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Filme

Deutsche Filmgeschichte: Die Anfänge

Das Kino wurde in Frankreich von den Brüdern Lumiere erfunden. So steht es zumindest in jeder seriösen Filmgeschichte. Doch auch zwei deutsche Brüder waren ganz am Anfang mit dabei.

Filmstreifen von Max Skladanowsky (Foto: dpa)

Filmstreifen von Max Skladanowsky

Bis heute gelten Max und Emil Skladanowsky als die Pioniere des deutschen Films. Am 1. November 1895 zeigten die Brüder im Berliner Wintergartenpalais erstmals kurze Filme mit ihrem Bioscop, einem einfachen Filmprojektionsgerät. Zum Programm gehörten ein boxendes Känguru, tanzende Kinder und ein Jongleur. Das zahlende Publikum war begeistert. Die Vorführung dauerte 15 Minuten. Die Brüder Skladanowsky und andere Filmpioniere wie Oskar Messter dokumentierten vor allem Alltagsszenen, etwa einen Alarm der Berliner Feuerwehr, die Bahnhofseinfahrt eines Zuges, Opern- und Operettenausschnitte. Erst langsam setzte der Übergang vom dokumentarischen zum fiktionalen Film ein. Kinos entstanden, die Filmproduktion begann zu boomen. 1910 gab es erste Überlegungen, eine sogenannte Lustbarkeitssteuer einzuführen: Das Kaiserreich wollte an der neuen "Wachstumsbranche" mitverdienen.

Filmszene aus dem Film Der Student von Prag (Foto: Mary Evans Picture Library)

"Der Student von Prag"

Das Licht am Ende des Tunnels

"Der Student von Prag" gilt als erster künstlerisch ambitionierter Streifen der Filmgeschichte. Das Leinwanddrama erzählte vom Aufstieg und Fall eines jungen Mannes, der am Leben der "oberen Zehntausend" teilnehmen möchte. Während der Produktion wurden erstmals spezifisch kinematographische Verfahren wie Doppelbelichtungen und kaschierte Bildteile verwendet. Der Film markierte den Übergang vom theaterinspirierten Film hin zum eigenständigen Kintopp. Überhaupt wurden in der Zeit des Kaiserreichs wesentliche Komponenten des Films entdeckt und entwickelt: Totalen und Großaufnahmen, Kamerafahrten und -schwenks, Lichteffekte und Tricks, Ab- und Überblendungen, Perspektivwechsel und Tiefenschärfe.

Erstes großes Studio: Babelsberg

Das wachsende Publikumsinteresse schlug sich auch in der Zahl der deutschen Produktionsgesellschaften nieder: Gab es 1913 noch 28 Firmen, so waren es sechs Jahre später bereits 245. Die Lichtspielhäuser wurden größer und gediegener und zogen vor allem den bürgerlichen Mittelstand in zunehmendem Maße an. 1912 entstand in Berlin-Babelsberg das legendäre erste Großfilmatelier Europas. Damit verbunden war die technisch-ästhetische Weiterentwicklung des Films: Künstliches Licht, fiktionale Spielformen und Erzählkino gehören fortan zum deutschen Film.

Die dänische Schauspielerin Asta Nielsen im Porträt (Foto: dpa)

Asta Nielsen

Ablenkung statt Propaganda

Während des Ersten Weltkrieges wurden vor allem patriotische Trivial- und Durchhaltefilme produziert. Erst durch die Millionen Opfer vor allem im Stellungskrieg auf den Schlachtfeldern in Flandern verlor das Kinopublikum die Lust an diesen patriotischen Propagandafilmen. Stattdessen wurde auf Themen aus der Friedenszeit zurückgriffen. Kriminal- und Detektivfilme gehörten dazu, Großstadtfilme, Filme, die das Verhältnis Mensch und Maschine aufgriffen. Zu den bekanntesten Streifen zählten "Der Golem", "Homunculus" und "Der Andere". Namhafte Theaterregisseure, Schriftsteller und Schauspieler wandten sich dem deutschen Film zu, darunter so bekannte Größen wie Paul Wegener, Max Reinhardt, Frank Wedekind, Gerhart Hauptmann und Else Lasker-Schüler. Auch die ersten Kinostars waren geboren und prägten das frühe deutschen Kino: Asta Nielsen und Henny Porten.

Museumsmitarbeiter präsentiert handgetriebenen Vorführ-Apparat (Foto: AP Photo/Sven Kaestner)

Handgetriebener Vorführapparat von Max Skladanowsky

Konkurrenz für Hollywood: die UFA

Das Jahr 1917 markierte ein wichtiges Datum der deutschen Filmgeschichte: Die Universum-Film A.G., besser bekannt als Ufa, wurde noch im Ersten Weltkrieg von einem Konsortium unter der Leitung der Deutschen Bank und mit geheimer Beteiligung des Deutschen Reiches gegründet. Der Film als Massenmedium sollte Kriegspropaganda für Deutschland im In- und Ausland betreiben: mit Spielfilmen, mit Wochenschauberichten, Dokumentar- und Kulturfilmstreifen. Doch schon bald gab es Konflikte zwischen der deutschen Reichswehr und der Deutschen Bank. Diese hatte an der Ufa vor allem geschäftliche und weniger militärische Interessen. So kam es, dass der Filmkonzern zunächst keinen einen einzigen Propagandafilm herstellte. Dafür sollte die Ufa das Kino der Weimarer Republik maßgeblich beeinflussen.

Autor: Michael Marek
Redaktion: Jochen Kürten

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