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Wirtschaft

Deutsche Bank von alter Größe weit entfernt

Es bleibt bei tiefroten Zahlen in der Bilanz der Deutschen Bank. Die Vergangenheit lastet weiter schwer auf Deutschlands größtem Geldhaus. Ein Blick in die Zukunft bleibt aus. Aus Frankfurt Henrik Böhme.

Gute Nachrichten bei der Deutschen Bank gehen heute so: Milliardenstrafen ausgehandelt, Verluste drastisch reduziert, der Aktienkurs seit Herbst fast wieder verdoppelt. Und so sieht die Wirklichkeit aus: In der Tat gelang dem Team um Vorstandschef John Cryan die Beilegung der wichtigsten Rechtsstreitigkeiten, wenn auch zu einem hohen Preis. Für die Verfehlungen auf dem US-Hypothekenmarkt in den Jahren vor der Finanzkrise zahlt die Bank mehr als sieben Milliarden Dollar. Um die Geldwäschevorwürfe rund um russische Wertpapiergeschäfte aus der Welt zu schaffen, sind zunächst mehr als umgerechnet 600 Millionen Euro fällig.

Solche Summen schlagen natürlich auf die Bilanz durch: Zum zweiten Mal in Folge steht unterm Stich ein dickes Minus von 1,4 Milliarden Euro. Aber weil es im vergangenen Jahr eben fast sieben Milliarden waren, kann man das Jahr 2016 nun wirklich als "Jahr des Übergangs" - wie von Cryan im letzten Jahr mehrfach verkündet  -  verbuchen. Und trotzdem: Analysten hatten deutlich weniger Verlust erwartet, und daher wurde die Bank auch umgehend an der Börse abgestraft. Die Aktie fiel wie ein Stein.

Deutschland Deutsche Bank - Jahreszahlen 2016 - Vorstandschef John Cryan (picture-alliance/dpa/S. Prautsch)

Nachdenklicher Vorstandschef - John Cryan bei der Bilanzvorlage der Deutschen Bank

Anleger müssen geduldig bleiben

Apropos Aktie: Zuletzt hatte sich der Kurs des Papiers einigermaßen berappelt, nachdem er im vergangenen Herbst - das US-Justizministerium hatte gerade eine 14-Milliarden-Dollar-Strafandrohung ausgerufen - auf ein historisches Tief von unter zehn Euro gerauscht war. Jetzt, im Angesicht einer deutlich reduzierten Strafzahlung, war sogar die 20-Euro-Marke wieder in Reichweite (was immer noch dramatisch wenig ist angesichts eines Allzeithochs von knapp über 100 Euro vor gut 10 Jahren).  Mit dem derzeitigen Kurs bewegt man sich auf dem Niveau von 1993. Aber kaum waren die aktuellen Zahlen des Tages bekannt geworden, ging es wieder rapide abwärts, in der Spitze um die sechs Prozent.

Der Grund für den erneuten Einbruch ist leicht auszumachen: Es fehlt einfach an einem Plan, wie denn die Deutsche Bank die Zukunft meistern will. Eine Zukunft, die weiterhin von einem Niedrigzins-Umfeld geprägt sein wird - und vor allem vom digitalen Umbruch der Finanzbranche. Doch eine Antwort musste John Cryan schuldig bleiben. "Ein abrupter Strategieschwenk hat sich in der Geschichte von Unternehmen selten bewährt - erst recht nicht bei Banken." Das war's zum Thema Strategie. Zu wenig, erst recht für die Anleger, die schon im vergangenen Jahr auf eine Dividende verzichten mussten.

Erst säen, dann ernten

Freilich ist es die Aufgabe eines Vorstandschefs, Optimismus auszustrahlen. Darum bemühten sich John Cryan und seine Vorstandskollegen redlich. Nach der US-Einigung kurz vor Weihnachten hätten Kunden, die sich zuvor zurück gezogen hatten, "deutlich mehr Geschäft mit uns gemacht." Damit habe die Bank "eindrucksvoll ihre Widerstandsfähigkeit bewiesen", so Cryan. Natürlich sei man mit den Zahlen nicht zufrieden, aber, so der seit anderthalb Jahren amtierende Bank-Chef, "man müsse zunächst aussäen, wenn wir später eine größere Ernte einfahren wollen." Noch befinde man sich aber "eindeutig in der Phase, in der wir vor allem säen."

Eine Entschuldigung am Ende

Und ja, es gab auch ein paar gute Nachrichten. So hat die Bank ihre Eigenkapitalbasis stärken können, auf den besten Wert seit drei Jahren. Und sollte es irgendwo mal zwacken, auch da ist vorgesorgt: Die Reserven, um eventuelle Verluste zu absorbieren, belaufen sich mittlerweile auf 218 Milliarden Euro, ein Plus von fast zehn Prozent. Die interne Kontrolle ist deutlich ausgeweitet worden, mit 350 zusätzlichen Mitarbeitern - und rund 600 sollen in diesem Jahr noch folgen. Und dann ist da noch die Sache mit der Digitalisierung: Es gibt jetzt eine "Digitalfabrik" in Sossenheim (!) , ein "Datenlabor" in Dublin (es wird besser)  und "Innovations-Labs"  in Berlin, London und (Achtung:) Palo Alto. Aber das kostet natürlich auch eine Menge Geld, nämlich um die 700 Millionen Euro. Auch das will erst verdient werden.

Als das Zahlen-Feuerwerk, vorgetragen von Finanz-Vorstand Marcus Schenck, vorüber war, ergriff noch einmal John Cryan das Wort - mit betroffener Miene. Allein in seiner kurzen Amtszeit, so der Brite, habe die Bank fünf Milliarden Euro für Rechtsfälle aufwenden müssen, die viele Jahre zurückliegen. (Insgesamt sind es mittlerweile rund 15 Milliarden.) Diese Altlasten hätten nicht nur viel Geld, sondern vor allem Vertrauen und Reputation gekostet. Für das, was geschehen sei, drückte er sein "tiefes Bedauern" aus. "Wir möchten uns dafür entschuldigen."

 

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