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Amerika

Deutsche Finanzbeamtin bei Rallye Dakar

Der Start für die mehr als 9.000 Kilometer lange Rallye Dakar war am Neujahrstag in Buenos Aires. Eine von nur dreizehn Frauen unter den 470 Teilnehmern ist die Motorradfahrerin Tina Meier aus Hamburg.

Tina Meier lächelt in die Kamera (Foto: dw)

Tina Meier freut sich auf die Rallye Dakar

Wenn Tina Meier nicht auf dem Motorrad sitzt und Rallyes fährt, arbeitet die Hamburgerin als Betriebsprüferin beim Finanzamt. Meier über ihren Bürojob: "Nur am Computer zu sitzen und zu arbeiten, ist nicht so schön. Es macht mir zwar Spaß, aber ich brauche den Ausgleich. Und es sind ja beides recht staubige Angelegenheiten, insofern passt das ganz gut zusammen."

Weil Motorradfahren im Wüstenstaub schmutzig macht, hat Tina Meier sich selbst den Namen "Dirtgirl" verpasst: Schmutzmädchen. Dabei sieht die 38-Jährige zumindest vor dem Rennen sehr adrett aus: Fuß- und Fingernägel sind lackiert, die Lippen nachgezogen. Auf Fotos posiert die zierliche Betriebswirtin im Abendkleid neben ihrer Maschine.

Motorsport-verrücktes Publikum in Argentinien und Chile

Tina Meier spricht mit ihrem argentinischen Motorradkollegen Pablo Busín (Foto: dw)

Tina Meier mit ihrem argentinischen Motorradkollegen Pablo Busín

Die Leidenschaft fürs Motorradfahren ist quasi Familientradition: bereits die Ur-Oma tat es, und der Vater nahm Tina und ihre Schwester abwechselnd auf dem Rücksitz mit. Mit 22 Jahren kaufte sich Meier das erste eigene Motorrad, mit 36 fuhr sie ihre erste Rallye Dakar. Meiers Debüt 2009 fiel zusammen mit der Premiere der Rallye in Argentinien und Chile. "Das war der Oberhammer. Die Leute hier sind ja nicht nur Motorsport-verrückt, die flippen wirklich total aus. Ich bin sehr gerne hier."

Für ihre erste Teilnahme habe sie ein gewisses Maß an Selbstüberschätzung gebraucht, erinnert sich Meier. "Weil es ja noch nicht so klar ist: kann ich das wirklich? Die sagen zwar alle: du schaffst das, aber ist es so?" Inzwischen habe sie herausgefunden, dass sie "mit Zuverlässigkeit und Ausdauer" ans Ziel komme.

Strategie: entspanntes, nicht zu schnelles Fahren

Luftaufnahme eines Geländewagens der durch Wasser fährt (Foto: ap)

Bei der Rallye wird es ziemlich nass im Auto...

Beim ersten Versuch blieb Tina Meier zwar wegen eines Batterie-Schadens auf der Strecke, aber 2010 fuhr sie als dritte von fünf Motorradfahrerinnen wieder in Buenos Aires ein. Das gelingt jedes Jahr nur etwa der Hälfte aller Teilnehmer. Auch bei dieser Rallye Dakar will Meier vor allem eins: nach fünfzehn Tagen ankommen. Ihre Strategie: entspanntes, nicht zu schnelles Fahren. Sie halte sich an das chinesische Sprichwort 'Wenn du es eilig hast, geh langsamer', erklärt die Finanzbeamtin: "Meine Taktik ist, zu versuchen, jeden Tag heil ins Ziel zu kommen, und am Schluss in Buenos Aires mit meinem Motorrad die Ziellinie zu überqueren. Wenn das Ergebnis besser ist als beim letzten Mal, freue ich mich natürlich. Und dann gehe ich wieder Tango tanzen."

Tangotanzen gehört zur Rallye-Vorbereitung

Zum Tango kam Tina Meier vor zwei Jahren in Buenos Aires. Jetzt gehöre das Tanzen zu ihrem Vorbereitungsprogramm, erzählt sie begeistert. "Das mache ich ganz viel zuhause, weil ich herausgefunden habe, dass das eine sehr gute Form ist, meine Koordination zu trainieren. Und auch, weil es eine Möglichkeit ist, einfach mal mein Dauerkino im Kopf abzuschalten. Die ganze Projektorganisation liegt ja an mir, und wenn ich Fahrrad fahre oder laufe, denke ich trotzdem noch nach." Beim Tangotanzen aber könne sie abschalten, sagt Tina Meier.

Die Betriebswirtin ist ein Ein-Frau-Unternehmen. Vor der Rallye selbst bestehe die erste Herausforderung darin, es überhaupt an den Start zu schaffen, sagt sie. Unter anderem muss sie ihre Ausgaben von 40.000 bis 60.000 Euro wieder hereinholen. Meier freut sich, dass sie diesmal einen eigenen Mechaniker, Physiotherapeuten und eine Assistentin dabei hat. Das bedeutet vor allem: ein bisschen mehr Schlaf nach den anstrengenden Tagesetappen, die im Durchschnitt fast elf Stunden dauern.

Tina ist "schön und sinnlich"

Ein Fahrer fährt mit seinem Motorrad durch Wasser (Foto: ap)

...und auf dem Motorrad noch mehr. Die Rallye ist hart und beschwerlich.

Hilfe bekam die Hamburgerin im vergangenen Jahr auch von Zuschauern, als plötzlich ihr Motorrad nicht mehr ansprang. "Die waren mit Pferden da, und einer dieser Gauchos fragte: 'Soll ich dich ins Biwak bringen? Das ist so drei, vier Kilometer entfernt von hier.'" Sie habe keine Sekunde gezögert, erinnert sich Tina Meier. "Und dann haben die mich auf diesen Gaul raufgeschmissen – ich kann gar nicht reiten – in voller Motorradmontur! Am Ziel habe ich gefragt, ob ich meinen Mechaniker mitnehmen dürfte." Sie durfte. Mit ihm zusammen fuhr sie zu ihrem defekten Motorrad. "Nach nur einem Versuch lief das Motorrad wieder!"

In Argentinien hat Tina Meier, die mit der Startnummer 100 fährt, längst viele Fans. "Tina, Tina"-Rufe sind am Straßenrand zu hören, Zuschauer halten aufmunternde Plakate hoch. José Luís ist ein Tina-Fan und lässt keinen Zweifel an seiner Bewunderung: "Tina ist sehr sexy, schön und sinnlich, eine 'femme fatale' . Mit ihr würde ich gerne mal eng umschlungen Tango tanzen."

Autoron: Victoria Eglau
Redaktion: Marco Müller

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