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Deutschland

Deutsche dürfen wieder länger arbeiten

Der Aufschwung in Deutschland scheint die Krise zu beenden. Der Industrie- und Handelskammertag schätzt, dass damit auch die Kurzarbeit bald deutlich verringert werden kann. Weiterhin notwendig bleibt sie dennoch.

Arbeiter in Halle (Foto: dw)

Kurzarbeit soll Unternehmen durch Krisen helfen

1,5 Millionen Menschen waren auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise von Kurzarbeit betroffen. Im März dieses Jahres betrug die Anzahl schon nur noch 830.000. Die Auftragsbücher der deutschen Wirtschaft füllten sich derart deutlich, dass im Laufe des Jahres 2010 die Kurzarbeit auf "allenfalls noch rund 100.000 Beschäftigte zurückgefahren werden kann", schätzt der Chefökonom des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Volker Treier.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag ist die Spitzenorganisation aller regionalen Industrie- und Handelskammern, in denen Gewerbebetriebe ab dem Zeitpunkt ihrer Gründung Mitglieder werden. Die Organisation vertritt am Regierungssitz in Berlin die Interessen der deutschen Industrie und führt regelmäßig Konjunkturumfragen unter seinen Mitgliedsfirmen durch. Die Bundesregierung hält daher die jüngste Einschätzung zur Kurzarbeit für sehr glaubwürdig und freut sich auf eine Entlastung des Etats der Bundesanstalt für Arbeit - immerhin mit rund 54 Milliarden Euro der größte Posten im Haushalt.

Kurzarbeit - ein bewährtes Instrument

Jobcenter der Bundesanstalt für Arbeit (Foto: dpa)

Die Bundesanstalt für Arbeit zahlt das "Kurzarbeitergeld"

Die Bundesanstalt für Arbeit ist die Institution in Deutschland, die das so genannte "Kurzarbeitergeld" auszahlt. Mit diesem Geld werden rund 60 Prozent der Summe ausgeglichen, die die Beschäftigten von ihrem eigentlichen Gehalt verlieren, wenn sie in Kurzarbeit beschäftigt werden.

Auf "Kurzarbeitergeld" haben alle Betriebe einen gesetzlichen Anspruch, wenn sie einen "erheblichen Arbeitsausfall" verzeichnen. Das war in der akuten Finanzkrise der Fall. Den Arbeitsausfall haben die Firmen allerdings gegenüber der Bundesanstalt für Arbeit nachzuweisen. Die Bewilligung des Kurzarbeitergeldes unterliegt dabei vielen Auflagen. So darf der Arbeitsausfall nur vorübergehend sein und es muss eine begründete Hoffnung auf eine Besserung der Lage geben.

Das "Kurzarbeitergeld" hilft den Unternehmen, auch in der Krise qualifizierte Mitarbeiter zu halten, die ansonsten bei schlechter Auftragslage entlassen werden müssten. Erfahrene Experten in den Betrieben weiter zu beschäftigen, ist auch wichtig, weil in Deutschland deutlicher Mangel an Fachkräften herrscht. Schon heute können viele Firmen Stellen im Bereich Entwicklung und Ingenieurswesen nicht besetzen. Im Augenblick einer Konjunkturbelebung würde sich diese Situation noch verschärfen. Das Instrument "Kurzarbeitergeld" gibt es übrigens schon lange: Die Anfänge liegen im Jahr 1910, als die für die Förderung von Kalisalz verantwortlichge Industrie stark abgebaut wurde. Die Bundesrepublik übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg die Maßnahme, die besonders der Bauwirtschaft immer wieder zugute kam.

Wirtschaft warnt vor frühzeitigem Abbau

Ein Arbeiter im Schatten (Foto: dpa)

"Kurzarbeit wird wohl noch weiter in Anpruch genommen werden"

Heiner Palkowska vertritt in der Interessengemeinschaft Kunststoff rund 30 Kunststoffverarbeitende Betriebe in Nordrhein-Westfalen. Er bestätigt den Trend, dass es derzeit nicht mehr notwendig sei, "Kurzarbeitergeld" in Anspruch zu nehmen. Man habe sogar soviel zu tun, dass die vorhandenen Kapazitäten gar nicht ausreichen würden. Die Tatsache aber, dass immer mehr Zeit vergeht, bis sich Auftraggeber für eine Auftragsvergabe entscheiden, lasse jedoch nur einen Zeitraum von vier bis fünf Monaten übersehen. "Was danach passiert, weiß heute keiner", so Palkowska, "insofern wäre ein Abbau des Kurzarbeitergeldes durch die Politik im Rahmen der angesagten Sparmaßnahmen äußerst voreilig".

Dieser Einschätzung schließt sich auch der Leiter der Forschungsgruppe des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, Eugen Spitznagel, an. Er beobachtet zwar die rasche Erholung der Weltwirtschaft und einen stabilen Dienstleistungssektor in Deutschland, zeigt sich zu den weiteren Aussichten aber noch zurückhaltend. "Das Instrument der Kurzarbeit wird wohl noch weiter in Anpruch genommen werden", lautet Spitznagels Prognose.

Autor: Wolfgang Dick

Redaktion: Michael Borgers