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Filme

Deutsche Filmgeschichte (3): Die Studios

Die berühmten Filmstudios in Potsdam-Babelsberg machten Geschichte. Doch in München, Köln und Hamburg wird heute ebenfalls fleißig Kino produziert - auch fürs internationale Parkett.

UFA Gelände in Neubabelsberg/Babelsberg 1927, hier Blick auf die große Aufnahmehalle

UFA Gelände in Babelsberg 1927

1912: Der Schriftsteller Gerhart Hauptmann erhält den Literaturnobelpreis, die Titanic sinkt auf ihrer Jungfernfahrt nach New York, und in Neubabelsberg bei Berlin entsteht das erste und größte Filmstudio der Welt. "Die Decla Bioscop ließ damals ein gläsernes Filmatelier errichten. Dort hat man hervorragende Produktions- und Lichtbedingungen für die Kameras. So konnte man von früh bis spät immer unter Sonnenbedingungen drehen", kommentiert der renommierte Filmhistoriker Hans Helmut Prinzler das Ereignis.

Während in Deutschland die Bilder laufen lernten, lieferten sich die Filmpioniere ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die technische und ästhetische Entwicklung des neuen Mediums. Deutsche Filmproduktionsfirmen wie die Decla-Bioscop waren dabei führend. In ihrem Studio Babelsberg schrieben Regisseure wie Fritz Lang und Friedrich Wilhelm Murnau Filmgeschichte.

Das Filmimperium der Ufa

Fritz Lang (Foto: dpa)

Meister der frühen Tricks - Fritz Lang

Zu den wichtigsten deutschen Filmgesellschaften gehörte die 1917 gegründete Universum Film AG, kurz Ufa genannt. Anfang der 1920er Jahre trat die Ufa gegen die US-amerikanische Traumfabrik in Hollywood an. Als zweitgrößtes Filmimperium der Welt vereinte die Ufa Produktionsstätten, Verleihorganisationen und eine eigene Kinokette in ganz Europa. 1921 fusionierte die Decla-Bioscop mit der Ufa, die das mittlerweile legendäre Studio Babelsberg übernahm. In der Folgezeit wurden hier "Der blaue Engel" mit Marlene Dietrich gedreht und Fritz Langs Science Fiction-Streifen "Metropolis".

Babelsberg konnte auch wegen der technischen Ausstattung und Perfektion mit der US-amerikanischen Filmindustrie konkurrieren. Es gab das modernste Tonstudio Europas, ein Trickatelier, riesige Filmhallen und eine eigene Filmkopieranstalt. In Babelsberg wurde deutsche Filmgeschichte geschrieben. "Ein Klavier wurde neben die Szene aufgestellt, und wir spielten dazu, um die Schauspieler zu Stimmung zu bringen, um sie anzuregen. Und die waren dankbar dafür" - so der verstorbene Stummfilmpianist und Ufa-Mitarbeiter Willy Sommerfeld. Auch andere große Produktionsfirmen und -standorte entstanden, darunter die Bavaria Film in München.

Nationalsozialismus und Nachkriegsfilm

Das Bavaria Filmgelände heute Luftbild (Foto: Bavaria Film/Luftbild Bertram)

Das Bavaria Filmgelände heute

Während der nationalsozialistischen Diktatur wurde auch die deutsche Filmindustrie gleichgeschaltet. Auf Anordnung von Propagandaminister Joseph Goebbels verschmolzen 1942 die Firmen Ufa, Tobis, Terra, Bavaria und Wien-Film zu einem einzigen großen Konzern, der Ufa-Film GmbH. Die jüdischen Mitarbeiter wurden entlassen, viele Künstler mussten emigrieren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Filmproduktion im geteilten Deutschland weiter. Bis in die Mitte der 1950er Jahre erfuhr die westdeutsche Filmindustrie einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung. Mitverantwortlich dafür waren unter anderem die Produzenten Gyula Trebitsch und Artur Brauner mit seiner CCC-Film. Im internationalen Vergleich jedoch versank der deutsche Film in der künstlerischen Bedeutungslosigkeit. Großes Kino wurde damals in Hollywood, Italien, Frankreich oder Japan produziert. Mit Gründung der Bavaria Filmkunst AG in München, der Ufa-Theater AG in Düsseldorf und dem AFIFA-Filmbetrieb in Wiesbaden wurde die Reprivatisierung der deutschen Filmindustrie 1956 abgeschlossen. Im selben Jahr konnte ein historischer Rekord vermeldet werden: 817 Millionen verkaufte Kinokarten. Danach ging es auf Talfahrt. Die Einführung des Fernsehens 1957 führte zu einem stetigen Verlust an Zuschauern.

Die Ära des Flimmerkastens

Artur Brauner (Foto: AP)

Erfolgreicher Nachkriegsproduzent: Artur Brauner

Der Flimmerkasten lief dem Kino den Rang ab. ARD und ZDF wurden zu wichtigen Filmproduzenten. Mit dem Privatfernsehen 1984 begann das duale Fernsehzeitalter. Neben den öffentlich-rechtlichen Programmen starteten mit SAT.1 und RTL die ersten kommerziellen Privatsender. Neue Filmproduktionsstätten im Großraum Köln entstanden, hier wurden Talk- und Casting-Shows gedreht, die Sehgewohnheiten nachhaltig verändert haben. Für die Kulturkritik war und ist das ein Gräuel.

Zu den einflussreichsten Filmproduzenten in Deutschland gehörte Bernd Eichinger. Seine letzten großen Kinoerfolge landete er mit "Der Baader Meinhof Komplex" und "Das Parfum". Seit seinem Durchbruch mit "Christiane F." (1979) prägte Eichinger die deutsche Filmlandschaft wie kein anderer und produzierte einen Mainstream-Kassenschlager nach dem anderen. "Der Untergang", "Die unendliche Geschichte" und "Der Name der Rose" waren auch international erfolgreiche Großproduktionen. Mit seiner Münchener Produktionsfirma Constantin Film gehörte Eichinger zu den wenigen Deutschen, die in Hollywood respektiert wurden.

Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) in einer Szene des Films Der Baader Meinhof Komplex (Foto: dpa)

"Der Baader Meinhof Komplex"

Internationaler Produktionsort

Heute ist das Studio Babelsberg Teil der sogenannten "Medienstadt Babelsberg" und ein national wie international geschätzter Produktionsort. 80 Prozent der deutschen Kinofilmproduktion werden im Studio Babelsberg oder mit dessen Unterstützung realisiert. Daneben zählen Studio Hamburg und die Bavaria Studios bei München (Spitzname Isar-Hollywood) zu den renommiertesten Film- und Fernsehproduktionsorten in Deutschland.

Autor: Michael Marek
Redaktion: Jochen Kürten

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