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Afrika

Deutsche Entwicklungshilfe für Tunesien

Deutschland hat sich nach dem Umsturz in Tunesien bereiterklärt, beim Aufbau der Demokratie zu helfen. Gelder wurden bereit gestellt und inzwischen lässt sich auch deutlich erkennen, dass die Hilfe ankommt.

Sprachkurs im Goethe-Institut in Tunis (Foto: Heiner Kiesel)

Es ist stickig und die Neonröhren werfen ihr fahles Licht auf die aufgeschlagenen Hefte der Kursteilnehmer im Unterrichtsraum des Goethe-Instituts in Tunis. Der Unterricht dreht sich heute um landestypische Dinge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die die zwölf jungen Tunesier auf Deutsch beschreiben sollen. "Emmentaler, Brandenburger Tor, Kaffeehaus", diktiert die Lehrerin. Die Kursteilnehmer zwischen 20 und 30 Jahren notieren konzentriert mit.

Der Kurs ist mehr als ein Intensivkurs, wie er überall auf der Welt in den Goethe-Instituten angeboten wird. Insgesamt 40 Schüler sind in ein Programm aufgenommen worden, mit dem die Bundesregierung die tunesische Gesellschaft nach der Revolution unterstützen will. Es heißt "Sprache - Arbeit -Vermittlung" und ist eines der Vorzeigeprojekte für die deutsche Hilfe in den Staaten der arabischen Revolution. "Das zahlt alles die Bundesregierung," sagt Emel Fantar, die Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts in Tunesien, "das Geld ist gut angelegt, denn es ist eines unserer größten Probleme im Land, dass so viele gut ausgebildete Menschen keinen Job haben."

Tunesier für deutsche Firmen

Amel Fantar, Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts in Tunesien (Foto: Heiner Kiesel)

Amel Fantar, Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts in Tunesien

Rund 1500 Euro gibt die deutsche Bundesregierung pro Kursteilnehmer aus, damit sie in sechs Monaten genug Sprachkenntnisse erwerben, um in einer deutschen Firma arbeiten zu können. Fast alle wurden nach ihren Qualifikationen ausgewählt - Betriebswirte, IT-Fachleute, Elektroingenieure. Die tunesisch-deutsche Industrie- und Handelskammer, die etwa 300 deutsche Firmen in Tunesien vertritt, hat den Bedarf ermittelt und will die Kursteilnehmer bei einer Jobbörse in der kommenden Woche vermitteln.

Insgesamt 40 Millionen Euro hat die Bundesregierung für den Transformationsprozess in den Staaten Nordafrikas bereitgestellt. Davon sind etwa acht Millionen Euro für Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen gedacht und noch einmal fünfeinhalb Millionen für Demokratieförderung. 2012 und 2013 kommen noch einmal 100 Millionen für den Transformationsprozess dazu. Das deutsche Geld wird über die politischen Stiftungen und die Entwicklungsorganisationen ausgegeben.

Konkurrenz um Fachleute

Die deutsche Hilfe dient allen und eckt nirgends an. Klaus Loetzer, Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Tunis, beobachtet zufrieden, wie die Bundesregierung ihre Hilfsversprechen realisiert. "Wir treten immer ein wenig wie die Gutmenschen auf, mit wenig politischen Forderungen", sagt Loetzer, der seit 30 Jahren Entwicklungsberatung in Afrika betreibt, "aber wir wollen, dass die Wirtschaft in einem Land floriert und es sich demokratisch weiter entwickelt, dann können wir dort auch unsere Autos verkaufen." Die der Regierungspartei CDU nahe stehende KAS bildet tunesische Unternehmer fort und unterstützt ein EU-Projekt, bei dem rund 40 Parteien für die Wahlen Ende des Monats fit gemacht werden.

"Das ist eine Menge Geld, das wir jetzt mehr haben", sagt Loetzer. Sein Etat für dieses Jahr hat sich fast verdoppelt. Sein Problem: Es lassen sich kaum noch geeignete Kooperations-Partner und Fachleute für die Bildungsarbeit finden, denn auch Frankreich, Großbritannien und die USA sind intensiv dabei, in Tunesien zu helfen. "Die geben alle noch erheblich mehr Geld aus."

Politische Bildung ohne Einflussnahme

Bei der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), die den oppositionellen Sozialdemokraten nahe steht, konnten die Spitzenkandidaten der sozialdemokratisch ausgerichteten Parteien Ettadjdid und Ettakol ein Medientraining absolvieren. "Wir haben da den Kontakt zum Trainer hergestellt", sagt Elisabeth Braune, FES-Büroleiterin in ihrem Büro in La Marsa, nördlich von Tunis, "aber was inhaltlich dort passiert ist, haben die Tunesier selbst festgelegt."

Es fällt auf, wie sehr die ausländischen Helfer in Tunesien betonen, dass man mit den Behörden und Politikern auf Augenhöhe verkehrt. "Die sind sehr selbstbewusst und wissen selbst ganz gut, was sie wollen", sagt Braune. Die Tunesier reagierten sehr verstimmt darauf, wenn sie das Gefühl bekommen, jemand wolle Einfluss auf die Entwicklung im Land gewinnen. Das ist ein heikles Thema, heißt es auch im Auswärtigen Amt in Berlin. Nach der Diktatur haben die Tunesier genug von Bevormundung.

Autor: Heiner Kiesel

Redaktion: Friederike Schulz

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