitsbehörde interessiert sich für das Konzept der Uni Witten/Herdecke

Die Pflege alter Menschen durch ihre Nachkommen ist in China bereits heute ein Problem, weiß auch Christel Bienstein. Wenn die Kinder vom Land in die Städte ziehen, um dort Arbeit zu finden, bleiben die Alten häufig allein zurück. Hinzu komme, dass die

Ein-Kind-Politik

zu einer Veränderung der gesellschaftlichen Struktur geführt habe. "Nun haben die Behörden Nachholbedarf. Sie müssen die Pflege ihrer alten Menschen sicherstellen. Darauf sind die Sozialeinrichtungen in China bisher nicht vorbereitet", so Bienstein. Bei ihrem Besuch im Land der Mitte hat die Pflegewissenschaftlerin erfahren, dass es für ältere Menschen in einem Altenpflege-Heim nur dann einen Platz gibt, "wenn man keine Kinder hat. Und wenn man in einem Staatsbetrieb gearbeitet und sich damit Anrechte erworben hat."

Was vor allem fehlt, sind Pflegemöglichkeiten in der häuslichen Umgebung. Wer es sich leisten kann, engagiert eine ungelernte Hilfskraft. Meist sind es sogenannte Wanderarbeiterinnen, die den alten Menschen rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zuhause betreuen. Doch sie besitzen keine Pflegekenntnisse. Hier setzt das deutsch-chinesische Kooperationsprojekt an: die Pflegeexperten der Universität Witten/Herdecke sollen ihre chinesischen Partner dabei unterstützen, diesen Landarbeiterinnen Grundkenntnisse für die Pflege chronisch kranker älterer Menschen zu vermitteln.

Schulung in Deutschland

Christel Bienstein von der Universität Witten/Herdecke mit einer chinesischen Krankenschwester (Foto: DW/Klaus Deuse)

Pflegeexpertin Christel Bienstein mit einer chinesischen Krankenschwester

Diese Aufgabe lasse sich nur in kleinen Schritten bewerkstelligen, so Christel Bienstein. Und zwar zunächst durch die Schulung von chinesischen Krankenschwestern in Deutschland. Für die Universität Witten/Herdecke stehe dabei im Vordergrund "ihnen Kompetenzen zu vermitteln, die eine pflegende Person braucht, um einen einzelnen Menschen versorgen zu können."

Im nächsten Schritt sollen diese Krankenschwestern dann ihre Kenntnisse in China weitergeben. Das Schulungskonzept sieht vor, dass sie die Landfrauen über einen längeren Zeitraum jeweils ein bis zwei Stunden am Tag unterrichten.

"Konzept überzeugt wirtschaftlich"

Für China sei dieses Ausbildungskonzept zur häuslichen Alterspflege auch aus wirtschaftlichen Gründen interessant, so Pflegewissenschaftlerin Bienstein. Denn "wenn die Kinder ihre Eltern pflegen, dann fallen sie als Arbeitskraft für die chinesische Gesellschaft aus." Darum sei es wirtschaftlicher, eine Altenpflegerin anzulernen. "Wenn man weiß, die Eltern sind gut versorgt, kann man sich besser auf die Arbeit konzentrieren. Darauf haben wir bei der Vorstellung des Konzepts in China Ende vergangenen Jahres hingewiesen und einen wichtigen Punkt getroffen."

Deutsches Altenpflege-Know-How ist nach den Worten des Senioren-Beauftragten Caiwei Xiao sehr willkommen, um der chinesischen Milliardengesellschaft im demographischen Umbruch zu helfen. "Im Bereich der Altersversorgung hat Deutschland viel praktische Erfahrung und professionelle Forschungsergebnisse. Wir möchten die Zusammenarbeit und den Austausch mit Deutschland sehr gerne weiter entwickeln und verstärken."

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