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Deutschland

"Deutsche Firmen kommen als Subunternehmer zum Zug"

Die USA haben einige Länder darunter Deutschland von der Auftragsvergabe im Irak ausgeschlossen. Wie strikt wird der Beschluss umgesetzt? Ein Interview mit Jochen Münker vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag.

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Besonders in der Ölproduktion muss viel erneuert werden

DW: Herr Münker, bleiben deutsche Firmen beim Wiederaufbau des Irak außen vor?

Jochen Münker: Das denke ich nicht. Es hat sich ja jetzt schon im Mai bei den ersten Ausschreibungen der US-Regierung gezeigt, dass deutsche Unternehmen durchaus als Unterauftragnehmer zum Zuge kommen.

Was meinen Sie ist das für ein Gefühl für die deutschen Firmen als eine Art Subunternehmer und nicht als Hauptunternehmer zu agieren?

Das eigentliche Stück des Kuchens sind die Unteraufträge und ich glaube, die Unternehmen interessiert hauptsächlich das Auftragsvolumen.

Wie steht es denn mit US-Töchtern von deutschen Unternehmen?

Ja, die sind im Prinzip wie auch nach den Regularien des Department of Defense zugelassen sich zu bewerben.

In welchem finanziellen Rahmen bewegt sich überhaupt das Projekt 'Wiederaufbau des Irak'?

Also die US-Amerikaner vergeben Aufträge im Wert von 18,6 Milliarden US-Dollar. Fünf Milliarden gehen davon in den Kraftwerksektor, vier in den Wassersektor und zwei in den Ölsektor. Dazu kommen aber noch Ausschreibungen der Weltbank und der Geberkonferenz. Im Oktober in Madrid sind ja noch Mal 3,8 Milliarden US-Dollar zugesagt worden und die UN-Organisationen, also die Hilfsorganisationen schreiben zusätzlich noch - gerade im Bereich Gesundheit, Ernährung - zusätzlich aus.

Können Sie schätzen welcher Anteil dieser Gelder bei deutschen Firmen landen könnte?

Das ist schwer vorherzusagen. Aber sicherlich wird der ein oder andere Auftrag auch nach Deutschland gehen.

Welche anderen Länder werden neben den USA am meisten vom Wiederaufbau des Irak profitieren?

Es sind sicherlich die Länder die bereits Anlagen in den Irak geliefert haben, also die Länder die traditionell gute Wirtschaftsbeziehungen zum Irak haben. Da ist Frankreich zu nennen, Russland, Großbritannien, aber natürlich auch die arabischen Nachbarstaaten.

Wie wird sich denn ein mehr oder weniger großer Schuldenerlass, den der Kanzler am Dienstag dem Sonderbeauftragten James Baker zugesagt hat, auf die künftige Auftragsvergabe auswirken?

Das weiß momentan niemand. Das ist sicherlich ein positives Signal.

Sind jetzt im Moment bereits deutsche Unternehmen im Irak aktiv?

Absolut. Siemens hat im Nordirak unter anderem das Mobilfunknetz ausgebaut, liefert da die Technik für ein Netzwerk nach europäischem Standard. Das ist nur eines der vielen Bereiche. Im Wasser- und Kraftwerkssektor gibt es auch noch andere Beispiele, wo deutsche Unternehmen jetzt schon aktiv sind.

Die deutsche Wirtschaft war in den 80-er Jahren mal der größte Lieferant des Irak. Wer wird in Zukunft diese Rolle einnehmen?

Das ist eine gute Frage. Das ist schwer zu beurteilen. Sicher werden auch die Amerikaner, gerade weil die im Ölbereich sehr viel investieren, eine größere Rolle spielen. Aber auch die Länder, die ursprünglich Anlagen geliefert haben, also Frankreich, Russland und die arabischen Nachbarstaaten sind da zu nennen.

Das Gespräch führte Klaus Ulrich

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