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Wirtschaft

Deutsche-Bank-Chef startet Charmeoffensive

Der neue Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, hat schnell von seinem Vorgänger Josef Ackermann gelernt: Erst mal sich gut stellen mit der Kanzlerin, und dann um Vertrauen werben für seine in Misskredit geratene Zunft.

Deutsche Bank Co-Chef Anshu Jain auf CDU Wirtschaftstag (Foto: Reuters)

Deutsche Bank Co-Chef Anshu Jain auf CDU Wirtschaftstag

Die Charmeoffensive ist Anshu Jain gelungen. Ein paar Sätze auf Deutsch und ein Loblied auf den deutschen Mittelstand - allein das reichte beim CDU-Wirtschaftstag am Dienstag (12.06.2012) in Berlin für viel Beifall und Sympathien. Der neue Deutsche-Bank-Chef bekannte im überfüllten Hotel InterConti auch noch: "Die Deutsche Bank ist seit zwanzig Jahren mein Leben und mein Zuhause." Die Erwartungen an den ersten großen Auftritt des neuen starken Mannes in Deutschlands größtem Geldhaus auf Berliner Politik-Parkett waren enorm.

Befürchtungen gab es schon vor dem Machtwechsel in den Frankfurter Doppeltürmen Ende Mai: Der Co-Chef neben Jürgen Fitschen werde den Vorstand des deutschen Branchenprimus' aufmischen und sich mit Getreuen umgeben. Oder: Der erfolgreiche Investmentbanker werde die Bank zu größeren Risiken treiben. Die gesellschaftspolitische Rolle der Bank sei ihm nicht bewusst. Die größte Sorge: Die Deutsche Bank, einziges deutsches Institut von Weltrang, könnte unter Führung des Inders schon bald von London aus oder gar New York gelenkt werden.

Die große Wundertüte

Für viele ist Jain eine große Wundertüte. Bei seinen bisher nur wenigen öffentlichen Auftritten gibt er sich unkompliziert und stets freundlich. Häufig mit seinem Markenzeichen -  einem lässig über die Schultern geworfenen Rucksack. In Deutschland ist der 49-Jährige aber noch nicht wirklich angekommen. Ein deutsches Wort war - bis zum Berliner Auftritt - in der Öffentlichkeit von ihm nicht zu hören.

Das änderte sich am Dienstagabend. Er leitete seine Rede auf Deutsch ein und beendete sie auf Deutsch - übrigens fast akzentfrei. Vor allem aber sagte er "Mittelstand" auf Deutsch und bezeichnete diesen als den heimlichen Helden des Erfolgs der deutschen Wirtschaft. Und er kündigte einen neuen "Vertrag" zwischen Banken und Bürger an, weil diese zu Recht das Vertrauen während der Finanzkrise in die Geldhäuser verloren hätten.

Schwere Zeiten

Jain sprach von einem Scheideweg in Europa. "Wir durchleben eine der schwersten Finanzkrisen seit Bestehen des modernen Europas. Wie sie ausgeht, ist noch offen", sagte der Top-Investmentbanker. "Ich bin mir aber sicher, dass sich Europa erholen und sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen kann." Die Maßnahmen zur Rettung der spanischen Banken vom Wochenende nannte er ein Beispiel für eine gut konzertierte Aktion der Europäer.

Lobende Worte fand Jain für den harten Sparkurs der Kanzlerin, der in Europa heftig umstritten ist: ""Defizitfinanzierung ist aus meiner Sicht nicht der richtige Weg für Europa", sagte er. "Eine Sparpolitik zu vertreten bedeutet ganz einfach, der Realität mutig ins Auge zu blicken."

Es war ein wohl überlegter Auftakt: Selbstkritik als Banker, Bekenntnisse zum Standort Deutschland und zum Mittelstand und ein Lob auf die deutsche Industrie kamen an Zur Charmeoffensive gehörte auch, nicht übertrieben vor Eingriffen der Politik zu warnen. Ein Heimspiel für den smarten Banker werden solche Auftritte aber nicht bleiben. Selbst im CDU-Wirtschaftsflügel will man Banken nicht mit immer neuen Steuerzahler-Milliarden retten.

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