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Wirtschaft

Deutsche Bank sucht neuen Chef

Der Wechsel Axel Webers zur Schweizer UBS setzt die Deutsche Bank unter Druck, einen neuen Nachfolger für Vorstandschef Josef Ackermann zu präsentieren. Eigentlich sollte Weber diesen Posten bekommen.

Das Logo der Deutschen Bank in Frankfurt am Main spiegelt sich in der Glasfassade des Turms des Geldinstituts (Foto: dpa)

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bleibt dem Institut noch bis Mai 2013 erhalten, dann läuft sein Vertrag aus. Eigentlich genug Zeit für die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Ackermann selbst hatte den Ökonomen Axel Weber favorisiert. Doch der hat sich nun überraschend anders entschieden: Am Freitag (01.07.2011) wurde bekannt, das Weber zur Schweizer Großbank UBS wechselt. Bei der Deutschen Bank brechen durch diese Entscheidung alte Konflikte wieder auf.

Axel Weber (Foto: dapd)

Wird es nicht: Axel Weber

Um Axel Weber hatten sich in den vergangenen Monaten zahlreiche Gerüchte gerankt: So war er als einer der Kandidaten gehandelt worden, die Dominique Strauss-Kahn an der Spitze des Internationalen Währungsfonds beerben könnten – das Rennen jedoch entschied in der vergangenen Woche die französische Finanzministerin Christine Lagarde für sich. Lange Zeit galt er auch als aussichtsreicher Bewerber um die Nachfolge von Jean-Claude Trichet als Chef der Europäischen Zentralbank. Doch der Wechsel zur UBS hat nun alle Spekulationen beendet. Dagegen geht die Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden für die Deutsche Bank von vorne los.

Die Deutsche Bank sitzt in Deutschland

Der neue Favorit auf diesen Posten ist bereits ausgemacht: Es ist der indische Finanzmanager Anshu Jain. Er gehört dem Vorstand der Deutschen Bank an und ist seit Juli 2010 alleinverantwortlich für das Investmentbanking der Frankfurter. In Fachkreisen genießt der 48-jährige einen ausgezeichneten Ruf, er ist international – wenn auch nicht in Deutschland selbst – gut vernetzt. In Folge der internationalen Subprime-Krise mußte die von Jain geleitete Abteilung der Deutschen Bank zwar hohe Abschreibungen vornehmen, im Jahr zuvor hatte Jain jedoch mit einem Gewinn von mehr als zwei Milliarden Euro zur Bilanz seiner Bank beigetragen. Jain gilt als analytisch denkender und ehrgeiziger Mensch, der auch zur Selbstkritik fähig ist. Darüber hinaus ist er eloquent und hat Spaß an kontroverser Diskussion – nur nicht in Deutschland, da er kaum deutsch spricht.

Josef Ackermann (Foto: AP)

Vorstandschef seit 2006: Josef Ackermann

In kaum einem anderen Land ist das Finanzwesen so reguliert wie in Deutschland, da ist es besonders wichtig, mit den Entscheidungsträgern in der Politik und den Meinungsmachern in den Medien diskutieren zu können – auf deutsch. Dass er das nicht kann, könnte die Chancen Jains auf den Posten als Vorstandsvorsitzender deutlich mindern. Sollte die Wahl trotzdem auf den Inder, der mit Frau und zwei Kindern in London lebt, fallen, dann könnte eine "Tandem-Lösung" in Betracht kommen. An der Spitze der Deutschen Bank stünden dann zwei mehr oder weniger gleichberechtigte Chefs, die sich das Geschäft aufteilen würden. Ein möglicher Partner Jains könnte sich dann um die Aussendarstellung der Bank in Deutschland kümmern. Sollte Anshu Jain tatsächlich zum Vorstandsvorsitzenden aufrücken, würde er das übrigens kaum aus finanziellen Gründen tun: Jain hat im vergangenen Jahr angeblich über zwölf Millionen Euro verdient und damit mehr als sein jetziger Chef Josef Ackermann.

Schluss mit dem Kinderkram

Die Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden zeigt, dass es der Frankfurter Großbank an geeigneten Kandidaten für den Posten zu mangeln scheint. Aus dem Kreis der Vorstände der Deutschen Bank jedenfalls drängt sich kein weiterer Nachfolgekandidat auf. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" etwa nennt vier mögliche Kandidaten aus dem Vorstand, hält sie aber für zu blass, um ernsthaft in Betracht zu kommen, sie gälten "allesamt als Leichtgewichte". Der Druck, der auf den Vorständen lastet, kein Vakuum an der Unternehmensspitze entstehen zu lassen, scheint allerdings enorm zu sein. Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert ein Vorstandsmitglied mit den Worten: "Es muß doch mal Schluß sein mit dem Kinderkram!"

Anshu Jain Quelle: dpa

Anshu Jain hat gute Chancen auf den Posten des Vorstandschefs.

Eine Schlüsselrolle bei der Neubesetzung des Vorstandvorsitzes kommt dem Chef des Aufsichtsrates, Clemens Börsig, zu. Er war auch für die gescheiterten Verhandlungen mit Axel Weber verantwortlich. Börsig soll zwar wiederholt mit Weber gesprochen haben – überzeugen konnte er ihn offenkundig nicht. Außerhalb der Deutschen Bank ist in der jüngeren Vergangenheit ein anders Nachfolge-Modell für 2013 diskutiert worden. Demnach könnte Anshu Jain den Vorstandsvorsitz übernehmen und Josef Ackermann selbst würde dessen Nachteile – die mangelnden Sprachkenntnisse - ausgleichen, und zwar als Aufsichtsratsvorsitzender. Dazu müßt allerdings der jetzige Aufsichtsratschef Clemens Börsig seinen Sessel räumen. Und dass er das tut, um Ackermann, dem er in herzlicher Abneigung verbunden sein soll, den Weg frei zu machen, gilt als sehr unwahrscheinlich.

Autor: Dirk Kaufmann (dpa, Reuters, dapd)

Redaktion: Martin Schrader

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