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Amerika

Deutsche Firmen sehen Karneval in Rio skeptisch

Die beste Sambaschule Rio de Janeiros hat Deutschland als Karnevalsmotto gewählt. Eine gute Chance für deutsche Firmen, sich zu präsentieren. Doch die zeigen sich eher knauserig.

Karneval in Rio de Janeiro: Sambatänzerinnen in bunten Kostümen (Foto: VANDERLEI ALMEIDA/AFP/Getty Images)

Karneval 2012 Rio de Janeiro

Der Karneval in Rio de Janeiro ist ein riesiges Spektakel für ganz Brasilien: Einmal im Jahr bewegen sich Tausende leicht bekleidete und schillernde Sambatänzer und Musiker durch das Samba-Stadion "Sambódromo" in der Stadt am Zuckerhut. Zahlreiche Tanzschulen präsentieren sich mit riesigen Themenwagen, die bis zu zehn Meter hoch und stets bunt und kreativ gestaltet sind. Millionen Zuschauer landesweit verfolgen das Spektakel im TV. Sobald der Umzug vorüber ist, wird - wie in jedem Jahr - eine Gewinnerschule gewählt. In den letzten Jahren war die Sambaschule "Unidos da Tijuca" aus Rio besonders erfolgreich. Sie ist der aktuelle Meister, gewann schon 2010 die Wahl zur besten Sambaschule Rios und belegte 2011 Platz zwei.

Eine bessere Gelegenheit, das eher langweilige Image der Deutschen in Brasilien aufzupolieren, kann man sich eigentlich nicht vorstellen, als sich beim größten und berühmtesten brasilianischen Karnevalsumzug mit der "Königs-Sambaschule" in Rio de Janeiro zu präsentieren. So sahen das auch das deutsche Generalkonsulat und das Goethe-Institut. Sie haben sich dafür eingesetzt, dass die gekürte Sambaschule 2013 zum Motto "Deutschland" durch die Straßen Rios tanzt.

Umfassendes Deutschlandbild

Auf den acht Themenwagen der Sambaschule werden nicht nur typische Klischees über Deutschland, wie Wurst, Bier und Autos aufgegriffen. Genauso finden Goethe, die Gebrüder Grimm, die Röntgentechnologie, der Buchdruck und das Playmobilmännchen ihren Platz im Umzug. "Die Deutschen haben eine sehr reiche Kultur - von der Mythologie bis zur Moderne. Das alles wollen wir zeigen", erklärt der Karnevalspräsident der Sambaschule Ricardo Fernandes.

Nur drei Sponsoren

Samba-Karnevalswagen in Rio de Janeiro (Foto: AFP ALMEIDA/AFP/Getty Images)

Mehr als 4000 Tänzer und Trommler ziehen für Unidos da Tijuca am Karnevalssonntag durchs "Sambódromo"

Doch das ganze Spektakel muss auch finanziert werden: Fast vier Millionen Euro kostet allein der Auftritt der Unidos da Tijuca. Die Hälfte der Kosten decken die Schulen jedes Jahr durch den Verkauf der Übertragungsrechte ans Fernsehen und durch die Unterstützung der Stadtverwaltung sowie nationaler Unternehmen. Für die andere Hälfte müssen die Sambaschulen sich Sponsoren suchen. Obwohl in Brasilien mehr als 1200 deutsche Firmen - inklusive vieler Großkonzerne - ansässig sind, war es ein Problem, Geldgeber unter ihnen zu finden.

Von den zahlreichen deutschen Firmen, bei denen die Sambaschule anfragte, sagten nur drei zu: Der Autobauer Volkswagen, das Pharmaunternehmen Merck und der Werkzeughersteller Stihl finanzieren zusammen 20 Prozent des Auftritts von Unidos da Tijuca. Ihr größter Geldgeber ist im Jahr 2013 allerdings der französische Netzbetreiber GTV.

Deutschlandjahr in Brasilien

Der Umzug markiert den informellen Auftakt des Deutschlandjahres in Brasilien. Während des Partnerschafts-Jahres, das offiziell im Mai 2013 beginnt, wird es eine Reihe von kulturellen Veranstaltungen geben. Das Ziel: die deutsch-brasilianischen Beziehungen stärken und den Austausch zwischen den beiden Ländern fördern.

"Wir wollen den brasilianischen Karneval nutzen, um Aufmerksamkeit für das Deutschlandjahr in Brasilien zu gewinnen", sagt Harald Klein, deutscher Konsul in Rio de Janeiro. Für den Diplomaten haben viele Brasilianer noch eine sehr antiquierte Sicht auf sein Land. "Es gibt viele, die das tolerante, nachhaltige, stark kulturell und technologisch geprägte Deutschland noch nicht kennen."

Verpasste Chance

Figur auf einem Karnevalswagen (Foto: VANDERLEI ALMEIDA/AFP/Getty Images)

2010 und 2012 holten die Unidos da Tijuca den Meistertitel in Rio

Die Zurückhaltung der deutschen Sponsoren hat die Sambaschule enttäuscht. "Von Seiten der deutschen Unternehmen gab es viele Vorbehalte. Sie assoziieren mit dem Event Chaos und zügellose Partys; dabei ist es einfach nur das größte öffentliche Fest Brasiliens", sagt Bruno Tenório, Marketingchef von Unidos da Tijuca. Die Firmen würden nun verpassen, sich 80 Minuten lang landesweit im Fernsehen präsentieren zu können. "Es ist unglaublich, dass die Unternehmen die enormen Geschäftsmöglichkeiten nicht erkannt haben", sagt Bruno Tenório.

Er hofft, dass der Auftritt seiner Sambaschule dabei hilft, Vorurteile über den brasilianischen Karneval zu beseitigen. Schließlich trage seine Sambaschule ja auch dazu bei, die Klischees über Deutsche in den Köpfen vieler Brasilianer auszuräumen.

Lange vorbereitet

Der Karnevalsumzug von "Unidos da Tijuca" am Sonntagabend ist der Höhepunkt langer Vorbereitung. Der Choreograph und Regisseur des Umzugs Paulo Barros und der Vorstand der Sambaschule besuchten sogar Deutschland. Das ganze Jahr lang haben sie geplant, gebaut und geprobt.

Denn natürlich wollen die Könige des Sambas auch in diesem Jahr wieder den Titel gewinnen. Präsident Fernandes glaubt fest daran, dass Beethoven, Zeppelin und der Buchdruck ihnen zum Sieg verhelfen werden und freut sich schon auf den letzten Themenwagen, der sich ganz der deutschen Gastronomie widmen wird. Wurst und Bier werden hier zu Protagonisten: "Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als den Umzug damit abzuschließen, mit gutem deutschen Bier anzustoßen: Das Element, das uns Brasilianer mit den Deutschen am meisten verbindet", scherzt Fernandes.

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