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Wirtschaft

Deutsche Dächer über Chinas Köpfen

Das Westerwälder Unternehmen Huf Haus liefert als erste deutsche Firma Fertighäuser nach China. Dort schätzen die Kunden deutsche Wertarbeit. Anderen deutschen Herstellern ist der Markt dennoch zu riskant.

Außenansicht eines Fertighauses der Huf Haus GmbH

In Qingdao sollen die ersten deutschen Fertighäuser Chinas stehen

"Made in Germany" ist in China ein geschätztes Prädikat. Mercedes, Audi und VW sind längst beliebte Statussymbole. Wenn es nach dem Willen des Fertighausherstellers Huf Haus geht, soll dies in Zukunft auch für Eigenheime gelten. Als erster deutscher Fertighausbauer wagt das Unternehmen aus Hartenfels im Westerwald den Sprung nach China. Fünf Fertighäuser wird die Huf Haus GmbH samt Werkzeug und Monteuren Mitte September in die nordchinesische Hafenstadt Qingdao verschiffen. Die Ortswahl ist kein Zufall: Qingdao besitzt als ehemalige deutsche Kolonie nicht nur eine Brauerei, die nach dem deutschen Reinheitsgebot braut, auch klassische Fachwerkhäuser hat die Stadt zu bieten.

Mit Sack und Pack nach China

Skyline Qingdao mit Leuchtturm und Wolkenkratzern

In der ehemaligen deutschen Kolonie Qingdao sitzen die chinesischen Auftraggeber

Geordert hat die fünf Häuser der chinesische Elektronikkonzern Hisense. Deutsche Wertarbeit, darauf komme es dem Auftraggeber an, sagt Manuel Schönwitz, Projektleiter China bei Huf Haus. Und deshalb schickt der Fertighausbauer die Monteure aus Deutschland auch gleich mit ans Gelbe Meer. Sie sollen sich darum kümmern, dass die aus Deutschland eingeschifften Fertigteile auch alle am richtigen Fleck landen.

Für Huf Haus ist der Auftrag aus China ein Glücksfall. Seit zwei Jahren unterhält die Firma bereits ein Büro in Peking - ohne bisher ein einziges Haus an den Mann gebracht zu haben. Noch nicht einmal das geplante Musterhaus ist fertig. "Ständig gibt es Probleme mit der Baugenehmigung", erklärt Projektleiter Schönwitz. "In China läuft doch alles sehr bürokratisch". Die Häuser, die jetzt in Qingdao entstehen sollen, wurden dagegen im Nu genehmigt. "Mit den entsprechenden Verbindungen des Bauherrn stand dem offenbar nichts im Wege."

Aufwand lohnt nur für Luxussegment

Schlafzimmerinnenansicht eines Fertighauses von HUF HAUS

Chinesen wollen Luxus "Made in Germany"

Das Geschäft in China ist nicht einfach, aber Huf Haus verspricht sich viel davon. Rund 10 Millionen Euro, schätzt Schönwitz, könnte Huf Haus pro Jahr in China umsetzen. Chancen sieht Huf Haus im Luxussegment. "Wir wollen ausschließlich die reichen Chinesen ansprechen", sagt Schönwitz. Deshalb will Huf Haus in China nur richtige Villen anbieten. 1000 Quadratmeter hat jedes der Häuser, die die Firma jetzt nach China schickt - zum Stückpreis von 1,4 Millionen Euro. "Bei den kleineren rentiert sich der Aufwand nicht", so Schönwitz.

Denn jedes Teil muss sorgfältig wasserdicht verpackt, gepolstert und in Spezialcontainern transportiert werden, damit in den vier Wochen auf See auch nichts zu Bruch geht. Ein teures Unterfangen: 3000 Euro pro Container und 22 Container pro Haus, um alles zu verstauen, von den Fensterscheiben bis hin zu zehn Tonnen original Rheinkies, die pro Haus mitgeschickt werden.

Chinaprojekt eröffnet neue Möglichkeiten

Diesen Aufwand scheuen bisher viele Konkurrenten. "Für uns ist der Export nach Übersee nicht interessant", sagt Peter Traut, Vertriebsleiter bei Schwörer-Haus, einem anderen großen deutschen Fertighausanbieter. Die Logistik und der Transport per Schiff seien zu umständlich, das Risiko zu groß. "Wir konzentrieren uns lieber auf den europäischen Markt", sagt Traut.

Achim Hannott vom Bundesverband Deutscher Fertigbau sieht daher in dem Exportvorhaben auf dem Seeweg einen Marktvorteil für Huf Haus. "Die haben die Logistik jetzt einmal gemacht, jetzt wissen sie, wie es geht", erklärt Hannott. Damit eröffne sich Huf Haus auch andere neue Märkte in Übersee, zum Beispiel Afrika oder Amerika. Wertarbeit "Made in Germany" stehe schließlich nicht nur in China hoch im Kurs.

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