Deutsche Bank-Großaktionär HNA und die Schulden | Wirtschaft | DW | 15.02.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Deutsche Bank-Großaktionär HNA und die Schulden

Chinesische Investoren sind seit einigen Jahren auf Einkaufstour in Europa. Doch inzwischen wachsen die Sorgen, ob sich einige, allen voran der chinesische Mischkonzern HNA, da nicht übernommen haben.

Wie groß diese Sorgen sind, zeigt die Einschätzung der Ratingagentur S&P: Die stufte vor wenigen Tagen die Kreditwürdigkeit von HNA auf das Ramschniveau "CCC+" zurück. Groß kann das Vertrauen in den Konzern, der auch Großaktionär der Deutschen Bank ist, also nicht mehr sein, und das liegt vor allem an den anstehenden Schuldenrückzahlungen. Die Begründung: HNA sei abhängig von günstigen Marktbedingungen, um in der Lage zu sein, die anstehenden Forderungen begleichen zu können. An 2,4 Milliarden Dollar fehlt es den  Chinesen allein im ersten Quartal - 100 Milliarden Dollar an Schulden haben sie in den letzten zehn Jahren nach den Daten der Finanznachrichtenagentur Bloomberg aufgehäuft, 29 Milliarden davon seien kurzfristig fällig, und das übersteige den Barbestand und die laufenden Gewinne.

HNA hat sich also mit seiner auf Pump finanzierten Einkaufstour der letzten Jahre schlicht übernommen. Die Chinesen haben allein 16 Milliarden Dollar in Immobilien weltweit investiert, davon 4 Milliarden in den USA. Sie sind an der Hilton-Hotelgruppe beteiligt, und Großaktionär der Deutschen Bank. Um Liquidität zu beschaffen, hat sich HNA von einigen Immobilien in Hongkong getrennt, auch einige in den USA sollen offenbar abgestoßen werden. Auch den Anteil an der Deutschen Bank hatten die Chinesen reduziert von 9,9 auf nun noch 9,2 Prozent. Laut "Financial Times" vom Freitag (16.02.2018) sei die Beteiligung an dem Geldhaus weiter gesenkt worden. Diese belaufe sich nun auf "ungefähr 8,8 Prozent", berichtete die Zeitung auf ihrer Internetseite.

Großinvestor bei der Deutschen Bank

Der Finanzinvestor CQuadrat, über den HNA seine Anteile an dem Geldhaus hält, versicherte jedoch, man sei ein langfristiger Großinvestor der Bank. Die Beziehung sei gut, hatte auch Deutsche-Bank-Chef John Cryan vor einigen Tagen bekräftigt. Allerdings ist auch der Aktienkurs der Deutschen Bank immer wieder wegen der Unsicherheit um die Zukunft von HNA gedrückt worden. Denn die Aktionäre fürchten, dass die Interessen der Chinesen an der Deutschen Bank doch nicht so langfristig sein könnten, sondern eher denen eines Hedgefonds gleichen.

"Hedgefonds sind eben einfach eher kurzfristig orientiert und suchen das eine, plötzlich viel Kapital freisetzende Ereignis, mit dem sie Ihren Einsatz vervielfachen wollen", erklärt Christoph Schalast, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management. Das gehe am besten mit viel Fremdkapital, sei aber auch mit einem hohen Risiko verbunden, wenn die Investitionen, gerade eine Aktie, an Wert verliere. Immerhin gab es zu Beginn der Woche ein Zeichen der chinesischen Regierung: Die hat HNA indirekt einen Kredit von 3,2 Milliarden Dollar gegeben - ein eher symbolischer Betrag, doch das soll wohl bedeuten, dass Peking HNA nicht fallen lässt. Außerdem hätten hochrangige Manager des Konzerns von HNA garantierte Anleihen erworben.

Video ansehen 28:31

Chinas Gier nach deutschen Firmen

Schwierigkeiten auch bei Wanda

Nicht nur HNA ist in Schwierigkeiten, auch das große Konglomerat Wanda hat eine Beteiligung von 17 Prozent an dem spanischen Fußballclub Atletico Madrid veräußert. Die chinesischen Behörden haben inzwischen die  Kontrollen für die großen Nicht-Finanzunternehmen verschärft. Deshalb ist auch deren Verschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt nicht weiter gestiegen. Die beträgt zwar immer noch hohe 160 Prozent des BIP - zum Vergleich: Im Euroraum liegt die bei 100 Prozent, in den USA bei 70 Prozent. In westlichen Industriestaaten würde man da von einer Blase sprechen, meint Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Anders in China: Da kontrolliere die Regierung die Ersparnisse der Bürger, es könne also nicht zu einem Bankrun kommen. Allerdings seien diese hohen Schulden eine "riesige Fehlallokation von Kapital". Sie würden auf Jahre das Wachstum in China bremsen  und sei eine schwere Hypothek für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Audio und Video zum Thema