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Deutsche Bank als Kunstmäzen

Die Kunstsammlung der Deutschen Bank ist die größte Unternehmenssammlung weltweit. Seit 1979 lautet das Credo: "Art Works". 53.000 Kunstwerke hängen in allen Gebäuden der Deutschen Bank.

Schrift und Gesicht auf zwei Flachbildschirmen Heiner Blum, Wie und Wo (c) Bärbel Högner Sammlung Deutsche Bank

Heiner Blum spielt "Big Brother". Seine Installation sieht aus wie ein futuristisches Überwachungssystem.

"Willkommen im IBC" leuchtet eine grellrote Schrift auf einem Flachbildschirm. Gleich daneben ist das stilisierte Bild eines Brillenträgers zu sehen, der die Lippen zu einem Grinsen verzieht. Der Künstler Heiner Blum spielt "Big Brother" im "Investment Banking Center", IBC, gegenüber der Frankfurter Messe - bis 2010 das Hauptquartier der Deutschen Bank. Blums Installation sieht allerdings nur aus wie ein futuristisches Überwachungssystem. Eigentlich ist sie dazu da, die Mitarbeiter persönlich zu begrüßen und ihnen im Labyrinth der Etagen und Gänge den Weg zu weisen. "Heiner Blum hat auf LCD-Bildschirmen Porträts der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter integriert", erklärt Britta Färber vom Kunstteam der Deutschen Bank das Konzept. "Es geht darum, die Kunst am Arbeitsplatz in neue Wege zu leiten, um den veränderten Arbeitsverhältnissen Rechnung zu tragen", erläutert die Kunsthistorikerin.

Ästhetisches Programm für Banker

Bankbüro mit Stühlen Ina Weber Welcome to the Club (c) Bärbel Högner Sammlung Deutsche Bank

Kaffeeflecken inklusive - in Ina Webers Club können sich die Banker gehen lassen.

Nicht nur am Eingang. Auf jeder Etage stehen die Hightech-Diener und erklären den 1000 Mitarbeitern, wo sie sich gerade befinden. Heiner Blum ist einer von sieben Künstlern, die für das Bankhochhaus gegenüber der Messe eine eigene Arbeit entworfen haben. "Art Works", also Kunst am Arbeitsplatz, nennt sich dieses ästhetische Erziehungsprogramm für Banker. 1979 wurde es aus der Taufe gehoben, um auch Top-Manager für die schöngeistigen Seiten des Lebens fit zu machen.

Berühmt wurde die Sammlung, als sie 1984 in die Doppeltürme der Deutschen Bank einzog. Damals bekam jede Etage den Namen eines Künstlers, um die Architektur unterscheidbar zu machen. "Die Zwillingstürme waren als Hotel geplant und sind spät von der Deutschen Bank übernommen worden. Von 1986 bis 2007 standen auf den Fahrstuhlknöpfen die Namen der Künstler" erklärt Britta Färber. "Im A-Turm waren Werke der klassischen Moderne und im B-Turm Arbeiten von Joseph Beuys und seinen Schülern untergebracht."

Horizonterweiterung stieß auf Protest

Nicht immer kam die verordnete Horizonterweiterung an. Als die ersten Kunstwerke in den Hauptsitz einzogen, empfanden manche Angestellte dies als Provokation, erinnert sich Friedhelm Hütte, der Leiter der Kunstabteilung. "Gegen die endlosen Zahlenreihen von Hanne Darboven gab es damals große Proteste. Die Mitarbeiter wollten ihre Bilder nicht jeden Tag sehen", so Hütte, der auch für die Ankäufe zuständig ist. "Da staunt man – oder eher gerade nicht - dass es Vorbehalte gegen die Kunst gab, die formal zu ihrer Arbeit eine große Nähe aufwies."

Gläserne Helix Olaf Metzel Cash Flow (c) Bärbel Högner Sammlung Deutsche Bank

Schillernder Blick auf den Geldbeutel der Bank.

Die Zwillingstürme mit dem Spitznamen "Soll und Haben" sind derzeit leer. Sie müssen bis 2010 modernisiert werden. Auch die Kunstsammlung der Deutschen Bank musste ausziehen. Im Hauptquartier an der Messe wird sie neu präsentiert. Das "Investment Banking Center", IBC, besteht aus drei Gebäudeteilen. Auch dort ist die Kunst Teil des Inventars.

Auch in den neuen Hochhäusern lassen sich kunsthistorische Schätze heben. Da zieren Gemälde von Daniel Richter, Fotografien von Andreas Gursky, Grafiken von Peter Doig, Kai Althoff oder Martin Kippenberger gleich mehrere Flure und Konferenzräume der knapp 30 Etagen.

Über Geld spricht man nicht

Welche Summe die Deutsche Bank jährlich in Kunst investiert, bleibt ein Geheimnis. Fest steht: auch wenn es in erster Linie gar nicht um Geldanlage geht, viele Werke sind längst mehr wert als ihr Einkaufspreis. Denn bei ihren Ankäufen haben Hütte und sein Team oft einen guten Riecher bewiesen. Auch der Star der Neuen Leipziger Schule, Neo Rauch, zog schon früh in die Sammlung ein. "Die ersten Arbeiten von Neo Rauch haben wir gekauft, als er mit anderen Leipziger Künstlern eine Art Selbsthilfegalerie aufgemacht hatte, in einem alten Kraftwerk", erinnert sich Hütte. Werke, nach denen sich manch ein Sammler längst die Finger leckt.

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