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Politik & Gesellschaft

Deutsche Entwicklungshilfe im Wandel

Die Abkürzung GIZ steht für "Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit". Sie bündelt die Entwicklungspolitik als "Aushängeschild" Deutschlands und bietet einheimischen Unternehmen ein weites Betätigungsfeld.

Das Logo der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

Entwicklungsminister Dirk Niebel spricht oft von der "Fusions-Rendite", wenn es um die Anfang 2011 entstandene Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) geht. Damit will er sagen, dass die Zusammenlegung der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) und der Bildungsagentur "Invent" zu effizienteren Strukturen geführt habe und weiter führen soll. Nutznießer sollen neben den Menschen in den 57 Partner-Ländern der Entwicklungszusammenarbeit auch deutsche Firmen sein.

Staatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz (Foto: DW)

Staatssekretär Beerfeltz: GIZ ist ein "Exportschlager"

Niebels Staatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz bedient sich gerne des Vokabulars seines Ministers, auch er spricht von "Fusions-Rendite". Beerfeltz, zugleich Aufsichtsratvorsitzender der GIZ, schwärmt von einem "Exportschlager". Ein "Aushängeschild" Deutschlands sei die GIZ mit ihren rund 1,85 Milliarden Euro Umsatz. Gut zwei Drittel davon stammen aus dem Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Rechnet man Aufträge anderer Ministerien dazu, erwirtschaftet die GIZ fast vier Fünftel mit Hilfe des deutschen Staates.

Der Rest sind internationale Kofinanzierungen und Drittgeschäfte unter anderem mit Organisationen der Europäischen Union (EU) und der Vereinten Nationen (UN). Was organisatorisch nach viel Zentralismus klingt, ist in der praktischen Umsetzung eher gegenteilig gemeint. "Das Ganze soll dezentraler ausgerichtet sein, es soll mehr Wirtschaft einbeziehen und mehr Zivilgesellschaft", skizziert Staatssekretär Beerfeltz das Ziel.

Mehr "Public Private Partnership"

Unter mehr Wirtschaft versteht die GIZ auch und gerade die einheimische, also die deutsche Wirtschaft. Im Rahmen von sogenannter "Public Private Partnership" sollen vor allem mittelständische Unternehmen vom staatlichen Engagement in Entwicklungs- und Schwellenländern profitieren. Solche Kooperationen hat es bereits zu Zeiten der früheren sozialdemokratischen Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul gegeben. Unter der Führung ihres freidemokratischen Nachfolgers Dirk Niebel soll dieses Programm jedoch spürbar ausgeweitet werden. Extra dafür sind rund 30 sogenannter "Scouts" unterwegs, die Kontakte anbahnen sollen.

GIZ-Vorstandssprecher Bernd Eisenblätter unterstützt diese Politik. Aktionsradius und Themenfelder seines Unternehmens würden sich verändern. Dabei setzt er verstärkt auf Wachstum in Schwellenländern. Man wolle von der "hohen Reputation" in Ländern wie Indien, China und Brasilien profitieren, um Aufträge zu bekommen. Erste Erfolge gebe es bereits, freut sich Eisenblätter. Wachstumspotenzial sieht der GIZ-Vorstand auch in Industrieländern. Großbritannien, die Schweiz, Schweden und Norwegen gehörten zum Kreis jener Länder, die verstärkt auf das Know-how der deutschen Entwicklungsorganisation zurückgriffen, um eigene Projekte umzusetzen.

Bildungsoffensive in Afghanistan

Über 17.000 Mitarbeiter beschäftigt die GIZ in 130 Ländern. Mehr denn je soll künftig in Bildungsprogramme investiert werden. Beispielhaft erwähnte Vorstandssprecher Einsenblätter das Engagement in Afghanistan, wo die Verwaltung der Stadt Masar-i-Sharif in Kürze komplett von einheimischen Kräften übernommen werden soll. Knapp 2000 Studenten seien in einer neuen Ausbildungsstätte zu Lehrern ausgebildet worden. Hinzu kämen 440 Lehrer in Masar-i-Sharif und weitere 1000, die sich an fünf anderen Ausbildungsstätten im Land fortbildeten. Sie alle würden ihre Kenntnisse an wissbegierige Schülerinnen und Schüler weitergeben und so gemeinsam an der Zukunft ihres Landes bauen, sagt GIZ-Vorstand Eisenblätter. Dabei soll die Philosophie der Aus- und Fortbildungsangebote mehr sein als klassische Entwicklungshilfe im Sinne von Armutsbekämpfung.

Afghanische Kinder laufen mit Kanistern zu einer öffentlichen Wasserstelle in Kabul (Foto: dpa)

Afghanische Kinder auf dem Weg zu einer öffentlichen Wasserstelle in Kabul

Begriffe wie "Leadership" spielen im GIZ-Vokabular ebenfalls eine wichtige Rolle. Aus den Programmen sollen also auch künftige Führungskräfte in den Partnerländern hervorgehen und Mittler zwischen den Kulturen.

Es gibt Angebote zur Vorbereitung für Auslandseinsätze für Fachleute sowohl aus der Entwicklungs- und internationalen Zusammenarbeit als auch der Wirtschaft. "Aber auch Angebote für junge Deutsche, die sich im Ausland internationales Know-how aneignen", ergänzt Eisenblätter unter Hinweis auf das "Weltwärts"-Programm. Daran können sich 18- bis 28-jährige beteiligen, die für mindestens sechs Monate und maximal zwei Jahre in ein Entwicklungs- oder Schwellenland entsendet werden.

Sollten sich alle Hoffnungen der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit erfüllen, müsste das staatliche Unternehmen bei einem angestrebten jährlichen Umsatzwachstum von etwa vier Prozent schon bald die Schwelle von zwei Milliarden Euro überschreiten. Wachstum bei der GIZ und in den Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist nach Überzeugung Eisenblätters das beste Mittel gegen Armut.

Autor: Marcel Fürstenau
Redaktion: Hartmut Lüning