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Filme

Deutsche Filmkunst in New York

Vampire und künstliche Menschen - die legendären Gestalten des deutschen Kinos - geistern derzeit durch New York. In einer großen Retrospektive würdigt das Museum of Modern Art die deutsche Filmkunst.

Zwei Männer in einer Szene aus dem Film 'Dr. Mabuse' von Fritz Lang (Foto: Archiv)

Superverbrecher Dr. Mabuse

Da könnte man schon neidisch werden. Wann hat man hierzulande zuletzt eine solch umfassende Filmschau zum frühen deutschen Kino gesehen? Die Amerikaner machen es vor - mehr als 75 Filme aus Deutschland werden in New York gezeigt. Während der Retrospektive im Museum of Modern Art (MoMA), die unter dem Titel "Weimar Cinema, 1919 -1933. Daydreams and Nightmares" läuft, können noch bis zum 17. März viele Filmschätze neuentdeckt oder wieder gesehen werden. Unter den Eröffnungsgästen war auch die inzwischen 98-jährige Schauspielerin Marta Eggert, die sich ihren Film "Das Blaue vom Himmel" von 1932 anschaute.

"Die MoMa-Retrospektive spricht für die weltweite Bedeutung des deutschen Filmerbes, das seit Generationen die Filmschaffenden beeinflusst und auch ein heutiges Publikum erreicht", meint Eberhard Junkersdorf, Kuratoriumsvorsitzender der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. Die in Wiesbaden ansässige Stiftung ist neben der Deutschen Kinemathek in Berlin und dem weltweit bekannten amerikanischen Museum verantwortlich für die Filmschau.

Der Vampir aus dem Film 'Nosferatu' auf dem Schiffsdeck in einer Szene des Films (Foto: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung)

Der erste Vampir kam aus Deutschland - "Nosferatu" von Friedrich Wilhelm Murnau

Das MoMA zählt mit seiner Filmabteilung schon lange zu den weltweit führenden Einrichtungen der Kinokultur. Bereits in den 1930er Jahren wurden Filme gesammelt, darunter auch viele wichtige Werke des deutschen Kinos. Das war damals in aller Munde. Viele Genres, die heute von Hollywood gepflegt werden und überall auf der Welt Millionensummen einspielen, wurden von deutschen Regisseuren erfunden oder weiterentwickelt.

Vor allem phantastische Motive, Gruselfilme ("Nosferatu") und Abenteuerepen, Kriminalfilme ("Dr. Mabuse, der Spieler") und Science-Fiction-Szenarien ("Metropolis") stammen aus deutschen Filmstudios. Viele dieser Filme kommen in New York derzeit zur Wiederaufführung. Amerikanischen Zuschauern bietet sich somit die Möglichkeit, den Wurzeln des populären Unterhaltungskinos heutiger Zeiten nachzuspüren. Es sind auch die Wurzeln, auf denen der moderne amerikanische Film gewachsen ist.

Zwei Gestalten mit Kostümen im Film 'Von Morgens bis Mitternachts' (Foto: Edition Filmmuseum)

Früher Film des deutschen Expressionismus: "Von morgens bis mitternachts"

Doch zum "großartigen Überblick über die Themen und Techniken des Kinos der Weimarer Republik" - so die deutsche Kuratorin Eva Orbanz - tragen auch viele der Filme bei, die heute weniger bekannt sind. Das ist das eigentliche Verdienst der Retrospektive. Den amerikanischen und deutschen Kuratoren war es wichtig, nicht nur die berühmten Klassiker zu zeigen. Manche Filme seien in den USA bislang noch nie zu sehen gewesen, und überhaupt sei das Interesse in Amerika am deutschen Kino und an der Filmkultur sehr groß, sagte Thomas Zeipelt, der Leiter der Murnau-Stiftung, nach seinem Besuch im November zum Auftakt der Retrospektive.

Porträt Thomas Zeipelt (Foto: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung)

Thomas Zeipelt von der Friedrich Wilhelm Murnau-Stiftung

So sind in New York auch Musikfilme, Komödien und expressionistische Filme zu sehen. Besonders die musikalischen Komödien erinnern die Amerikaner daran, dass auch das populäre Film-Musical keine uramerikanische Erfindung ist. Dass die musikalische Verwechslungskomödie "Viktor und Viktoria" (1933) von Regisseur Reinhold Schünzel die Blaupause für den späteren Hollywood-Erfolgsfilm "Victor/Victoria" von Blake Edwards aus dem Jahre 1982 war, dürften nur die Cineasten wissen. Und auch dass Marlene Dietrich vor ihrem "Blauen Engel" im deutschen Kino schon so einige Auftritte hatte, überrascht so manchen.

Populäre deutsche Komödien wie "Die Drei von der Tankstelle" mit Heinz Rühmann und Willy Fritsch oder soziale Studien wie "Die Strasse" (1923, Karl Grune) und "Hintertreppe" (1921, von Leopold Jessner und Paul Leni) waren in den USA in den letzten Jahrzehnten kaum zu sehen. Und auch in Deutschland dürften einige der 75 Filme der MoMA-Retrospektive kaum bekannt sein. Vielleicht bietet sich ja auch hier irgendwann einmal die Möglichkeit, diese Filme im Zusammenhang zu sehen.

Autor: Jochen Kürten
Redaktion: Petra Lambeck

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