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Politik & Gesellschaft

Deutsche Buche ist Weltklasse

Gleich zweimal hat die deutsche Buche einen UNESCO-Welterbe-Titel eingefahren: Zuerst wurden deutsche Buchenwälder ausgezeichnet, dann die Schuhleistenfabrik "Fagus-Werk". "Fagus" ist lateinisch - und heißt "Buche".

Ein Buchenwald von unten gesehen (Foto: dapd)

Es war wohl ein Zufall, dass die deutsche Buche bei der Entscheidung der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur gewissermaßen zweimal punkten konnte: Nachdem das zuständige UNESCO-Komitee zunächst die deutschen Buchenwälder als Weltnaturerbe ausgezeichnet hatte, sprach es im weiteren Verlauf der Sitzung am Samstagabend (25.06.2011) dem "Fagus-Werk" im niedersächsischen Alfeld den Titel des Weltkulturerbes zu. Die vor 100 Jahren gebaute Schuhleistenfabrik kann sich damit in eine Reihe mit dem Kölner Dom und dem Schloss Versailles einreihen. Sie gilt nun als universelles Erbe der Menschheit und genießt damit besonderen Schutz.

Aufbruch in eine neue Zeit

Neues Weltkulturerbe: Das Fagus-Werk in Alfeld (Foto: dpa)

Neues Weltkulturerbe: Das Fagus-Werk in Alfeld

Die Fabrik in Alfeld ist das Erstlingswerk des später weltberühmten Architekten Walter Gropius und gilt als Schlüsselbau der Moderne. "Mit der Konstruktion aus Glas und Stahl (...) verlieh Gropius dem dreistöckigen Fassadengebäude eine schwerelose Eleganz, die damals für Fabriken außergewöhnlich war", lobt die deutsche UNESCO-Kommission den Bau. In dem lichtdurchfluteten Werk werden noch heute Fußnachbildungen für die Schuherstellung produziert. Im daneben liegenden ehemaligen Lagerhaus wurde ein Museum eingerichtet.

Dass die Fabrik "Fagus-Werk" heißt und damit den lateinischen Namen für "Buche" trägt (Buchenholz war ein wichtiger Rohstoff zur Herstellung von Schuhleisten), passte am Samstag gut, denn bereits zuvor hatte das Komitee die deutschen Buchenwälder ebenfalls ausgezeichnet.

Glücklicher Umweltminister

Etwa 400 Jahre alte Buche (Foto: picture alliance)

Etwa 400 Jahre alte Buche

"Unsere Buchenwälder stehen jetzt auf einer Stufe mit weltweit so bedeutenden Stätten wie dem Yellowstone Nationalpark, den Galapagos-Inseln oder dem Wattenmeer", freute sich Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Bisher lagen nur zwei der Stätten des Weltnaturerbes in Deutschland: Seit 1995 die Fossiliengrube Messel, ein stillgelegter Tagebau in Hessen, und seit 2009 das deutsche Wattenmeer an der Nordseeküste.

Auf seiner 35. Sitzung in Paris zeichnete das Welterbekomitee der UNESCO insgesamt fünf ausgewählte Buchenwälder in Deutschland als "universelles Erbe der Menschheit" aus. Diese Waldgebiete liegen im Nationalpark Jasmund auf Rügen und im Müritz-Nationalpark, beide in Mecklenburg-Vorpommern, sowie im Totalreservat Grumsiner Forst im UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg, im Nationalpark Hainich in Thüringen und im hessischen Nationalpark Kellerwald-Edersee. Die vier Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Hessen hatten sich Anfang 2010 gemeinsam für die prestigeträchtige Weltnaturerbeliste beworben. Jedes der dort befindlichen Buchenwaldgebiete weist seine Besonderheiten auf, die es jeweils einzigartig und schützenswert machen.

Deutschland - Slowakei - Ukraine

Blick auf ein Tal in den ukrainischen Karpaten (Foto: dpa)

Die ukrainischen Karpaten

Die naturbelassenen fünf deutschen Buchenwaldgebiete ergänzen das seit 2007 bestehende slowakisch-ukrainische Buchenwald-Weltnaturerbe und bilden jetzt eine gemeinsame Welterbestätte. Unter dem Namen "Buchenurwälder in den Karpaten und alte Buchenwälder in Deutschland" gehören zu ihr entsprechende Waldgebiete in den drei Ländern Deutschland, Slowakei und Ukraine.

Die deutschen Tieflands- und Mittelgebirgsbuchenwälder stehen damit jetzt genauso wie die in den Karpaten beheimateten Gebirgsbuchenwälder unter einem weltweiten Schutz. So sieht es das UNESCO-Welterbeübereinkommen vor.

Seit 2007 hatte es mehrere trilaterale Treffen mit Vertretern der Umweltministerien der Slowakei und der Ukraine sowie Vertretern der vier beteiligten deutschen Bundesländer und Experten gegeben, um im Bereich UNESCO-Weltnaturerbe zusammenzuarbeiten. Die so von langer Hand geplante trinationale Buchenwald-Welterbestätte ist jetzt Wirklichkeit geworden.

Heimat Tausender Tier- und Pflanzenarten

Ein Forstamtsleiter vor einem dicken moosbewachsenen umgestürzten Stamm einer Buche (Foto: dpa)

Neuer Lebensraum für Käfer, Insekten und Pilze

Die deutschen Buchenwaldvorkommen gelten laut UNESCO als Naturgut von "außergewöhnlichem universellen Wert". Nach Einschätzung der Organisation repräsentieren sie in herausragender Weise ein Ökosystem, das einen ganzen Kontinent geprägt habe. Damit ist Deutschland angehalten, auch selbst seinen Teil dazu beizutragen, dass die "alten Buchenwälder in Deutschland" entsprechend geschützt werden. Die nunmehr in die Liste aufgenommenen fünf naturbelassenen deutschen Buchenwaldgebiete sind insgesamt übrigens rund 4400 Hektar groß.

Früher war die Buche die häufigste Baumart in Deutschland, heute kommt sie nur noch in 15 Prozent der Wälder vor. Dabei wäre Deutschland ohne menschlichen Einfluss heute flächendeckend von Buchenwäldern bewachsen, so eine Einschätzung von Botanikern. Im weltweiten Vergleich seien diese Wälder einzigartig, weil sie durch den hohen Anteil an altem Baumbestand einen idealen Lebensraum für Fledermäuse, Höhlenbrüter, Insekten und Pilzen bilden. Auch der Naturschutz profitiert also von der Aufnahme der deutschen Buchenwälder in die Liste des Naturerbes der Welt.

Autoren: Anja Fähnle/Frank Wörner (dpa, dapd, epd)
Redaktion: Christian Walz

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