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Filme

Deutsche Filmgeschichte (1): Die Stars

Stars sind das Herzblut des Kinos. Auch in Deutschland gab es Stars schon zu Stummfilmzeiten. Doch die Aura und den Ruhm einer Marlene Dietrich hat heute niemand mehr. Dafür wird das Spektrum der Stars breiter.

Romy Schneider zündet sich eine Zigarette an (Foto: Franz Xaver Lederle)

Superstar Romy Schneider

Der Filmstar als Teil des Kinos wird Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA geboren. Der Wunsch des Publikums nach Filmen mit ganz bestimmten Darstellern schuf auch in Deutschland das Phänomen des Filmstars. Vorher waren die Schauspieler anonym geblieben und wurden nur mit Rollen-Bezeichnungen erwähnt. Zu den ersten Stummfilmstars in Deutschland gehörten die Schauspielerinnen Henny Porten und Asta Nielsen. Die aus Dänemark stammende Nielsen verkörperte vor allem leidenschaftliche, emanzipierte Frauen, während Porten eher die leidende, opferbereite und zugleich deutsche Frau darstellte. Beide hatten für den Aufstieg der deutschen Filmindustrie eine große Bedeutung. Die Filmgesellschaften warben ausdrücklich mit dem neuen Henny Porten- oder Asta Nielsen-Film.

Asta Nielsen (Foto: dpa)

Dänischer Star des deutschen Kinos: Asta Nielsen

Oscar für deutschen Filmstar

Filmstars mussten nicht notwendigerweise gute Schauspieler sein. Wichtiger für die Starqualität war und ist die Fähigkeit, in den Rollen Zuschauerträume zu binden und zu befriedigen. Und sie mussten und müssen über eine Aura verfügen. In der Weimarer Republik war das vor allem Emil Jannings ("Der letzte Mann", 1924, Regie: Friedrich Wilhelm Murnau), der 1929 den ersten Oscar für den besten männlichen Hauptdarsteller erhielt. Jannings ging nach Hollywood, konnte dort aber wegen seiner Sprachbarriere nicht reüssieren.

Emil Jannings mit Oscar (Foto: AP-PHOTO/ejs)

Oscar für Emil Jannings

Femme fatale

Der andere große Filmstar der Weimarer Jahre war Marlene Dietrich, deren Aufstieg zum Weltstar untrennbar verbunden ist mit Josef Sternbergs "Der blaue Engel". Mit Zylinder und Spazierstock verkörperte sie die Tänzerin Lola, die einen alternden Professor ins erotische Verderben führt. Marlene Dietrich verkörperte den Typus der Verführerin, eine femme fatale, die ihr Image in den USA behielt. Und sie war eine der wenigen erfolgreichen deutschen Stars in Hollywood. Zu ihrem Mythos gehörte auch, dass den Rufen der Nationalsozialisten, nach Deutschland zurückzukehren, standhielt und das NS-Regime ablehnte.

Hildegard Knef (Foto: AP Photo)

Deutscher Nachkriegsstar Hildegard Knef

Stars im Nationalsozialismus

Auch während des Nationalsozialismus wurde Kinostars gebraucht und für die Unterhaltungsindustrie unterm Hakenkreuz dienstverpflichtet, wie es in der NS-Ideologie hieß, "für Volk und Vaterland". Viele dieser Künstler ließen sich aus der Sicht des Propagandaministeriums erfolgreich in die Filmproduktion integrieren. Darunter Marika Rökk, Kristina Söderbaum, Lilian Harvey, Heinrich George, Hans Albers, Johannes Heesters und Zarah Leander. Letztere gehörte mit zu den berühmtesten Filmschauspielerinnen der NS-Zeit, und auch sie verkörperte die Rolle des Vamp, die später in der Nachkriegszeit Hildegard Knef und Romy Schneider übernahmen. Der Bruch mit dem Sissy-Klischee zugunsten der Darstellung einer raffinierten, verführerischen Frau empörte zunächst Kritik und Publikum. Sowohl in ihren Filmen wie auch in ihrem Privatleben stilisierte sich Romy Schneider als femme fatale.

Manfred Krug auf Filmplakat Spur der Steine (Foto: Deutsches Historischen Museum Berlin)

DDR-Star Manfred Krug

Grüne Heimat-Heide-Paare

Im westdeutschen Kino der 1950er Jahre waren es vor allem Liebespaare, die zu den Stars der Kinoleinwand gehörten: Maria Schell und O.W. Fischer, Sonja Ziemann und Rudolf Prack - mit ihnen verband sich das Genre des Heimatfilms und Melodrams. In der ehemaligen DDR dagegen war ein Starsystem nicht gewollt, weil man sich von der Bundesrepublik und vom westlichen kapitalistischen System abgrenzen wollte. Dennoch gab es in Ostdeutschland eine ganze Reihe populärer Schauspieler wie Manfred Krug, Angelica Domröse und Jutta Hoffmann.

Rainer Werner Fassbinder (dpa)

Regie-Star Rainer Werner Fassbinder

Boulevard der Stars

Mit dem Neuen Deutschen Film in den 1960er Jahren wendete sich das Starsystem. Ein neuer Schauspielertyp war bei den Regisseuren gefragt: Barbara Sukowa, Hannah Schygulla und Klaus Kinski gehörten dazu. Der Filmhistoriker Hans Helmut Prinzler ist der Meinung, dass heute die Zeit der klassischen Filmstars vorbei ist. Das habe mit den Bedürfnissen der modernen Unterhaltungsindustrie zu tun, die an möglichst schriller, Sex und Schönheit betonender Außenwirkung und Selbstdarstellung interessiert sei. Ein Starschauspieler wie Til Schweiger bildet die Ausnahme.

Dafür gibt es heute gibt es in Berlin den "Boulevard der Stars". Hier werden entsprechend dem berühmten Vorbild aus Hollywood Stars des deutschen Kinos geehrt. Darunter sind Romy Schneider, Marlene Dietrich und Bruno Ganz. Aber es sind mehr und mehr auch andere Akteure des Kino vertreten. Regisseure wie Wim Wenders, Werner Herzog und Rainer Werner Fassbinder. Und sogar Filmschaffende wie der Cutter Peter Przygodda, der Filmarchitekt Jan Schlubach und der Filmkomponist Klaus Doldinger finden sich auf diesem deutschen Walk of Fame wieder.

Autor: Michael Marek
Redaktion: Jochen Kürten

Symbolbild Film Festival roter Teppich

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