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Wirtschaft

Deutsche Firmen wollen nicht in den Irak

Attentate, Entführungen und Kämpfe im Irak: Deutsche Geschäftsleute schreckt die instabile Sicherheitslage ab. Sie scheuen das Investitionsrisiko. Ein kapitaler Fehler.

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Geschäfte mit dem Wiederaufbau machen nicht nur Baufirmen

Gelan Khulusi, Präsident der deutsch-irakischen Mittelstandsvereinigung Midan, wischt mit der Hand über die Staubschicht, die seinen Laptop bedeckt. Der Dreck stamme noch von einer Explosion im Zentrum Bagdads, die sein Büro dort kürzlich verwüstet habe, erzählt der Kölner Geschäftsmann. Von so einem Zwischenfall lässt sich der gebürtige Iraker aber nicht abschrecken.

600 zu 18

Khulusi wird weiterhin regelmäßig in seine Heimat reisen, um neue irakische Geschäftspartner auszuwählen und alte Kontakte zu pflegen. "Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen deutschen und irakischen Unternehmen", erklärt er. "Und wir hatten gedacht, dass das Interesse von der deutschen Seite sehr stark ist." Das war offensichtlich eine Fehleinschätzung: Das "Interesse der Iraker ist um ein Vielfaches stärker."

In Khulusis Büro stehen mehrere dicke Ordner mit detaillierten Informationen zu gut 600 irakischen Firmen, die mit deutschen kooperieren wollen. Hierzulande wagten dagegen gerade mal 18 Unternehmen, über Midan im Irak zu investieren. Khulusi hat wenig Verständnis für die geringe Risikobereitschaft der deutschen Unternehmer - wo doch die Einfuhrzölle im Irak bei gerade mal fünf Prozent liegen und die Absatzmärkte nach jahrelangem Wirtschaftsembargo boomen. Ganz besonders in der Baubranche - die üblichen Geschäfte mit den Kriegsfolgen halt.

Die Deutschen werden vermisst

"Alle sind hier: die Inder, die Pakistani, die Türken die Chinesen, nur die Deutschen nicht: Warum?", wird Khulusi bei seinen Besuchen im Irak von den dortigen Handelskammern immer wieder gefragt. "Mir gehen langsam die Argumente aus in dieser Diskussion", sagt er. Die deutschen Mittelständler ließen sich einfach zu sehr von den Horrormeldungen der Tagespresse abschrecken, dabei sei deren Berichterstattung viel zu einseitig, urteilt Khulusi.

In manchen Gegenden - zum Beispiel im kurdischen Norden, sei die Sicherheitslage stabil. Außerdem müssten die Deutschen ja auch nicht höchstpersönlich in Bagdad anwesend sein, wenn es ihnen zu unsicher ist. "Wir haben irakische Partner mit einem irakischen Geschäftsführer, der gut Englisch sprechen kann", erklärt Khulusi. "Im Zeitalter der Elektronik braucht der deutsche Partner nicht mehr vor Ort zu sein." Denn der irakische Geschäftsführer klappert die Ministerien ab und holt die Ausschreibungen ein, die dann einfach ins deutsche "Hauptquartier" gemailt werden. Ist der Auftrag erledigt, gibt es deutsche Speditionen, die die fertige Ware in den Irak bringen.

All inclusive

Allerdings steht keines der 18 deutschen Midan-Mitglieder zum Interview zur Verfügung - aus Angst, dass irakische Mitarbeiter entführt werden könnten. Auch Stellenangebote im Irak werden deswegen ausschließlich über Midan ausgeschrieben. Aber die Sicherheitslage werde sich bald bessern, meint Gelan Khulusi. Um deutsche Firmen für Midan zu gewinnen, will er sie in Zukunft mit konkreten Angeboten locken. "Wenn ein Iraker kommt und sagt, er möchte 500.000 Stück wovon auch immer kaufen, dann organisieren wir das für die irakischen Unternehmer", so Khulusi. "Wenn der Prophet nicht zum Berg geht, muss der Berg eben zum Propheten kommen."

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