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Wirtschaft

Deutsche Firmen setzen auf Afrika

Auch in vielen afrikanischen Ländern wächst die Wirtschaft derzeit nur wenig. Trotzdem wollen zwei große deutsche Firmen ihre Geschäfte in Afrika gerade jetzt ausweiten.

Seit mehr als 60 Jahren schon verkauft Daimler Fahrzeuge in Afrika - Mercedes-Limousinen, aber auch Lastwagen. Bei mittleren und schweren LKW ist Daimler Weltmarktführer. Doch blickt man in den Geschäftsbericht und sucht dort nach den Verkaufszahlen für die verschiedenen Weltregionen, läuft Afrika unter der Rubrik "Rest der Welt".

Bisher wurde die afrikanischen Länder aus Stuttgart und Tokio betreut, der Zentrale des japanischen Herstellers Mitsubishi Fuso, an dem Daimler die Mehrheit hält. Das soll sich jetzt ändern, sagt Wolfgang Bernhard, der im Daimler-Vorstand für Nutzfahrzeuge verantwortlich ist, im DW-Gespräch. "Wir können einfach nicht zulassen, dass dieser Kontinent nur von Chinesen und Indern bedient wird."

Pressebild Daimler AG - Wolfgang Bernhard

Dr. Wolfgang Bernhard, Vorstand Nutzfahrzeuge, Daimler AG

Bernhard ist derzeit auf einer mehrtägigen Afrika-Reise. Am Dienstag hat er in Kenias Hauptstadt Nairobi ein neues Regionalzentrum für Nutzfahrzeuge eröffnet, an diesem Donnerstag folgt ein weiteres in Südafrikas Hauptstadt Pretoria.

Konkurrenz aus China und Indien

"Wir sehen zunehmend indische und chinesische Produkte auf den Straßen", sagt Bernhard. "Um erfolgreich zu sein, müssen wir näher am Markt sein, bei unseren Kunden. Wir müssen die Probleme sehen, unseren Service verbessern, unsere Teileversorgung verbessern und dem Kunden ein Rundumpaket anbieten. Das können wir nur, wenn wir vor Ort sind."

Die beiden Regionalzentren steuern in Zukunft Vertrieb und Service für die Nutzfahrzeuge in 50 afrikanischen Ländern. Im vergangenen Jahr hat Daimler in den Ländern südlich der Sahara insgesamt 11.400 Nutzfahrzeuge verkauft, rund die Hälfte waren Trucks der asiatischen Tochterfirma Fuso.

"Wir werden unsere Marktanteile ausbauen und erwarten langfristig steigende Stückzahlen", sagt Bernhard, ohne jedoch konkrete Zahlen zu nennen.

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Schwache Konjunktur

Daimlers Nutzfahrzeugesparte verstärkt ihr Engagement in Afrika zu einer Zeit, in der andere wichtige Schwellenländer mit großen Problemen kämpfen. Der Markt in "Brasilien hat im vergangenen Jahr 50 Prozent verloren, Indonesien hat mehr als 30 Prozent eingebüßt", sagt Bernhard. "Wir brauchen einfach mehrere Standbeine."

Ob Daimler die Ausfälle durch neue Geschäfte in Afrika ausgleichen kann, ist jedoch fraglich. Denn viele Länder südlich der Sahara sind wirtschaftlich angeschlagen, weil ihnen durch die derzeit sehr niedrigen Preise für Rohstoffe und Agrarprodukte die Einnahmen wegbrechen. "Wir kommen also zu einem Zeitpunkt, an dem es dem südlichen Afrika nicht gut geht", sagt Bernhard.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartete zuletzt für die Länder südlich der Sahara ein Wirtschaftswachstum von 3,75 Prozent. Das ist zwar deutlich stärker als in den meisten anderen Weltregionen, allerdings schwächer als 2009, dem Jahr nach der Finanzkrise. In diesem Jahr werde das Wachstum wieder auf 4,25 Prozent anziehen, so der IWF.

Große Erwartungen

Daimler-Vorstand Bernhard ist optimistisch. "Wir glauben, dass dieser Kontinent mit seinen Bodenschätzen, seinem Agrarreichtum und seinen große Distanzen sehr viel Transportbedarf hat."

Er habe "großen Respekt" vor der Konkurrenz aus China und Indien, deren Fahrzeuge "preislich ganz anders positioniert sind", sagt Bernhard. Er ist jedoch überzeugt, dass Daimler mit seinen LKW und den Service- und Finanzierungsangeboten hier mithalten kann.

Auch der deutsche Industrietechnik-Konzern Bosch hat angekündigt, sein Geschäft in Afrika auszuweiten. Bisher konzentrierte sich das Unternehmen in zehn afrikanschen Standorten auf Zulieferungen für die Automobilindustrie sowie Prüf- und Sicherheitstechnik. In Zukunft wolle Bosch in 24 Ländern auch im Bergbausektor tätig werden, sagte Michael Kloss, Geschäftsführer für die Region Subsahara, am Montag auf der weltgrößten Bergbaukonferenz Mining Indaba in Kapstadt.

Investitionen in Angola, Nigeria, Mosambik, Kongo, Äthiopien und Sambia stünden ganz oben auf der Liste, so Kloss. Eine große Hürde sei allerdings die schlechte Stromversorgung in den meisten Ländern. Selbst in Südafrika, dem Hauptsitz von Bosch auf dem Kontinent, hätten sich die Stromausfälle im vergangenen Jahr auf mehrere Wochen summiert und die Produktion deutlich gesenkt. "Daraus ergeben sich Standortnachteile", so Kloss.

Elektrizität Afrika

Viele Firmen vorsorgen sich selbst: Elektrizitätswerk von Shell in Port Harcourt, Nigeria

Energiemangel

Ziel von Unternehmen wie Bosch sei es daher, eine eigene Energieversorgung aufzubauen, um Unterbrechungen in der Produktion zu vermeiden. Hauptsächlich werden dafür Generatoren eingesetzt, was nicht nur teuer, sondern auch wenig umweltfreundlich sei.

"Afrika mangelt es an Energie", bestätigt auch der Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank (ADB), Akinwumi Adesina. 645 Millionen der rund eine Milliarde Menschen südlich der Sahara hätten keinen Zugang zu Strom, sagte Adesina im Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort verkündete er mit mehreren Staats- und Regierungschefs afrikanischer Länder eine neue Energie-Initiative mit dem Ziel, die Kapazität für Stromerzeugung in den nächsten Jahren um 160 Gigawatt zu erhöhen und Millionen neuer Stromanschlüsse einzurichten.

Derzeit liegt die Stromkapazität in ganz Afrika laut ADB nur bei 150 Gigawatt, südlich der Sahara sind es sogar nur 90 Gigawatt. Wegen schlechter Wartung, beschädigter Leitungen, Kraftstoffmangel und Diebstahl ist die Strommenge, die dann tatsächlich zur Verfügung steht, noch geringer, sagen Experten.