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Asien

Deutsche Hilfe für Giftmüllentsorgung

Vor fast 30 Jahren kam es im indischen Bhopal zum bis heute schlimmsten Chemieunglück weltweit. Noch immer ist die Gegend verseucht. Die indische Regierung will den Giftmüll nun in Deutschland entsorgen lassen.

FILE -In this December, 1984 file photo, Firemen hose water over canvas screens at factory boundaries to prevent the spread of dangerous fumes at the Union Carbide plant in Bhopal, India. Residents of a tiny town in West Virginia have been fighting to get a toxic chemical manufacturer out of their backyard for nearly three decades, since the days after a cloud of the same deadly gas killed thousands in Bhopal, India. Now, the people of Institute have finally won. Bayer CropScience, which had wanted to resume making methyl isocyanate for use in pesticides, says it is dropping those plans and shuttering its plant, permanently lifting a threat that had loomed over the town for a generation. (ddp images/AP Photo/Peter Kemp, File)

Unglück in Indien Bhopal 1984 Archiv

Die Katastrophe wirkt bis heute nach: Als 1984 in einer Fabrik des US-Chemiekonzerns Union Carbide im indischen Bhopal zwischen 20 und 40 Tonnen der hochgiftigen Chemikalie Methylisocyanat in die Atmosphäre entwichen, kamen 3500 Menschen in den nahegelegenen Slums sofort ums Leben. Bis zum Jahr 2007 sind nach Angaben der indischen Regierung über 15.000 Menschen an den Folgen der Katastrophe gestorben. Andere Quellen sprechen von doppelt so vielen Opfern.

Wo soll der Giftmüll entsorgt werden?

Zwei Männer tragen durch den Gas-Unfall in Bhopal im Jahr 1984 erblindete Kinder aus dem Unglüksgebiet.

Mindestens 15.000 Menschen starben an den Folgen des Chemieunglücks in Bhopal

Mehr als 27 Jahre nach dem verheerenden Unfall lagern noch 346 Tonnen hochgiftigen Abfalls auf dem Gelände rund um die Fabrik, die seit 1999 dem US-Chemiekonzern Dow Chemicals gehört. Die Entsorgung des kontaminierten Abfalls erweist sich als schwierig. Besonders um die Frage, wo der Abfall entsorgt werden soll, entbrannte in Indien eine heftige Debatte. Die Regierung des indischen Bundesstaates Madhya Pradesh, in dem Bhopal liegt, wollte den Müll in Deutschland entsorgen lassen. Mitglieder der indischen Bundesregierung bevorzugten für diese Aufgabe hingegen die Müllentsorgungsanlage Pithampur, 200 Kilometer von Bhopal entfernt. Am Ende rief Indiens Oberster Gerichtshof die indische Bundesregierung zu einer schnellen Entscheidung auf.

GIZ soll Entsorgung organisieren

Eine Gruppe von Ministern hat sich nun für eine Entsorgung in Deutschland ausgesprochen. Dabei helfen soll die deutsche ''Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit'' (GIZ). 97,5 Millionen Rupien, rund 1,5 Millionen Euro stehen für die Giftmüllentsorgung bereit. ''Wir haben bereits mit der GIZ über die Sache diskutiert. Schon bald wird die Entsorgung beginnen'', zeigt sich der für die Bhopal-Katastrophe zuständige Minister des Bundesstaates Madhya Pradesh, Babulal Gaur, optimistisch.

Eingang zur Union Carbide Fabrik in Bhopal, wo 1984 das schlimmste Chemie-Unglück weltweit stattfand.

Die Chemiefabrik in Bhopal gehörte dem US-Konzern Union Carbide. Der wurde 1999 von Dow Chemicals übernommen.

In Deutschland existiert eine wachsende Industrie von Abfallwirtschaftunternehmen. Sie importieren große Mengen an Giftmüll aus der ganzen Welt. ''Deutschland ist einer der größten Importeure für toxische Abfälle'', so die Umweltwissenschaftlerin Sundar Raman vom Indian Institute of Science Education and Research Bhopal gegenüber der DW. ''Das Land hat ein großes technisches Know-How. Ob Asbest oder Bleisäurebatterien – hier wird alles entsorgt.''

Erleichterung bei den Einwohnern

Aktivisten und die Bewohner von Pithampur haben Entscheidung der indischen Regierung mit Erleichterung aufgenommen. ''Ich bin froh, dass der Giftmüll woanders entsorgt wird'', sagt Pradeep Kumar vom Zentrum für Umweltschutz, Forschung und Entwicklung. ''Wir sind gegen eine Entsorgung in Pithampur. Die Anlage dort ist noch nicht voll in Betrieb und der Versuch, giftigen Abfall dort zu verbrennen könnte zu einer neuen Katastrophe führen.''

Viele Einwohner von Pithampur hatten ebenfalls gegen den ursprünglichen Plan der Bundesregierung protestiert. Sie argumentierten damit, dass ihre Stadt gar nicht über die Anlagen für die Entsorgung von solch giftigem Müll verfüge und dass die Verbrennung des Bhopal-Mülls die Gesundheit von hunderttausenden von Menschen gefährden könne.

Die ehemalige Chemiefabrik in Bhopal

Auf dem Gelände der Chemiefabrik in Bhopal lagern heute noch fast 350 Tonnen hochgiftiger Abfall.

''Es ist gut, dass das nicht in Madhya Pradesh passiert'', sagt auch Aktivistin Rachna Dhinga. ''Aber die Behörden müssen auch vorsichtig sein beim Transport des Mülls von Bhopal zum Hafen.'' Die GIZ hat mittlerweile vorgeschlagen, den Giftmüll per Luftfracht zu einem Entsorgungsunternehmen in Hamburg zu transportieren.

Für die Opfer des Chemieunfalls und ihre Familien wird die Entsorgung des Giftmülls nur wenig Trost bringen. Tausende hoffen weiterhin auf medizinische Behandlung von Erkrankungen, die von der Katastrophe stammen. Und jedes Jahr sterben immer noch Menschen an den Folgen des Unglücks.

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