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Bildung

Deutsche Braukultur international gefragt

Rund 100 Millionen Hektoliter Bier trinken die Deutschen im Jahr, das sind pro Kopf 0,3 Liter am Tag. Da will das Bierbrauen gelernt sein. Einen entsprechenden Studiengang gibt es nur in München und Berlin.

Bierkrüge (Foto: Bilderbox)

Das Lieblingsgetränk der Deutschen - Prost!

Kaian Hoi ist eine der wenigen Frauen, die das Fach Brauwesen und Getränketechnologie in Weihenstephan studieren. Die in Macao geborene Portugiesin möchte nichts Geringeres als ein Bierimperium in China, im Land ihrer Vorfahren, aufbauen, doch dazu braucht sie erst einmal ihren Master. Schon ihre Abschlussarbeit am Gymnasium schrieb Kaian in Chemie über die Weißbierherstellung. Sie weiß, was sie im Studium erwartet, anders als so manch einer, der beim Studiengang Brauwesen nur an die Bierverköstigung denkt.

Das Studium wird unterschätzt

"Viele unterschätzen dieses Studium", sagt Kaian. "Man hat viele verschiedene naturwissenschaftliche Fächer, und meistens ist es eben so, dass man nur in einem naturwissenschaftlichen Fach gut ist." Mit ihren Kenntnissen in Chemie, Mathematik und Physik hilft Kaian auch ihren männlichen Kollegen. Während die Vorlesungen im Institut am Fuße der Weihenstephaner Berge stattfinden, muss man für den praktischen Teil den Gipfel erklimmen. Hier liegt die Versuchsbrauerei des Lehrstuhls "Brau- und Getränketechnologie". Kaian, die im vierten Semester studiert, hat bisher noch nicht viel Zeit in der hauseigenen Versuchsbrauerei verbracht.

Vom Braumeister zum Ingenieur

Frisch gepflückte Hopfendolden (Foto: dpa)

Das kommt rein ins Bier ...

Braumeister ist traditionell ein typischer Handwerksberuf, doch an zwei Orten in Deutschland kann man Brauwesen auch an der Universität studieren, nämlich in Freising-Weihenstephan, im Wissenschaftszentrum der TU München, und an der TU Berlin. "Gerade die Verfahrenstechnik wurde beim Bierbrauen weiterentwickelt, das hat dazu geführt, dass aus dem handwerklichen Brauerberuf ein ingenieurwissenschaftliches Studium wurde", begründet Frank-Jürgen Methner, Professor für Brauwesen an der TU Berlin, die Akademisierung des Fachs. Auch Studierende aus dem Ausland finden das attraktiv. "Die Ausbildung ist wesentlich fundierter und grundlegender als in anderen Ländern weltweit, deshalb können unsere Ingenieure sehr schnell in der Praxis Fuß fassen", betont Methner. In Berlin gibt es wegen des hohen Andrangs einen Numerus Clausus. In Weihenstephan besteht zurzeit keine Zulassungsbeschränkung.

Wie aus heißem Bier ein kühles Getränk wird

Sudhaus der Lehr- und Versuchsbrauerei Weihenstephan (Foto: TUM / Marc Stamm)

Im Sudhaus der Lehr- und Versuchsbrauerei

Bei der Herstellung wird Bier bis zu 70 Grad heiß, bevor es letztendlich kühl getrunken wird. Die silbernen Versuchsbottiche in Weihenstephan haben einen Durchmesser von rund anderthalb Metern und fassen etwa 800 Liter. Im Vergleich zu den normalen kupfernen Bierkesseln sind die Versuchskessel eher klein. "Wir sind ja nur die Versuchsbrauerei", sagt Brauergeselle Hannes Kolb. Meistens hält sich auch die Versuchsbrauerei an das deutsche Reinheitsgebot, wonach die Bestandteile im Bier nur Wasser, Hopfen, Malz und Hefe sein dürfen. "Wir haben hier natürlich noch Freiräume und dürfen auch experimentieren. Das ist der Vorteil, wenn man für den Lehrstuhl arbeitet", fügt Kolb hinzu. Auch Professor Frank-Jürgen Methner lehrt in Berlin nicht nur das deutsche Reinheitsgebot für Bier. "Durch die zunehmende Globalisierung, die auch an der deutschen Brauindustrie nicht spurlos vorbei geht, müssen wir unsere Studenten auch damit vertraut machen, wie man andere Getreidesorten einsetzt, um ein qualitativ hochwertiges Bier zu erhalten."

Bierimperium in China

Aufblasbare Tsingtao-Bierflaschen beim Qingdao-Bierfest in China (Foto: AP)

Ob "Hoi-Bräu" dem Marktführer Konkurrenz machen kann?

Ob Kaian für ihr Bierimperium in China das bayerische Reinheitsgebot strikt einhalten wird, weiß sie noch nicht. Aber dafür hat sie schon einen guten Namen für das Gerstengetränk im Land der aufgehenden Sonne. "Mein Familienname ist ja Hoi, deswegen dachte ich, es könnte 'Hoi-Bräu' heißen", lacht die 21-Jährige. "Den Namen kann man auch in betrunkenem Zustand sagen, und ich finde das eine recht lustige Idee."

Kaian ist zufrieden mit ihrem Studium – fast: Wären da nicht die weiten Wege bergauf und bergab zwischen den Instituten. "Das ist schon recht anstrengend im Sommer, wenn es knappe 30 Grad warm ist." Deshalb hat sie noch einen Tipp für die Uni in Weihenstephan: "Da spreche ich, glaube ich, für viele Studenten: Man sollte den Berg ebnen."


Autoren: Hüseyin Ince, Gaby Reucher
Redaktion: Claudia Unseld

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