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Wirtschaft

Deutsche-Bank-Händler in England vor Gericht

In England ist zum ersten Mal Anklage gegen Banker erhoben worden, die in die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Euribor verwickelt sein sollen. Unter den Beschuldigten sind auch Mitarbeiter der Deutschen Bank.

Zehn Angeklagte müssen am 11. Januar 2016 vor dem Westminister Magistrate Court in London erscheinen. Die für Wirtschaftskriminalität zuständige britische Behörde Serious Fraud Office (SFO) führt Klage gegen vier Mitarbeiter der britischen Barclays Bank und sechs Beschuldigte, die für die Deutsche Bank gearbeitet haben.

Der Prominenteste unter ihnen ist der Franzose Christian Bittar, der bekannt geworden war, weil er mit 80 Millionen Euro 2009 den höchsten Bonus in der Geschichte der Deutschen Bank zugesprochen bekommen hatte. Der Derivate-Spezialist war 2011 entlassen worden.

Der Vorwurf des SFO lautet auf gemeinschaftlichen Betrug. Die SFO teilte am Freitag mit, die Ermittlungen dauerten an und es seien noch weitere Anklagen zu erwarten. Das SFO, als unabhängige Abteilung der britischen Regierung nur dem Generalstaatsanwalt unterstellt, hatte die Ermittlungen im Euribor-Fall vor dreieinhalb Jahren an sich gezogen.

Lukrativer Derivatehandel

Die vier Barclays-Banker arbeiten nach Angaben der Bank nicht mehr dort. Wie viele der angeklagten Deutsche-Bank-Händler noch für ihren Arbeitgeber tätig sind, blieb zunächst offen. Die Bank selbst wollte sich zu dem Fall nicht äußern.

Das Frankfurter Institut musste im April wegen Zinsmanipulationen 2,5 Milliarden Dollar an britische und amerikanische Behörden zahlen. Die britische Finanzaufsicht FCA hatte damals aus E-Mails und Internet-Chats unter den Händlern zitiert, die auf eine Beteiligung Bittars schließen ließen.

Bittar hatte erst in dieser Woche erstinstanzlich einen Prozess gegen die FCA gewonnen, weil er durch die Veröffentlichung bloßgestellt worden sei. Obwohl sein Name nicht genannt worden war, sei er zumindest in der Branche eindeutig identifizierbar, hatte sein Anwalt moniert. Bittar hatte für die Deutsche Bank in London mit Derivaten auf Basis des Euribor gehandelt, was ihm den Mega-Bonus einbrachte, ehe er 2010 für die Bank nach Singapur wechselte.

dk/bea (rtr/afp)